Verdi will verhindern, dass nur die Beschäftigten Opfer bringen, und immer mehr ehemalige Mitarbeiter klagen gegen ihre Kündigungen. Die Sanierung von Schlecker wird immer komplizierter.

Die Gewerkschaft Verdi stellt sich auf schwierige Verhandlungen für einen Sanierungstarifvertrag in der Schlecker-Rettung ein. "Es werden keine einfachen Verhandlungen, weil es um sehr viel geht auf beiden Seiten", sagte Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke vor weiteren Gesprächen mit Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz an diesem Donnerstag in Ulm.

Bei den Gesprächen gehe es Verdi vor allem darum, Zahlen und Fakten darüber zu bekommen, ob die Vorschläge der Insolvenzverwaltung überhaupt geeignet sind für eine Sanierung und die Sicherung der Arbeitsplätze. Dazu zählten auch Informationen über die Bereitschaft der Lieferanten, die Konditionen für Schlecker nicht zu verschlechtern.

Nächste Verhandlungsrunde am Freitag

"Es wäre sinnlos, wenn nur die Beschäftigten Opfer ablegten", sagte Franke. Nach etlichen Filialschließungen und tausenden Kündigungen arbeiten nur noch 13.500 Mitarbeiter bei der insolventen Drogeriekette.

Geiwitz verlangt von den Beschäftigten einen Sanierungsbeitrag in Form von finanziellen Einschnitten. Nach Gewerkschaftsangaben soll die Belegschaft 15 Prozent weniger Lohn hinnehmen. Verdi lehnt diese Forderung als überzogen ab, signalisierte aber grundsätzlich die Bereitschaft für einen Sanierungsbeitrag.

Die Gespräche der Tarifkommission mit der Insolvenzverwaltung sollen am Freitag in Ulm fortgesetzt werden. Mit Ergebnissen sei nach jetzigem Stand aber nicht zu rechnen. Die Gewerkschaft hatte vorher von einem möglichen Abschluss bis Ende April gesprochen.

Beschäftigte monieren unsoziale Kündigungen

Schlecker hat aber auch noch ein anderes Problem - das immer größer wird. Hunderte frühere Beschäftigte haben wenige Tage vor Fristablauf Kündigungsklagen gegen die insolvente Drogeriekette eingereicht. Kritisiert werden vielerorts die vermeintlich unsozialen Kündigungen.

Einem ersten Trend zufolge gingen bundesweit rund 450 Klagen bei Arbeitsgerichten ein, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Besonders hoch war die Zahl der Klagen bislang in Berlin, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Auch eigene Anwälte eingeschaltet

Im Südwesten gingen insgesamt bisher etwa 200 Klagen ein. In Berlin sammelte die Gewerkschaft Verdi 49 und in Brandenburg 16 Klagen. Hinzu kämen möglicherweise Klägerinnen, die selbst einen Anwalt eingeschaltet hätten, sagte Janet Dumann, Gewerkschaftssekretärin in Berlin. In Dresden und Leipzig waren es zusammen 44 Klagen.

In Nordrhein-Westfalen klagten bei den Arbeitsgerichten 80 Entlassene. "Da kommt aber wahrscheinlich noch mehr", hieß es aus Köln. Im Hamburg, Lübeck, Bremen und Hannover waren es 44 Fälle sowie in Nürnberg, Augsburg und München zusammen 43.

Noch mehr Klagen erwartet

Die Gerichte rechnen mit weitaus mehr Klagen, da die dreiwöchige Frist zur Einreichung der Klage am Freitag ausläuft. In manchen Orten sammeln zudem die Gewerkschaften die Klagen, um sie gebündelt an die Gerichte zu übergeben.

Ende März war im Zuge der Schlecker-Pleite mehr als 10.000 Beschäftigten gekündigt worden, nachdem eine Auffanggesellschaft für diese gescheitert war.  Insolvenzverwalter Geiwitz befürchtet für die Schlecker-Rettung, dass Klagen potenzielle Investoren abschrecken könnten. Verdi hatte angekündigt, die entlassenen Mitarbeiter nicht zu rechtlichen Schritten ermuntern zu wollen.