Die PR-Strategie von Schlecker lautet: Wir tun alles, damit der Kunde weiter bei uns einkauft. Unklar ist freilich, woher das Geld für das Fortbestehen des Unternehmens kommen soll. Heute finden erste Gespräche mit Lieferanten statt.

Bei der insolventen Drogeriekette Schlecker sollen an diesem Dienstag Gespräche mit den Lieferanten aufgenommen werden. Dies kündigten der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und das Unternehmen am Montag an. "Ich bin zuversichtlich, dass die uneingeschränkte Betriebsfortführung kurzfristig sichergestellt werden kann", erklärte Geiwitz am Abend.

Ziel sei es, "mit Familie, Management und Lieferanten eine Einigung herbeizuführen und zusammen eine zukunftsfähige Lösung zu erarbeiten". Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter, auch die Zahlung der Gehälter sei gesichert.

Dreistellige Millionenforderung von Markant?

Laut "Süddeutsche Zeitung" habe der Einkaufsverbund Markant Schlecker zuletzt stark unter Druck gesetzt und wollte keinen Rechnungsaufschub mehr dulden. Dabei soll es sich um einen Betrag zwischen 20 und 30 Millionen Euro gehandelt haben.

Markant soll von Schlecker insgesamt einen dreistelligen Millionenbetrag fordern. Auf Anfrage von derhandel.de sagte eine Markant-Sprecherin, das Unternehmen gebe zu Schlecker keinen Kommentar ab.

Unklar ist, auf welcher Finanzbasis das Ehinger Unternehmen den Betrieb aufrechterhalten, oder gar in die Zukunft führen will. Joachim Stumpf, Geschäftsführer der Handelsberatung BBE München, sieht im Gespräch mit derhandel.de wenig Erfolgschancen für Schlecker. "Es sieht extrem düster aus."

Der Insolvenzverwalter hatte am Montagmittag seine Arbeit aufgenommen und begonnen, die Bücher der Drogeriekette zu sichten. Das Amtsgericht muss nun zunächst feststellen, ob die Voraussetzungen gegeben sind, das Insolvenzverfahren überhaupt zu eröffnen und in welcher Form es ablaufen wird.

Bei der angestrebten Planinsolvenz agiert ein Verwalter eher wie ein Berater, während er bei einer regulären die Zügel in den Händen hält.

Schlecker fühlt sich dem Tarifvertrag verpfichtet

Schlecker soll trotz Insolvenz in Familienhand bleiben. Mit diesem Anspruch geht das Unternehmen in die Gespräche mit seinen Gläubigern, nachdem es am Montag einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Ulm gestellt hatte.

Zehntausende Mitarbeiter bangen derweil um ihre Jobs. Denen sagte Schlecker allerdings zu, man fühle sich "tarifvertraglichen Regelungen verpflichtet".

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sieht gute Chancen für Schlecker-Beschäftigte: "Die Arbeitsagenturen haben bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie in solchen Fällen schnell reagieren und die Betroffenen gut unterstützen können, zum Beispiel bei der Quelle-Insolvenz", sagte Weise der "Passauer Neuen Presse". "Die Arbeitskräftenachfrage im Einzelhandel ist derzeit hoch, so dass die Chancen gut sind", fügte er hinzu.

Die Insolvenz der Drogeriekette Schlecker wird sich nach Ansicht des Konkurrenten Rossmann nicht auf die Verbraucherpreise auswirken. "Der Wettbewerb funktioniert seit vielen Jahren und ist geprägt von Preiskämpfen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern", sagte Unternehmenschef Dirk Roßmann der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Roßmann geht davon aus, "dass Schlecker zunehmend umsatzschwache Läden schließt". Er hatte zuletzt an einigen Schlecker-Märkten Interesse gezeigt.

Verdi sieht "Signal für die Beschäftigten"

Die Gewerkschaft Verdi betrachtet die Ankündigung des Unternehmens, im Rahmen des Insolvenzverfahrens die geltenden tarifvertraglichen Regelungen anwenden zu wollen, als "Signal für die Beschäftigten".

"Der Erhalt der Arbeitsplätze und die Anwendung der Tarifverträge müssen zum Maßstab für eine erfolgreiche Sanierung werden", betonte Stefanie Nutzenberger, Verdi-Vorstandsmitglied für den Handel. Europaweit arbeiten mehr als 40.000 Menschen bei Schlecker, etwa 30.000 davon in Deutschland.

Bildergalerie: Schlecker - Zerfall eines Drogerieimperiums