Seit Dienstag wird über das Schicksal von rund 12.000 Schlecker-Beschäftigten entschieden. Für die Idee, die Drogeriekette auch mit Staatshilfe zu retten, gibt es hingegen nicht nur Beifall.

Die Verhandlungen über den geplanten Abbau von 11.750 Arbeitsplätzen bei der insolventen Drogeriekette Schlecker haben am Dienstag in Ulm begonnen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will im Sozialplan durchsetzen, dass der Jobabbau abgefedert werden kann. Unter anderem wird eine Transfergesellschaft angestrebt.

Schlecker beschäftigt vor allem Frauen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hatte angekündigt, dass der Stellenabbau sowie die Schließung von etwa 2.400 der derzeit noch rund 5.400 Schlecker-Filialen für die Kette überlebensnotwendig seien. Für die Gespräche über den Sozialplan sind zunächst zwei Tage angesetzt. Weitere sollten im März aber noch folgen, sagte eine Verdi-Sprecherin.

Minister will "neue Wege" gehen

Am Montag hatte Baden-Württembergs Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) eine länderübergreifende Hilfe für die Schlecker-Mitarbeiter vorgeschlagen. Der angekündigte Stellenabbau bei der insolventen Drogeriekette betreffe vor allem Frauen - und das im ganzen Bundesgebiet, erklärte ein Sprecher Schmids.

Mit der gemeinsamen Unterstützung könne schnell eine Transfergesellschaft gegründet werden. Im "Handelsblatt" warb der Minister dafür, auch "neue Wege" zu gehen. So könne etwa das Insolvenzgeld verlängert werden, bis ein tragfähiges Konzept stehe. Laut dem Ministeriumssprecher hat der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bislang allerdings keine Anfrage an das Haus gerichtet.

Kritik gegen Staatshilfe

Gegen die seit Tagen diskutierte Idee, Schlecker auch mit staatlicher Hilfe zu retten, gibt es aber auch Kritik. "Staatshilfen sind nur dann angezeigt, wenn ein Unternehmen von großer strategischer Bedeutung für die Volkswirtschaft ist", sagte der Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Ulrich Walwei dem "Kölner Stadtanzeiger". "Bei Schlecker ist das nicht der Fall.“

Auch der Volkswirt Michael Rothgang lehnt staatliche Hilfe für Schlecker ab. Denn an einem Arbeitsplatz in einer Drogeriemarktfiliale hänge "sehr, sehr wenig dran", betonte der Wissenschaftler vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung im Gespräch mit der Zeitung.

Ein kleiner Teil der Schlecker-Beschäftigten kann dank einer Aussage von Dirk Roßmann auf neue Jobs hoffen. Der Gründer der Drogeriemarktkette Rossmann sprach davon, dass er in diesem Jahr 100 neue Filialen eröffnen und dafür rund 1.000 neue Mitarbeiter einstellen wolle. "Da werden sicher auch Schlecker-Mitarbeiter dabei sein", sagte Roßmann.