Wenn sich Schlecker behaupten will, kommt die Drogeriekette nicht umhin, sich neu zu erfinden. Dafür braucht es aber ein vielfältigeres Sortiment. Doch viele Filialen sind dafür zu klein, mahnt ein Handelsexperte.

Es gibt sie, die gutlaufenenden Schlecker-Filialen. Eine befindet sich nach Informationen von derhandel.de beispielsweise in Berlin-Marzahn, in einem Ladenzentrum in der Havemannstraße. Um die 70.000 Euro im Monat sollen dort bisweilen umgesetzt werden - das wären etwa 24.000 Euro mehr als der Bundesdurchschnitt.

Auch dem Standort Achillesstraße im Berliner Stadtteil Buch werden gute Umsatzzahlen nachgesagt, genauso wie gleich drei Läden in der Dortmunder Fußgängerzone. Bestimmt erwirtschaften auch noch andere Schlecker-Filialen solide Erlöse. Doch viele der rund 6.000 Standorte der Drogeriekette sind nicht profitabel.

Fragen und Antworten in Oberhof

An diesem Mittwoch wollen die Schlecker-Betriebsräte wissen, wie es mit ihrem Unternehmen weitergehen soll. Seit gestern tagen die Arbeitnehmervertreter in Oberhof. Heute treffen sie den vorläufigen Insolvenzverwalter von Schlecker, Arndt Geiwitz, sowie Mitglieder der Geschäftsführung. Es geht um das Restrukturierungskonzept und um einen Sozialplan.

Schlecker habe "einen guten Kern", hat Geiwitz am Montag gesagt. Eine Rettung könne nicht funktionieren, wenn möglichst viele Geschäfte geschlossen würden. Die Nähe zu den Kunden sei nun einmal das Geschäftsmodell.

Doch um ein wirklicher Nahversorger zu sein, fehlt der Drogeriekette in vielen Läden die Sortimentstiefe, denn dafür sind Filialen mit jeweils 200 bis 300 Quadratmeter Fläche schlichtweg zu klein. Zudem entwickeln sich Wettbewerber wie dm oder Rossmann durch Sortimentserweiterungen immer mehr zu Nahversorgern, sagt Mark Sievers, Handelsexperte des Beratungsunternehmens KPMG.

"Um ein attraktives Angebot an Körperpflegeprodukten, Putzmitteln und auch Lebensmitteln vorhalten zu können, ist eine entsprechende Filialgröße notwendig", betont Sievers.  In der Konsequenz heißt das, dass wohl Hunderte kleinflächige Filialen überflüssig sind.

Rückendeckung von der Industrie

Mark Sievers betont, dass die Industrie ein Interesse habe, dass Schlecker überlebt. "Zum einen sind die Hersteller nicht an oligopolen Marktstrukturen interessiert, zum anderen ist Schlecker wegen seiner Größe nach wie vor ein interessanter Absatzkanal." Sievers glaubt daher, dass die Hersteller die Restrukturierung der Drogeriekette unterstützen werden.

Die Handelsberatung BBE hat festgestellt, dass der Großteil der Verbraucher Drogeriemärkte schätzt. Das Fazit einer aktuellen KPMG-Studie lautet, dass Kunden eher Lebensmittel im Drogeriemarkt kaufen als Gesundheitsprodukte in Lebensmittelgeschäften, denn eine Drogerie kann mit einer quasi-medizinischen Atmosphäre punkten.

Also wird die Drogerie der Zukunft ein hochklassiger Rundumversorger für Hygiene, Gesundheit und ausgewählte Lebensmittel sein müssen: "Vom Verbraucher wird heute eine gewisse Wertigkeit beim Sortiment erwartet", betont Sievers.

Alles schreit also nach einem regelrechten Premiumkonzept für Schlecker, mit Bio-Produkten, Eigenmarken - und mit weniger, aber Leistungsstärkeren Filialen sowie einem motivierten Personal, das auch beraten kann. Das Unternehmen hat jetzt gut zu tun.