Konsumenten in Ausgabelaune, konkurrenzfähige Preise mit den Nachbarländern und ausländische Einkaufstouristen: Die meisten Schweizer Händler erwarten 2014 steigende Umsätze.

Die Einzelhändler in der Schweiz gehen mit großer Zuversicht ins Geschäftsjahr 2014: Drei von vier Unternehmen rechnen mit einer Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr, zeigt die neueste Ausgabe der jährlich erscheinenden Studie "Retail Outlook" des Finanzdienstleisters Credit Suisse. Auch die Ökonomen rechnen in diesem Jahr mit einer besseren Konsumentenstimmung in der Schweiz und prognostizieren ein Wachstum der nominalen Detailhandelsumsätze von 1,5 Prozent.

Demnach wird der Schweizer "Detailhandel", wie er dort genannt wird, im Vergleich zu den Nachbarländern preislich konkurrenzfähiger. Innerhalb von zwei Jahren sei die Preisdifferenz zu den umliegenden Ländern bei Lebensmitteln von 46 Prozent auf 37 Prozent zurückgegangen.

Gute Grundvoraussetzungen

"Nach einem relativ schwachen Geschäftsjahr 2013 sind die Grundvoraussetzungen für den Detailhandel 2014 gut", heißt es in der Pressemitteilung zur Studie. Die Nettozuwanderung in die Schweiz habe 2013 bei rund 80.000 Personen gelegen und dürfte 2014 ähnlich hoch ausfallen, was den eidgenössischen Händlern wiederum Zehntausende neue Konsumenten zuführen werde.

Die Verbesserung der Konjunkturdynamik im Ausland und das andauernde robuste Wirtschaftswachstum in der Schweiz sprechen den Ökonomen zufolge dafür, dass die Konsumentenstimmung sich weiterhin aufhellen dürfte, wenn auch mit zwischenzeitlichen Rückschlägen: "Diverse Bremsfaktoren der Vorjahre fallen weg - so dürften die Preise insgesamt nur noch leicht zurückgehen und der Einkaufstourismus auf sehr hohem Niveau stagnieren."

Optimierung der Flächen ist wichtiger als Expansion

Die Entscheidungsträger im Einzelhandel und in der Zulieferindustrie gehen das Jahr 2014 demnach mit viel Zuversicht an: 74 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einem höheren Umsatz und 55 Prozent mit einem höheren Gewinn. Die im Vergleich zum Umsatz defensivere Gewinnplanung signalisiere, dass der Druck auf die Margen hoch bleiben dürfte.

Bei der Verkaufsflächenplanung seien widersprüchliche Signale auszumachen: Sowohl der Anteil der Händler, die für 2014 eine Ausdehnung der Verkaufsflächen vorsehen, als auch jener Anteil, der eine Reduzierung plant, hat gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Kein Unternehmen plant jedoch eine Ausdehnung um mehr als 10 Prozent. Im Schweizer Handel stehe derzeit vor allem die Optimierung der Flächen im Vordergrund. Die wenigsten Anbieter verfolgten eine aggressive Vorwärtsstrategie über neue Standorte.

Internationaler Wettbewerbsfähigkeit

Im Geschäftsjahr 2013 gab es je nach Branche unterschiedliche Entwicklungen: Die Lebensmittelumsätze legten demzufolge um 2 Prozent zu, unter anderem aufgrund steigender Preise. Der Bekleidungs- und Schuhdetailhandel verzeichnete hingegen einen Umsatzrückgang von mehr als 3 Prozent und habe sich somit wie bereits in den beiden Jahren zuvor auf der Verliererseite befunden.

"Der Schweizer Detailhandel gewann seit der Einführung der Euro-Franken-Wechselkursuntergrenze von 1,20 Franken an preislicher Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Nachbarländern", schreiben die Finanzdienstleister. "Die Preise für Lebensmittel stiegen in den Nachbarländern im Gegensatz zur Schweiz deutlich an, und der Schweizer Franken wertete leicht ab. Die durchschnittliche Preisdifferenz bei Lebensmitteln ging folglich seit 2011 um neun Prozentpunkte zurück und betrug 2013 geschätzte 37 Prozent."

Im Bereich Non-Food sei der Schweizer Handel wettbewerbsfähiger: Bei der Unterhaltungselektronik und den Einrichtungsgegenständen wie Möbel und Heimtextilien befinde er sich preislich bereits auf Augenhöhe mit den umliegenden Ländern.

Einkaufstourismus erreicht Höhepunkt

Der Einkaufstourismus nahm demnach 2013 auf sehr hohem Niveau marginal zu, wie das Wachstum der deutschen Ausfuhrbescheinigungen von 2,5 Prozent in den ersten neun Monaten 2013 zeige. Der gezielte Einkaufstourismus im grenznahen Ausland dürfte sich 2013 somit auf mehr als 4,5 Milliarden Schweizer Franken (umgerechnet gut 3,6 Milliarden Euro) belaufen haben (ohne Online-Umsätze und Einkäufe auf Ferien- und Geschäftsreisen). Der Einkaufstourismus habe sich strukturell erhöht und dürfte mittelfristig trotz leichter Abschwächung nicht mehr auf das Niveau von vor der Frankenaufwertung zurückfallen.

Der Schweizer Detailhandel profitiere aber im Gegenzug stark von ausländischen Einkaufstouristen: Die Ökonomen der Credit Suisse schätzen alleine die Ausgaben der ausländischen Touristen für Uhren auf mehr als eine Milliarde Schweizer Franken im Jahr 2012.