Während die "Schleckerfrauen" um ihre Existenzen kämpfen, fährt ihr alter Chef mit dem Porsche vor. Anton Schlecker und seine Familie haben trotz Firmenpleite ein gutes Auskommen, heißt es in einem Medienbericht.

Sie war ein Häufchen Elend, ungeschminkt, blass, das Haar unfrisiert und leicht fettig. Und dann sagte sie einen der meistzitierten Sätze des noch jungen Jahres: "Es ist nichts mehr da." Mit anderen Worten: Familie Schlecker sei pleite.

Der Auftritt von Meike Schlecker auf der ersten Pressekonferenz, die das Drogerieunternehmen im Januar nach Jahrzehnten abhielt, hatte es in sich. Wenn man böse sein wollte, durfte man eine feine Inszenierung dahinter vermuten, zu so einem Termin die Tochter des Firmengründers zu schicken, die gramgebeugt und larmoyant die Lage des Imperiums beschrieb. Wer wollte so einer leidgeplagten Frau schon mit bösen Fragen kommen?

Auf der zweiten Pressekonferenz des Unternehmens, Ende Februar in Frankfurt, sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, dass er bei der Familie "keine signifikanten Vermögenswerte" finden konnte, damit diese einen Beitrag zur Unternehmensrettung leisten könnte.

Gehobener Lebensstil ist noch möglich

Doch man hätte besser mal genauer nachgefragt, ob die Milliarden der Familie wirklich alle in den Filialen versickert sind, wie Meike Schlecker glauben machen wollte. Denn das "Manager Magazin" schreibt in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe, dass den Schleckers ein ausreichendes Vermögen bleibe, um einen gehobenen Lebensstil zu finanzieren.

Das Magazin verweist auf Kenner der Familie, die schätzen, dass die Schleckers monatlich 70.000 Euro zur Verfügung haben. So besitze Antons Ehefrau Christa unter anderem das Privatvermögen in Ehingen. Den Kindern Meike und Lars gehört die Ehinger Logistikfirma LDG, die laut "Manager Magazin" in guten Zeiten einen Jahresumsatz von 35 Millionen Euro erzielte.

Während Tausende der sogenannten "Schleckerfrauen" auf eine Transfergesellschaft hoffen, die ihnen die bevorstehende Arbeitslosigkeit finanziert, geht bei Anton Schlecker offenbar das Leben in geordneten Bahnen weiter. Trotz Insolvenz seines Imperiums. So führe er wie gewohnt mit seiner Frau donnerstags und freitags Besuche von Filialen durch. Und für die Fahrten in die Firmenzentrale nutze der Patriarch einen schwarzen Porsche.

Über Transfergesellschaft wird weiter verhandelt

Die "Schleckerfrauen" schauen derweil nach Berlin. Dort haben Vertreter der Bundesländer am Donnerstag ihre Beratungen über eine Transfergesellschaft für die 11.000 von Entlassung bedrohten überwiegend weiblichen Beschäftigten wieder aufgenommen. Dabei geht es in der Repräsentanz des Schlecker-Stammlands Baden-Württemberg um einen Kredit der bundeseigenen Förderbank KfW in Höhe von 71 Millionen Euro.

In einer Transfergesellschaft würden die Schlecker-Mitarbeiter bis zu einem Jahr lang einen Großteil ihres Gehalts weiterbekommen und gleichzeitig für Bewerbungen geschult. Der Bund will den Kredit dafür nur freigeben, wenn die Länder dafür bürgen.

Am Montag hatten sich Vertreter der 16 Bundesländer grundsätzlich darauf verständigt. Es ist aber nicht sicher, wie stark sich die einzelnen Länder beteiligen und ob überhaupt alle Bundesländer mitziehen.

Steffen Gerth, mit Material von dpa