Im Alltagstest von Der Handel beweist der Seat Alhambra, dass er den frisch erworbenen Titel "Firmenauto des Jahres" zurecht trägt.

Prestigeerfolg für die Tochter: Bei der jüngsten Wahl zum "Firmenauto des Jahres" kürten die zum Test von insgesamt 61 Fahrzeugmodellen in neun Kategorien angetretenen 250 Fuhrparkmanager im Segment "große Vans" nicht den VW Sharan sondern den praktisch baugleichen Seat Alhambra zum Gesamtsieger.

Die Kostenvorteile gaben bei der alljährlichen Aktion der Fachzeitschrift "Firmenauto" und der Sachverständigen-Organisation Dekra offensichtlich den Ausschlag für den spanischen Ableger der Wolfsburger Konzernzentrale. Ein mächtiger Imagegewinn für die noch immer defizitäre Marke, die verstärkt ins Flottengeschäft drängt (siehe auch Der Handel 5/2011).

Van-Absatz deutlich gestiegen

Mit der praktisch zeitgleichen Neueinführung der Van-Zwillinge und der erfolgreichen Überarbeitung des Touran im vergangenen Jahr, ist es dem Volkswagen-Imperium fast im Alleingang gelungen, die Klasse der Großraum-Limousinen wieder neu zu beleben. Im Juli 2011 (14.813 Zulassungen) wurden mehr als doppelt so viele Vans verkauft (plus 106 Prozent) wie im Vorjahresvergleichsmonat. In den ersten sieben Monaten des Jahres fanden sich insgesamt 98.320 Käufer (plus 46,1 Prozent).

Im Alltagstest von Der Handel stellte der Seat Alhambra jetzt seine Tugenden unter Beweis. Die sind mit dem Oberbegriff „praktisch" treffend beschrieben. Alles an diesem 4,86-Meter-Gefährt ist auf Nutzwert getrimmt, wirkt durchdacht und erleichtert dem Dienstwagenfahrer das Arbeitsleben.

So empfiehlt sich der Spanier, der in Portugal von den Bändern läuft, mit seinem bewährten 125 kW/170 PS-Diesel als Kilometerfresser für Vielfahrer, gleichzeitig aber auch als Lastenesel mit einem maximalen Ladevolumen von mehr als 2.000 Litern Volumen, als Zugpferd mit 2.200 Kilogramm Anhängelast und obendrein als Personenbeförderungsmittel mit bis zu sieben Sitzen.

Der stärkste Diesel ist erste Wahl

In der angebotenen Motorenpalette mit zwei Benzinern und drei Selbstzündern ist der stärkste TDI sicherlich die erste Wahl. Die 1.500 Euro Aufpreis gegenüber der 103 kW/140 PS-Variante sind insbesondere dann gut angelegt, wenn der Wagen häufiger voll beladen wird.

Das Leistungsplus zahlt sich bei Überholvorgängen und an Steigungen aus, schont in der Praxis aber auch das Betriebskostenbudget beim einfachen „Dahinrollen", weil der Motor im niedrigeren Drehzahlbereich arbeitet.  Allein der leicht verzögerte und akustisch vernehmbare Einsatz des Turboladers trübt ein wenig die Fahrfreude.

Der Normverbrauchswert von 5,9 Litern für die Version mit dem empfehlenswerten weil unmerklich wirkenden Doppelkupplungsgetriebe (DSG) rückt allerdings nur bei ganz konsequenter Sparfahrt in Reichweite. Realistisch ist ein Spritkonsum um die sieben Liter. Der durchschnittliche Testverbrauch lag bei 7,6 Litern, wobei die serienmäßige Start/Stopp-Funktion im Stadtverkehr die Bemühungen um Reduktion des Benzinbedarfs hilfreich unterstützt.

Komfortabler Innenraum

Zum Dienstreisekomfort trägt nicht nur der Antrieb sondern auch das Interieur maßgeblich bei. Bequeme Sitze mit Lordosenstütze, Armauflagen, Ablagen und Staufächer in jedem Winkel und die intuitive Bedienung der aus vielen Konzernmodellen vertrauten Instrumente sorgen für Wohlbefinden an Bord.

Das genießen auch die Passagiere in der zweiten Reihe, die auf drei horizontal verschiebbaren Einzelsitzen reichlich Bein- und Kopffreiheit vorfinden. Allein die Rücklehne lässt sich nur um wenige Zentimeter nach hinten klappen.

Selbst in Reihe 3 steht noch ausreichend Platz für nicht allzu groß gewachsene Fahrgäste zur Verfügung. Die können ihre Sitze zudem ungehindert einnehmen, weil die seitlichen Schiebetüren einen breiten Einstiegsraum freigeben und die äußeren Stühle der zweiten Reihe weit nach vorn rutschen.

Stühlerücken leicht gemacht

Überhaupt ist das Stühlerücken eine Domäne des Alhambra. Die mittleren Sitze können geschoben, geklappt und gewickelt werden. Die Plätze 6 und 7 lassen sich im Kofferraumboden versenken. Dann ergibt sich eine mustergültig ebene Ladefläche mit einem „Geheimfach" darunter. So stehen in der siebensitzigen Konstellation immerhin noch 267 Liter und als Fünfsitzer stattliche 658 Liter Gepäckraumvolumen zur Verfügung. Als Zweisitzer fasst der Alhambra dann bis zu 2.297 Liter - alles ohne lästigen Ausbau der Polstermöbel.

Zwar bietet Seat den Van in der Basisversion knapp 2.000 Euro günstiger an als VW, doch die südländische Tochter hat längst von der Aufpreispolitik der norddeutschen Konzernmutter gelernt. "Ablagen-Paket", "Gepäckraum-Paket", "Chrom-Paket", "Sport-Paket", "Technologie-Paket", "Winter-Paket" - die Liste der Sonderausstattungen ist lang.

Auch die hinteren Sitze (750 Euro), die elektrische Betätigung der Schiebetüren (990 Euro) oder die Klimaautomatik (825 Euro) wollen extra bezahlt werden. So muss die Latte für die Dienstwagenberechtigung schon bei fast 40.000 Euro liegen.

Allradantrieb neu im Angebot

Ein Dreivierteljahr nach dem Verkaufsstart ergänzt Seat das Alhambra-Angebot nun auch mit einer Allradvariante. In Verbindung mit dem 103 kW/140 PS-Diesel und Sechs-Gang-Handschaltung sorgt das 4x4-System nicht nur für bessere Traktion, sondern auch für eine auf 2.400 Kilogramm erhöhte Anhängelast. Die Preise für den Allrad-Alhambra beginnen bei 32.050 Euro.

Bernd Nusser