Die Konkurrenz auf der grünen Wiese ist übermächtig, die Flächenproduktivität unterdurchschnittlich, jedes fünfte Geschäft steht leer: Eine Studie zeigt die aktuelle Lage des Einzelhandels in Brandenburg.  

Geschäft für Geschäft wurden Verkaufsflächen gemessen, Sortimente dokumentiert, Gespräche geführt. Das Ergebnis: Alle 18.000 Einzelhandelsbetriebe im Bundesland Brandenburg kommen zusammen auf eine Verkaufsfläche von 4,5 Millionen Quadratmetern, meldet die "Gemeinsame Landesplanung" (GL) Berlin-Brandenburg. Rein rechnerisch stehen jedem Bürger in Brandenburg damit etwa 1,8 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung.

Die Struktur ist der Untersuchung zufolge dabei überwiegend kleinteilig: Zwei Drittel aller Betriebe haben eine Verkaufsfläche von weniger als 100 Quadratmeter, an der landesweiten Gesamtfläche haben sie aber nur einen Anteil von zwölf Prozent. Mit 58 Prozent dominieren demnach in dem Bundesland die Unternehmen des großflächigen Einzelhandels, also Geschäfte mit mehr 800 Quadratmeter Verkaufsfläche, auch wenn ihre Anzahl nur sechs Prozent aller Einzelhandelsbetriebe ausmache.

Lebensmitteldiscounter dominieren

Statistisch gesehen sind mit 0,21 Quadratmeter pro Einwohner in Brandenburg vor allem die Lebensmitteldiscounter stark. Zwar seien 52 Prozent aller Einzelhandelsbetriebe in den Stadt- und Ortszentren zu finden, doch flächenmäßig sei die Konkurrenz auf der grünen Wiese übermächtig: 80 Prozent aller Verkaufsflächen liegen außerhalb der Innenstädte. In den Zentren wachse hingegen zunehmend der Druck, insgesamt stehen der Untersuchung zufolge 19 Prozent aller Ladenlokale leer.

"Erschwerend kommt hinzu, dass sich die für den Einzelhandel relevante Kaufkraft der Brandenburger Bevölkerung auf etwa 93 Prozent des Bundesdurchschnitts beläuft", heißt es in der Studie. Gravierender sei allerdings der Rückstand in Sachen Flächenproduktivität: Der Umsatz je Quadratmeter Verkaufsfläche liege "in der Mark" nur bei 76 Prozent des bundesweiten Mittelwertes.

"Nahversorgung stärken"

"Die Zahlen zeigen deutlich, dass es für unsere Städte mehr denn je darauf ankommen wird, die Entwicklung des Einzelhandels so zu steuern, dass die Zentren und die zentralen Nahversorgungsbereiche gestärkt werden", kommentiert Jörg Vogelsänger, Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft, die Studie. "Ein Weiterwachsen der Verkaufsflächen auf der grünen Wiese muss so weit als möglich vermieden werden. Die Kommunen sollten die Entwicklung durch die Fortschreibung ihrer Einzelhandels- und Zentrenkonzepte steuern. Mittelzentren sollten zunehmend alle Orte ihres Mittelbereiches mit einbeziehen, um die Versorgung flächendeckend abzusichern."

Auch Ralf Christoffers warnt, dass der Einzelhandel für Brandenburg eine große, manchmal unterschätzte wirtschaftliche Bedeutung habe und die Branche unter großem Anpassungsdruck stehe: "Die unterdurchschnittliche Flächenproduktivität, der zunehmende Versand- und Internethandel sowie der Bevölkerungsrückgang werden in vielen Landesteilen dazu führen, dass sich der Wettbewerb im Einzelhandel weiter verschärft", sagt der Brandenburgische Minister für Wirtschaft und Europaangelegenheiten. "Der Handel selbst kann dazu beitragen, die Attraktivität seines Angebots weiter zu erhöhen und so den Abfluss von Kaufkraft über die Landesgrenzen und in den Versandhandel zu begrenzen."

Zur Untersuchung

Die Untersuchung war in Zusammenarbeit der beiden Ministerien für Stadtentwicklung und Wirtschaft, der drei Industrie- und Handelskammern des Landes und dem Handelsverband Berlin-Brandenburg durch die "Gemeinsame Landesplanungsabteilung" in Auftrag gegeben worden. Zum ersten Mal liege damit eine vollständige Erhebung über die Größe und die Sortimente aller rund 18.000 Einzelhandelsgeschäfte in den 14 Landkreisen und vier kreisfreien Städten vor, heißt es.