Nur zwei Monate nach dem Abschluss eines Tarifvertrags moniert die Gewerschaft Verdi, dass der Drogeriediscounter Schlecker keine Überstunden mehr bezahlt - ein klarer Verstoß.

Bei Schlecker ist nach Gewerkschaftsangaben ein Streit um Überstunden entbrannt. Der Drogeriediscounter zahle den Beschäftigten seit diesem Monat keine Überstunden mehr aus und verstoße damit gegen den Tarifvertrag, sagte ein Sprecher von Verdi. Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Dem Bericht zufolge erfuhren die Beschäftigten auf ihrer Gehaltsabrechnung, dass ihre Überstunden nicht wie sonst ausbezahlt, sondern in ein Mehrarbeits-Depot überführt würden.

Bundesweit keine Auszahlung

"Da fast alle Schlecker-Mitarbeiter nur teilzeitbeschäftigt sind, sind sie besonders auf das Geld angewiesen", sagte der Verdi-Unternehmensbeauftragte Achim Neumann. Die Bezahlung der Überstunden sei bundesweit und ohne Vorankündigung eingestellt worden.

"Die Mitarbeiter waren überrascht und empört", berichtete Neumann. Bis zu diesem Monat seien die Stunden ausbezahlt und nur auf Wunsch der Mitarbeiter in Freizeit abgegolten worden.

Betroffen seien rund 32.000 Schlecker-Angestellte. Offenbar wolle das Unternehmen Personalkosten einsparen, vermutet Neumann. Dieses Verhalten führe jedoch zu dem neuen Problem, dass durch den Abbau von Überstunden Personal in den Filialen fehle.

Verdi strebt Einigung mit Schlecker an

Verdi will nun versuchen, eine Einigung mit dem Unternehmen zu erzielen. "Wir ermutigen die Betriebsräte, ihre Mitbestimmungsrechte wahrzunehmen", sagte Neumann. Die Gewerkschaft verlangt von Schlecker, die nicht gezahlten Gelder im Nachhinein auszubezahlen.

Erst Anfang Juni war ein Streit um Dumpinglöhne und Kündigungen bei Schlecker beigelegt worden: Das Unternehmen und die Gewerkschaft Verdi verständigten sich auf eine tarifliche Regelung für die Beschäftigten.

Diese sieht vor, dass die Mitarbeiter nach dem Einzelhandelstarif Baden-Württemberg bezahlt werden. Das Unternehmen hatte zuvor mit Dumping-Stundenlöhnen von 6,50 Euro für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Der Ecklohn soll nun rund 12,30 Euro betragen.