Wie immer auf der Ambiente wird der "Plagiarius" für dreiste Plagiate vergeben. Den ersten Preis hat diesmal ein nachgemachtes Produkt von Tupperware gewonnen. Kritik gab es für den Einzelhandel.

Einen Tadel an den Einzelhandel hatte Rido Busse dann noch übrig. "Ich behaupte, dass jeder, der mit Plagiaten handelt, das auch weiß." Und damit hatte der Designprofessor aus Ulm eines der Übel des zweifelhaften Erfolgs von Produktfälschungen angesprochen. Denn Plagiate herzustellen, ist die eine Sache - sie zu vertreiben, die andere.

Busses Tochter Aliki versuchte später die grobe Einschätzung ihres Vaters etwas zu relativieren und sagte, dass sich die Handelsbranche sehr wohl darum bemühen würde, dass nachgemachte Produkte nicht in die Regale kommen würden. Freilich sei aber nicht jeder Händler imstande zu erkennen, dass er ein Imitat anbieten würde.

Goldene Nase

Wie echt Produktfälschungen aussehen, zumindest auf den ersten Blick, ließ sich heute wieder auf der "Ambiente" überprüfen. Im Rahmen der Frankfurter Kons
umgütermesse vergibt Busse seit 33 Jahren seinen Negativpreis "Plagiarius". Das ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase.

Ausgezeichnet werden dabei Hersteller und Händler besonders dreister Produktfälschungen. Vergleichbar ist dieser Preis mit dem "Gegen-Oscar" "Goldene Himbeere", mit dem die schlechteste Schauspielleistung eines Jahres geehrte wird.

Schlechte Verarbeitung

Drei Preise, sechs gleichrangige Auszeichungen und zwei Sonderpreise wurden in diesem Jahr von Busses Jury vergeben. Den ersten Preis bekam der Eiswürfelbehälter "Eisi" der Firma Tupperware Deutschland, nachgemacht von Shanghai Yuhao Household Appliance Manufacturing in Shanghai. Zwei deutsche Händler haben mittlerweise Unterlassungserklärungen unterschrieben, die Produkte vom Markt genommen und die Restbestände vernichtet.

Die Fälschung entpuppt sich bei näherem Hinsehen deutlich schlechter verarbeitet und besteht aus weniger biegsamen Kunststoff.

Platz zwei ging an den Spielzeug-Mähdrescher "Claas Lexikon 480", den im Original die Bruder Spielwaren GmbH (Fürth) herstellt. Das Plagiat kam über den polnischen Importeure A.H.U ADAR Dariusz Adamiec aus Warschau auf den deutschen Markt.
Der dritte Platz ging an den Multimediasessel "Music Rocker cubic" von der Easychair GmbH aus Blomberg (Vereinigte Staaten).

850 Euro billiger als das Original

Aber nicht nur europäische oder amerikanische Konsumgüter werden in China gefälscht - es betrifft auch asiatische Unternehmen. So wurde das Messerset "Global" der japanischen Firma Master Cutlery mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Das Original dieses sechsteiligen Sets kostet rund 1.000 Euro. Die Fälschung wurde für 150 Euro auf der britischen Seite des Internet-Aktionshauses eBay ersteigert, berichtet Aliki Busse.

Wer der Hersteller ist, habe nicht ermittelt werden können.

Lukrativer als Drogenhandel

Der Designprofessor Busse weiß, dass die 34. "Plagiarius"-Verleihung nicht die letzte gewesen ist. Denn dass Produktfälschungen ein lukratives Gewerbe vor allem für die asiatische organisierte Kriminalität ist, ist auch zu Frank A. Dassler vorgedrungen.

"Produktfälschungen sind mit vergleichsweise geringem Risiko verbunden, die Margen aber weitaus höher als beim Drogenhandel - und die soziale Ächtung ist gering", sagte der Chefjurist des Sportartikelherstellers Adidas heute in seiner Laudatio.

Mehr Falschprodukte als je zuvor

Laute Busses Verein Aktion Plagiarius hatten Zollbeamte im Jahr 2008 an den Außengrenzen der EU 178 Millionen gefälschte Waren sichergestellt. Das sei eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. 54 Prozent dieser Produkte stammen laut EU-Kommission aus China.

Was Busse heute, im Gegensatz zu all den Jahren zuvor, nicht heraufbeschwor, war der Verlust von Tausenden deutscher Jobs in Folge der Produktfälschungen aus Fernost. Regelmäßig wurde davon gesprochen, dass 70.000 Arbeitsplätze bedroht seien.