Der Gläubigerausschuss von Schlecker sieht keine Perspektive für die insolvente Drogeriemarktkette - sie wird nun abgewickelt. Immerhin erhalten die Tochter IhrPlatz und rund 340 XL-Filialen eine Zukunft.

Weder die "wirtschaftlich vertretbare Fortführung" von Schlecker noch die Veräußerung des Gesamtkonzerns an einen Investor sei möglich, so der Gläubigerausschuss.

Auch nachdem zwei Investoren am vergangenen Freitag eine Woche Zeit eingeräumt wurde, um ihre Angebote anzupassen, lag dem Insolvenzverwalter zufolge "keine Offerte im akzeptablen Bereich" für die Drogeriekette vor. Aus diesem Grund wurde die Zerschlagung des Konzerns nun beschlossen.

"Die Angebote waren nicht akzeptabel, weil sie deutlich unter einer Zerschlagung lagen", erläutert Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. "Ich bedaure diese Entscheidung im Hinblick auf die vielen, zum Teil langjährigen Schlecker-Mitarbeiter sehr, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren", betonte er. "Das Restrukturierungskonzept war sehr anspruchsvoll aber grundsätzlich machbar."

Laut Geiwitz war der potenzielle Investor Nicolas Berggruen bereits in der Nacht zum Freitag abgesprungen. Hauptgrund für den Rückzug des Karstadt-Eigners Berggruen seien die Kündigungsschutzklagen gewesen. Abgeschreckt habe ihn auch das mediale Interesse an Schlecker.

IhrPlatz und XL-Filialen gehen vermutlich an Dubag

"Wir haben es geschafft, den Verlust des Unternehmens von über 200 Millionen Euro auf rund 25 Millionen Euro zu reduzieren. Das ist einerseits zwar ein großer Erfolg, andererseits aber immer noch ein Verlust - und den darf ein Insolvenzverwalter auf Dauer nicht machen", begründete Gewitz die Entscheidung für die Zerschlagung.

Für die Tochtergesellschaften IhrPlatz (490 Filialen, rund 3.990 Mitarbeiter) und Schlecker XL (342 Filialen, rund 1.110 Mitarbeiter) gibt es jedoch eine eigenständige Zukunft: Sie sollen weiter bestehen und an einen Interessenten verkauft werden - dabei dürfte es sich um den Münchner Investor Dubag handeln.

Zu den Gründen des Scheiterns einer Restrukturierung sagte der Insolvenzverwalter: "Die nicht vollständig zu realisierende Reduktion im Personalkostenbereich und erste Verschlechterungen in den Lieferantenkonditionen haben dazu geführt, dass das Sanierungskonzept zumindest im Rahmen eines Insolvenzverfahrens nicht zu erfüllen war."

Auch die mit über 4.400 "unerwartet hohe Zahl" an Kündigungsschutzklagen habe den Investorenprozess erschwert und „den Verkauf des Unternehmens als Ganzes unmöglich gemacht".

Kündigungen gehen bis Ende Juni raus

Der Insolvenzverwalter wird nun die Verhandlungen mit dem Betriebsrat um den Abschluss eines Interessenausgleichs und Sozialplans aufnehmen und die Kündigungen an die aktuell rund 13.200 betroffenen Mitarbeiter von Schlecker Deutschland voraussichtlich bis Ende Juni 2012 versenden.

Gleichzeitig startet Schlecker jetzt eine Ausverkaufsaktion in seinen rund 2.800 deutschen Märkten, die Gespräche zu einem Verkauf der Auslandstöchter werden fortgeführt. Auch den Verkauf der Vermögenswerte, etwa der Logistikstandorte und der Unternehmensimmobilien, will Geiwitz zügig abschließen.

DH

Bildergalerie: Schlecker - der Zerfall eines Drogerieimperiums