Die spanische Volkswagen-Tochter Seat scheint ihre Position im Konzern gefunden zu haben, baut ihre erfolgreiche Leon-Baureihe aus und empfiehlt sich als attraktive Alternative für den Fuhrpark.

Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch zeigte ungewöhnlich viel Geduld. Jahrelang produzierte Seat Verluste und trübte die sonst so makellose Bilanz des Volkswagen-Konzerns. Doch Piëch blieb, zumindest nach Außen, gelassen, sprach blumig davon, dass man bei so vielen schönen Töchtern auch mal Nachsicht mit einer haben müsste.

Der Denker und Lenker des automobilen Imperiums sollte einmal mehr Recht behalten. In der aktuellen Statistik des Flensburger Kraftfahrtbundesamtes sind die vier Volumenmarken des Konzerns nun tatsälich unter den Top Ten vereint. Nach der Kernmarke Volkswagen als ewigem Spitzenreiter, dem Umsatzbringer Audi und dem Shootingstar Skoda hat nun auch Seat den Sprung in den Elitezirkel geschafft.

Schon 2013 legte die spanische Marke im Wolfsburger Verbund hierzulande um satte 22 Prozent zu. Im ersten Quartal diesen Jahres wuchs Seat erneut um 13,1 Prozent auf 20.583 Zulassungen und setzte sich sogar knapp vor den zuletzt allenthalben gepriesenen, koreanischen Herausforderer Hyundai. Binnen vier Jahren konnte Seat seinen Marktanteil dabei von 1,4 auf 2,9 Prozent fast verdoppelt.

Marktanteil auch im Großkundengeschäft gesteigert

Herrschte einst große Ratlosigkeit, was mit dem iberischen Ableger anzufangen sei, zahlen sich nun die immensen Investitionen von 2,6 Milliarden Euro in den letzten fünf Jahren doch aus. Der Erfolg ist maßgeblich mit dem Modell Leon verbunden. Erstmals fasst Seat damit auch im volumenstarken Kompaktsegment Fuß, verbunden mit einer Marktanteilssteigerung in der relevanten Flotte von 1,2 auf 1,7 Prozent. "Und in diesem Jahr werden wir auf mehr als 2 Prozent kommen", ist Deutschland-Geschäftsführer Manfred Kantner mit Blick auf das gewerbliche Geschäft sicher.

Vor allem der erstmals angebotene Kombi sorgt dafür, dass Seat auch in den Unternehmen verstärkt als Alternative wahrgenommen wird. Jetzt baut der Importeur mit Sitz in Weiterstadt seine Range weiter aus: Für die Dieselmodelle mit 77 kW/105 PS und 110 kW/150 PS steht nun auch Allradantrieb zur Wahl. Der 1,4-Liter-Benziner (110 kW/150 PS) kann mit einer vebrauchsgünstigen Zylinderabschaltung geordert werden.
 
Auch eine bivalente Erdgas-/Benzinversion (81 kW/110 PS) steht zur Verfügung. Mit dem Namenszusatz TGI fährt der Leon im Erdgasbetrieb dank 15-Kilogramm-Tank rund 430 Kilometer. Der standardmäßige 50-Liter-Benzintank bleibt dabei erhalten und verlängert die Reichweite um stolze 960 Kilometer. Der Aufpreis für das System beträgt rund 2.000 Euro.

Leon Cupra stellt sogar den Golf GTI in den Schatten

Und natürlich dürfen im Portfolio der Spanier auch die Breitensportler nicht fehlen: Mit maximal 206 kW/280 PS stellt der Leon Cupra sogar seinen bekannteren Vetter VW Golf GTI in den Schatten. Zwei- und Viertürer stehen in zwei Leistungstufen zu Preisen ab 30.810 Euro am Start.

"Einen Cupra-Kombi kann ich leider nicht bestätigen, obwohl mir das persönlich sehr gut gefallen würde", bedauert Kantner die kleine Lücke im jetzt breiten Portfolio, freut sich gleichzeitig aber über einen Leon in Off-Road-Optik und über die Ankündigung von Seat-Chef Jürgen Stackmann, wonach die Palette 2016 auch noch um ein SUV im Kompaktformat ergänzt wird.

Die gewachsene Bedeutung der Marke zeigt sich auch im Händlernetz: 63 neue Betriebe gingen zuletzt an den Start, 180 zusätzliche Verkäufer wurden eingestellt und mehr als 1.800 Schulungen durchgeführt. "Neben den Produkten ist unsere Verkaufsorganisation Treiber des Wachstums", lobt Manfred Kantner - 40 offene Punkte sollen im Laufe des Jahres nun noch geschlossen werden.

Berliner Niederlassung mit Vorbildcharakter

Vorbildcharakter hat dabei europaweit die neue Niederlassung in Berlin. An der Prenzlauer Promenade entstand auf 7.500 Quadratmetern der Flagshipstore des aufblühenden Autobauers. Auch im Verkauf spielen die Spanier damit nun in der ersten Liga.

Bernd Nusser

Einen Fahrbericht zum Seat Leon ST lesen sie in der aktuellen April-Ausgabe von Der Handel. Zum Probe-Abo geht es hier.