Ein groß angelegter Filialumbau soll der Drogerie-Marktführer aus der Krise helfen. Statt mit XL-Märkten der Konkurrenz nachzueifern, besinnt sich Schlecker auf seine Stärke: die ungeschlagene Marktpräsenz.

Die Zeiten stetiger Expansion sind bei Schlecker längst vorbei, allein in den letzten 24 Monaten wurden 2.500 unrentable Standorte geschlossen. Dennoch: Mit rund 9.000 Filialen in Deutschland verfügen die Ehinger immer noch über mehr als doppelt so viele wie die gesamte Konkurrenz - und damit über eine ungeschlagene Nähe zum Verbraucher als Alleinstellungsmerkmal. 

Mit diesem Pfund will Schlecker jetzt wieder wuchern. Statt mit den XL-Märkten als Nachahmer von dm und Rossmann aufzutreten, will man sich nun deutlicher denn je als "Nahversorger mit dem Prinzip der guten Nachbarschaft" positionieren, so Lars Schlecker gegenüber der Lebensmittel Zeitung. Dazu soll das neue, moderne Kleinflächenkonzept mit lokal angepassten Sortimenten beitragen.

Filialen werden entrümpelt

Die Zeiten der engen, vollgestopften Schlecker-Läden sollen bald vorbei sein. Breite Gänge, niedrige Regale, ein neues Beleuchtungskonzept und Piktogramme sollen die Orientierung in den durchschnittlich 200 Quadratmeter großen Märkten erleichtern und auch jüngere Kunden zurückgewinnen, so das Unternehmen. Zudem solle der Anteil der Eigenmarken von derzeit 17 mittelfristig auf 25 bis 30 Prozent steigen.

"Heller freundlicher und übersichtlicher" - das Motto, das Schlecker für den neuen Filialauftritt ausgerufen hat, könnte sinnbildlich auch für die Neuausrichtung des Konzerns stehen. Bereits seit längerem bemüht sich Schlecker nach den vielen Negativschlagzeilen der letzten Jahre sein Image aufzupolieren.

Hoffnungsträger: Lars (39) und Meike (37) Schlecker geben dem Unternehmen seit Kurzem ein Gesicht.
Hoffnungsträger: Lars (39) und Meike (37) Schlecker geben dem Unternehmen seit Kurzem ein Gesicht.
Außenstehende staunten im vergangenen Jahr bisweilen über das Ausmaß der Umwälzungen beim Drogeriemarkt Nummer eins. So bemühte sich Schlecker um Frieden mit den Gewerkschaften, holte sich erstmals externe Unternehmensberater ins Haus und präsentierte die Restrukturierung der Führungsspitze mit einer neuen Leitungsebene unterhalb der Eigentümerfamilie.

Mehr Transparenz

Teil des neuen Firmenimages ist eine offenere Kommunikation des lange verschwiegenen Familienunternehmens. Seit Herbst 2011 verleihen die Schlecker-Kinder Lars (39) und Meike (37) der Firma ein Gesicht. Als Mitglieder der Geschäftsführung sind sie für die Kommunikation verantwortlich, lassen sich zitieren und fotografieren.

Diese Woche stellte Lars Schlecker persönlich die 290 Quadratmeter große Pilotfiliale im schwäbischen Allmendingen vor, fünf weitere Filialen in Süddeutschland sollen bis zum Ende des Monats auf das neue Konzept umgestellt werden.

Bis Ende 2011 sollen bundesweit 400 bis 700 Filialen folgen, 2012 dann bis zu 1.500. Rund 230 Millionen Euro will Schlecker in den kommenden 18 Monaten dafür in die Hand nehmen. Parallel erfolgen aber weitere Schließungen unrentabler Standorte.
 
Zeichen des Neubeginns: das neue, weich geschwungene Firmenlogo
Zeichen des Neubeginns: das neue, weich geschwungene Firmenlogo

Kopf-an-Kopf-Rennen mit dm

Ob Schlecker das Ruder noch herumreißen kann, bleibt abzuwarten, ein Umsteuern scheint jedoch dringend erforderlich. Seit Jahren verbucht der schwäbische Drogeriemarktriese in Deutschland sinkende Umsätze. Das Jahr 2010 schloss Schlecker mit rund 6,55 Milliarden Euro Umsatz, einem Minus von 10 Prozent, ab. 

Im harten Kampf mit den Konkurrenten dm, Rossmann und Co. bröckelt Schleckers Umsatzvormacht kontinuierlich. Expertenschätzungen zufolge könnte dm (Deutschland-Umsatz 2010: 4,07 Milliarden Euro) Schlecker (4,5 Milliarden Euro) schon in diesem Jahr erstmals überrunden. 

Bis 2012 steigende Umsätze und Filialzahlen geplant

Im Ausland schreibt Schlecker nach eigenen Angaben schwarze Zahlen. Deshalb soll die Modernisierung der rund 3.000 Auslandsfilialen auch erst in einem zweiten Schritt erfolgen.

Beim Deutschlandgeschäft setzt Schlecker alle Hoffnungen auf das jetzt eingeleitete Modernisierungsprogramm und rechnet schon 2012 wieder mit steigenden Umsätzen und Filialzahlen.