Zu klein, zu verwinkelt, schlechte Lage: Für Immobilienmakler sind Schlecker-Filialen keine Top-Standorte. Viele Läden sind unvermittelbar, sagen Experten. Das ist keine gute Prognose für den Einzelhandel.

Hunderte Schlecker-Filialen sind in jüngster Zeit bereits geschlossen worden. Und es ist keine kühne Prognose, dass die insolvente Drogeriekette noch viel mehr ihrer noch 6.000 Läden dicht machen muss, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Die Frage ist nun: Wer soll diese Standorte übernehmen?

Hendrik Poggemann aus der Geschäftsführung des Düsseldorfer Einzelhandel-Immobilienmaklers Lührmann sagt, dass für sein Unternehmen allenfalls fünf Prozent der Schlecker-Filialen interessant seien. Dazu gehören XXL-Märkte sowie Filialen der ebenfalls insolventen Tochter IhrPlatz, deren Flächen bei 400 Quadratmeter beginnen. Bisher hat sich der Makler allerdings noch nicht damit beschäftigen müssen.

"Drei Treppenstufen - das gibt es nur bei Schlecker"

Viele Schlecker-Filialen sind keine guten Standorte. Selten befinden sie sich in 1a-Lagen, oft haben sie eine nur geringe Größe, der Zuschnitt ist meist nicht mehr zeitgemäß, "und drei Treppenstufen im Eingang gibt es auch nur bei Schlecker", sagt Poggemann.

Er verweist auf den hohen Renovierungsbedarf der Standorte. Für ihn sind das schwer vermittelbare Immobilien, vor allem in der Handelsbranche. Denn für fast alle gängigen Filialisten sind Ladengrößen von 200 oder 300 Quadratmeter indiskutabel.

Poggemann kann sich gerade noch vorstellen, dass in gut frequentierten Stadtteillagen Schlecker-Filialen von Bäckereien oder bestenfalls von der Textilkette Ernstings Family neu bezogen werden. Aber sonst? "Es wird erhebliche Leerstände geben", prognostiziert der Makler.

"Um ein attraktives Angebot an Körperpflegeprodukten, Putzmitteln und auch Lebensmitteln vorhalten zu können, ist eine entsprechende Filialgröße notwendig", sagte auch Mark Sievers, Handelsexperte des Beratungsunternehmens KPMG, zu derhandel.de.  In der Konsequenz heißt das, dass wohl Hunderte kleinflächige Filialen überflüssig sind.

Nagelstudios oder Friseure

Auch Stella Schmitz, Einzelhandelsexperterin beim Frankfurter Gewerbeimmobilienmakler Colliers International, kann sich nicht vorstellen, dass in aufgegebene Schlecker-Filialen wieder Handelsbetriebe einziehen. Allenfalls für Friseure, Floristen oder Nagelstudios bleiben diese Standorte attraktiv.

Zuletzt hatte Unternehmenschef Dirk Roßmann davon gesprochen, das maximal 80 Schleckermärkte für ihn interessant seien.

Schlecker-Konkurrent dm "verlangt mindestens 400 Quadratmeter plus etwa 100 Quadratmeter Nebenfläche", sagt Maklerin Schmitz. Zudem sei der Grundriss in einigen Schlecker-Filialen zu verwinkelt und passe nicht zum hellen, großzügigen Ladenbaukonzept von dm.

Zudem treibt die Karlsruher Drogeriekette ihren neuen Ladenbau voran, bei dem regenerative Energiekonzepte mit Photovoltaik und Geothermie im Vordergrund stehen. Seit 2010 stellt dm seine Märkte schrittweise auf Ökostromversorgung um, als Mustermarkt gilt die Filiale in Mössingen, die dm als energieeffizienteste seiner Standorte in Deutschland bewirbt.

Solche Schwerpunkte finden beim Verbraucher immer stärker Anklang. Wie das auch bei Schlecker-Filialen umgesetzt werden könnte, ist fraglich.