Für Wettbewerber Dirk Roßmann ist die Schlecker-Insolvenz "eine Katastrophe für Mitarbeiter und Inhaberfamilie", sie war aber absehbar. Verdi nimmt den Schlecker-Eigentümer beim Kampf um die Jobs in die Pflicht.

Die Insolvenz von Schlecker kommt aus Sicht des Konkurrenten Rossmann nicht unerwartet. Dirk Roßmann, Gründer der Drogeriekette Rossmann in Burgwedel bei Hannover, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Freitag: "Die Insolvenz ist eine Katastrophe für die Mitarbeiter und die Inhaberfamilie, die ich seit über 35 Jahren persönlich kenne."

Die rückläufigen Erlöse und der geringe Durchschnittsumsatz der einzelnen Filialen hätten die Entwicklung in der Branche absehbar gemacht. Rossmann hat kaum Interesse an der Übernahme von Schlecker-Filialen.

Hintergrund sei der heftige Wettbewerb im deutschen Einzelhandel, der den Verbrauchern aber insgesamt zugute komme, sagte der Unternehmer. Die Rossmann-Kette war seit vielen Jahren die Nummer Drei auf dem umkämpften Drogeriemarkt nach Schlecker und dm.

Bildergalerie: Schlecker - Zerfall eines Drogerieimperiums

Verdi: "Eigentum verpflichtet"

Die Gewerkschaft Verdi fordert von Unternehmenseigentümer Anton Schlecker volles Engagement bei der Rettung der Arbeitsplätze. "Anton Schlecker trägt als Eigentümer persönlich die Verantwortung für seine Beschäftigten. Besonders in einem solchen Falle gilt: Eigentum verpflichtet", betonte Stefanie Nutzenberger, Verdi-Vorstandsmitglied für den Handel.

Nun komme es darauf an, in einem möglichen Insolvenzprozess die mehr als 30.000 Arbeitsplätze bei Schlecker zu retten. "Die Beschäftigten haben sich auch in den vergangenen schwierigen Jahren für ihr Unternehmen eingesetzt und den Laden am Laufen gehalten. Auch deshalb haben sie einen Anspruch darauf, dass sich jetzt Schlecker im Gegenzug mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln für den Erhalt der Arbeitsplätze einsetzt", sagte Nutzenberger

Schlecker war im Dezember 2011 Jahres mit der Bitte um Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag an Verdi herangetreten.

Marktbereinigung wird forciert

Der Handelsverband Deutschland (HDE) äußerte sich vorsichtig zur neuen Entwicklung bei Schlecker. Die Insolvenz zeige, dass der Drogeriemarkt "heiß umkämpft" sei, sagte Sprecher Kai Falk zu derhandel.de Ein mögliches Aus der schwäbischen Drogeriekette würde sicherlich die Marktbereinigung forcieren.

Der Drogeriekonzern Schlecker geht in die Planinsolvenz, wie das Unternehmen am Freitag bestätigte. Der Insolvenzantrag werde "kurzfristig" eingereicht. Ziel sei der Erhalt eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze. Der Geschäftsbetrieb werde unverändert weiterlaufen. Das Auslandsgeschäft von Schlecker sowie die Tochter IhrPlatz sind von der Insolvenz nicht betroffen.