Kleine Gemeinden fürchten die Schließung der Schlecker-Filiale vor Ort. Doch solche Kleinstläden haben der Drogeriekette die größten Probleme bereitet. Die Bereinigung des Filialnetzes dürfte einige Orte hart treffen.

Die Experten sind sich einig: Die vielen kleinen und unprofitablen Standorten von Schlecker waren mit ein Grund, weshalb die Drogeriekette in die Insolvenz geschlittert ist. Werden sie geschlossen, ist die Nachvermietung schwierig: Allenfalls fünf Prozent der Schlecker-Filialen seien für sein Unternehmen interessant, sagte Hendrik Poggemann aus der Geschäftsführung des Einzelhandel-Immobilienmaklers Lührmann zu derhandel.de.

Vor allem die Filialen auf dem Land sind für die Kommunen schwer zu ersetzen. Etwa in der kleinen brandenburgischen Gemeinde Schmachtenhagen: Hier wurde die Poststelle schon vor Jahren geschlossen. Auch eine Bank oder Tankstelle gibt es längst nicht mehr.

Gut 40 Kilometer nördlich von Berlin bleibt den rund 2.200 Einwohnern zum Einkaufen nur noch die kleine Schlecker-Filiale, ein Bauernmarkt und neuerdings ein Netto-Discounter. "Wenn Schlecker weg bricht, ist das ganz schön bitter", sagte Ortsvorsteher Hans-Dieter Manzl der dpa.

"Die letzte Einzelhandelshoffnung"

"Gerade im ländlichen Raum ist Schlecker für viele die letzte Einzelhandelshoffnung", zitiert die Nachrichtenagentur Norbert Portz vom Städte- und Gemeindetag. "Und wo die Lichter erstmal ausgegangen sind, wird das Rad schwer zurückzudrehen sein."

Besonders. betroffen seien Gegenden mitten in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern, aber auch im Nordosten Bayerns oder in der Osteifel. Der Einzelhandel sei gefordert, mit den Kommunen nun Konzepte zu erarbeiten, sagt Portz.

Nach Einschätzung des Kölner Handelsinstituts EHI ist die Schlecker-Insolvenz auch im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung zu sehen. "Das Konzept trug sich einfach nicht mehr", sagt Geschäftsführer Michael Gerling. Aldi oder Lidl siedelten sich schon längst nicht mehr in Gemeinden unter 5.000 Einwohner an.

Ballungsgebiete im Fokus

Die Einzelhandelsunternehmen feilten zwar an neuen Formaten, doch haben sie eher die Ballungsgebiete im Blick. "Eine Renaissance des kleinen Dorfladens sehen wir nicht", sagt Gerling.

Und das aus gutem Grund: Kleine Geschäfte mit einem beschränkten Kundenpotenzial sind vielfach auf Dauer nicht profitabel. Dies musste auch Schlecker nun eingestehen.

DH mit Material von dpa