Der deutsche Einzelhandel hat zur WM das volle Fan-Programm in Schwarz-Rot-Gold auf den Markt geworfen. Der Handelsverband zieht Bilanz, eine Firma in Düsseldorf freut sich auf die Restposten.

Bunte Plastik-Vuvuzelas, schwarz-rot-goldener Nagellack, ballförmige Hundekuchen und "Weltmeisterburger" - doch wer will das nach dem Schlusspfiff im WM-Finale noch haben? Zwei Männer in Düsseldorf: Christian Kirschbaum und Gerhard Erning.

"Wir kaufen Saisonartikel auf, die nicht mehr so viel Geld bringen, wenn die Aktualität weg ist", erklärt Kirschbaum. Für die Woche nach der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika planen die beiden viele Überstunden: "Der Gang durch den Supermarkt zeigt, was an potenziellem Geschäft auf uns zukommt."

Überschüssige Vuvuzelas und die Fußball-Hundekuchen

Das Konzept nennt sich "Corporate Trading": Die Händler bekommen den vollen Wert für ihre überschüssige Ware, aber nicht in bar, sondern in Form von Gutschriften.

Damit können sie - über die Vermittlung von Erning und Kirschbaum - beispielsweise Werbekampagnen in Zeitungen oder bei Fernsehsendern schalten, Werbematerial drucken lassen oder Reisen und Hotels für ihre Mitarbeiter buchen. Alles Dinge, erklärt Erning, die die Händler sowieso machten. "Wir verknüpfen zwei Geschäftsfelder."

Die Idee kommt aus den USA. Seit 1999 arbeiten Kirschbaum und Erning für die deutsche Niederlassung der amerikanischen Firma Active - weltweit nach eigenen Angaben Marktführer mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Dollar.

Überschüssige Vuvuzelas und die Fußball-Hundekuchen - zu anderen Zeiten sind es beispielsweise Schoko-Osterhasen oder Mode aus der vergangenen Saison - werden weiterverkauft.

"Diese Produkte haben ja durchaus noch einen Wert - nur sind die Preise dafür dann nicht mehr erzielbar", sagt Kirschbaum. "Aber es gibt einen Markt dafür, und dahin verkaufen wir sie."

Abverkauf in andere Länder

Beispielsweise könnte das Osteuropa sein: "Da ist die Kaufkraft eine ganz andere und der Kunde ist vielleicht auch weniger kritisch." Gut möglich also, dass in Rumänien schon bald schwarz-rot-goldene Kaubonbons verspeist und bulgarische Hunde mit den runden Leckerlis belohnt werden.

Wenn überhaupt so viel übrigbleibt - und da sind Experten kritisch. "Die Nachfrage lässt sich mit computergesteuerten Methoden immer besser kalkulieren", sagt Handelsexperte Boris Planer. Die Händler können sich an den Verkaufszahlen der Weltmeisterschaft 2006 gut orientieren. "Und auch diesmal gab es ja wieder eine ziemliche Euphoriewelle."

Die Händler seien zufrieden mit dem WM-Geschäft, bestätigt denn auch Kai Falk, Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE). "Die Fans haben sich gut eingedeckt. Fan-T-Shirts sind zum Beispiel sehr gut gelaufen, das war Kauflaune pur."

dpa

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