In der Krise sucht Schlecker den direkten Kontakt mit den Arbeitnehmern, unter anderem via Blog. Derweil bangen die Mitarbeiter - meistens Frauen - um ihre Jobs. Und geben ihren Arbeitgeber nicht auf.

Vor wenigen Tagen traf sich Lars Schlecker mit Betriebsräten der insolventen Drogeriekette - das war das erste Mal überhaupt, dass ein Mitglied der Eigner-Familie vor Arbeitnehmervertretern sprach. In der Krise gibt sich das Unternehmen mitarbeiternah: Nicht nur der vorläufige Insolvenzverwalter, Arndt Geiwitz, sagt, dass die Rettung von Jobs die oberste Priorität habe.

Nun steht auch Personaldirektor Alexander Boldt den Mitarbeitern Rede und Antwort - und zwar via Schlecker-Blog im Internet. Dort können verunsicherte Mitarbeiter ihre Fragen und Sorgen loswerden, auch wenn Boldt naturgemäß nicht auf alles eine Antwort hatte.

Einblick in die Gefühlswelt der Mitarbeiter

Die Blog-Einträge geben Einblick in die Gefühlswelt der Schlecker-Beschäftigte. Sie haben zum Teil sehr spezifische Fragen zu geleisteten Überstunden oder zu ausgebliebenen Zahlungen von Fahrtkosten. Manche wollen wissen, ob ihre Filiale geschlossen wird, oder wie es überhaupt mit dem Arbeitgeber weitergeht.

Boldt macht das einzig Richtige: In den meisten Fällen versucht er, sich wirklich um das jeweilige Anliegen zu kümmern. Gelegentlich entschuldigt er sich für Versäumnisse der Vergangenheit. Und wenn er etwas nicht weiß, redet der Personaler nicht um den heißen Brei herum, sondern gibt sein Unwissen schlicht zu.

Diese Form der Kommunikation kommt an - auch bei Fachleuten: "Während Quelle und Arcandor ein Kommunikationsdesaster nach dem anderen erlebten, ist Schlecker ein gutes Beispiel, wie man als Unternehmen die Kommunikationshoheit selber in die Hand nehmen kann", lobt das Blog "Exciting Commerce".

Frauen geben Arbeitgeber nicht auf

Derweil versuchen die Beschäftigten mit der neuen Normalität, in der ihnen nichts sicher ist, umzugehen. Katharina Klose etwa arbeitet seit elf Jahren für Schlecker. Am 20. Januar sprachen Kunden die 30-jährige Dresdnerin auf die Insolvenz an. "Dabei wusste ich doch von gar nichts, die hatten das im Fernsehen gesehen", erinnert sie sich.

Mehr als zwei Wochen später sagt sie nun: "Ich glaube, dass es wieder bergauf gehen kann." Zwar bangt sie genau wie die rund 32.000 weiteren Beschäftigten von Schlecker und der ebenfalls insolventen Tochter IhrPlatz um ihren Job. "Aber es läuft auf eine Sanierung hinaus. Das klappt nur mit uns, nicht gegen uns."

Es sind vor allem Frauen, die von einer der größten Insolvenzen im deutschen Handel betroffen sind. Viele davon haben Familien, andere sind ledig - wie Klose. Und viele sind schon sehr lange beim Unternehmen, etwa Katja Deusser und Jutta Baumann.

Beide haben zwei Jahrzehnte bei der Drogeriekette gearbeitet und werden in ihrer Lokalzeitung "Darmstädter Echo" mit den Worten zitiert: "Die Führungskräfte bei Schlecker dürfen nicht die gleichen bleiben". Doch wie viele andere Frauen möchten sie am liebsten, dass ihnen Schlecker als Arbeitgeber erhalten bleibt.

Marcelo Crescenti (mit Material von dpa)