Das Amtsgericht Ulm wollte nicht länger auf ein Ergebnis zu den Transfergesellschaften warten und hat das Insolvenzverfahren für Schlecker heute eröffnet.

Das Insolvenzverfahren über die Drogeriekette Schlecker ist am Mittwoch vom Amtsgericht Ulm eröffnet worden. Dies gilt auch für die Tochter IhrPlatz. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bestätigte entsprechende Medienberichte.

Wegen der Unklarheit über die Transfergesellschaften war der Zeitpunkt bisher unsicher gewesen. Der 1. April wäre dafür der späteste Termin. Laut Gericht sei beim Unternehmen genügend Masse für ein Insolvenzverfahren vorhanden, schreibt die Onlineausgabe der "Lebensmittel Zeitung". Die Gläubigerversammlung müsse frühestens in sechs Wochen, spätestens in drei Monaten zusammenkommen, heißt es in dem Bericht weiter.

Der Finanz- und Wirtschaftsausschuss des baden-württembergischen Landtags wollte eigentlich an diesem Mittwochnachmittag entscheiden, ob das grün-rot regierte Land in Vorleistung für die gesamte Bürgschaft geht. Kurz zuvor überraschte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) mit seiner Aussage, das bisherige Nein seines Landes zu einer Bürgschaft sei noch nicht endgültig.

Die Zusagen der Bundesländer sind Bedingung für die Auffanglösung. Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz will mit einem KfW-Kredit über 70 Millionen Euro die Transfergesellschaften finanzieren, in die rund 11.000 Beschäftigte wechseln könnten, die entlassen werden. In Stuttgart war zu hören, dass auch am Vormittag noch zwischen den Bundesländern konferiert wurde.

"Autokratische Familie"

Nachdem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC in einem Gutachten dem Fortbestehen von Schlecker wenig Chancen gegeben hatte, war bei manchen Ländern die Skepsis an Finanzhilfe gestiegen.

Dazu zählen neben Niedersachsen auch Sachsen. "Es gibt viele anderen Wettbewerber auf dem Markt. Ich sehe die Zukunft des Unternehmens Schlecker sehr kritisch, also auch des möglicherweise in der Insolvenz verbleibenden Unternehmens", erklärte Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) noch am Mittwochmorgen.

Auch der FDP-Bundestagsfraktionsvorsitzende Rainer Brüderle lehnt Hilfen des Bundes für die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker weiter strikt ab. "Hilfe kann nur von den Ländern kommen", sagt der frühere Bundeswirtschaftsminister am Mittwoch in Berlin. "Das ist kein Anlass, wo sich der Bund engagieren müsste." Die Beschäftigten seien "Opfer des Missmanagements einer autokratischen Familie" geworden.