Nach dem PR-Desaster um schlichte Kunden und intelligente Pressesprecher muss die Schlecker auch noch einräumen, im Jahr 2011 erneut Verluste zu schreiben. Die Drogeriekette kündigt weitere Filialschließungen an.

Die Drogeriekette Schlecker wird in diesem Jahr voraussichtlich weiter Verluste schreiben. Erst 2012 plane man, wieder profitabel zu sein, erklärten Meike und Lars Schlecker in der morgen erscheinenden Ausgabe der "Lebensmittel-Zeitung".

Das Ergebnis werde durch Kosten für die Schließung von Filialen und hohe Investitionen in ein neues Shop-Konzept belastet, sagten die Unternehmenschefs, die das Geschäft vor rund einem Jahr von ihrem Vater übernommen hatten.

Weitere Filial-Schließungen sind notwendig

Die Schließungswelle sei noch nicht vorüber: "Wir werden uns jetzt noch von sieben bis neun Prozent unrentablem Umsatz trennen", sagte Lars Schlecker. Im Juni war angekündigt worden, dass noch bis zu 800 Filialen wegfallen müssten. Bei den bestehenden Märkten seien bisher 200 umgebaut und hätten großzügigere Gänge und hellere Verkaufsflächen erhalten.

500 weitere Filialen sollen im kommenden Jahr folgen. Das Unternehmen hatte nach Angaben von Lars Schlecker in den vergangenen drei Jahren Verluste eingefahren. Im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz um rund 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken.

Schlechte Zahlen, schlechte PR

Als PR-Desaster entpuppt sich mittlerweile der Werbeslogan "For you. Vor Ort.", entwickelt von der Düsseldorfer Werbeagentur Grey. Die Kampagne soll den Aufbruch des Unternehmens verdeutlichen. Ein bisschen Englisch, ein bisschen internationales Flair, aber auch das Nachbarschaftliche, das Da-Sein für den Kunden.

Dass ein solcher Spruch anecken würde, damit hatten auch die Schleckers im schwäbischen Ehingen gerechnet. "Es ist uns bewusst, dass man sich daran reiben kann", sagt Sprecher Patrick Hacker.

"Wir bleiben bei unserem Slogan"

Auch die Agentur Grey steht zum Slogan: "Er war der eindeutige Sieger nach zahlreichen Testrunden - auch unter Nicht-Schlecker-Kunden. Und das war damals das ausschlaggebende Argument für diesen Slogan", sagte Geschäftsführer Jörg Elfmann in einem Interview mit dem Branchenportal "Horizont.net".

Schlecker-Sprecher Hacker betont: "Wir bleiben bei unserem Werbeslogan." Die neuen Geschäfte und der neue Auftritt des lange als verstaubt geltenden Branchenprimus würden gut angenommen. Und wer auch immer eine Drogerie betrete - für "unterbelichtet" halte Schlecker niemanden.

dpa, DH