Der Outdoor-Markt boomt - und ein Ende ist nicht abzusehen. Die Branche gehorcht dem Zeitgeist, zu dem komfortables Naturerlebnis und Umweltschutz gehören.

Auf den ersten Blick herrscht bei Globetrotter unternehmerisches Chaos. „Im Grunde sind wir konzeptlos", sagte Geschäftsführer Thomas Lipke, als er sich auf der Expo Real in München zu den Expansionsplänen seines Unternehmens äußerte.

„Wir suchen gescheiterte Immobilien wie den Olivandenhof in Köln oder eine ehemalige Reiterhalle der Polizei in Frankfurt - 5.000 bis 7.000 Quadratmeter brauchen wir. Die Lage ist dabei nicht wichtig, die Immobilie muss sexy sein. Die Lage kann auch 2b sein, die Kunden müssen aus Kultgründen zu uns kommen."

Besser lässt sich eine Branche gar nicht beschreiben. Denn eines ist der Outdoor-Markt auf jeden Fall: sexy. Und so ein Markt will anders bedient werden, auch mit originellen Immobilien.

Der Markt wird immer größer

„Der relativ junge Markt für Outdoor-Artikel hat sich in den letzten 20 Jahren zu einem der stärksten Wachstumsgaranten des europäischen Sportmarktes entwickelt", schreibt die Unternehmensberatung BBW Dr. Vossen (Neuss) in ihrer Studie „Der Outdoor-Markt - Motor der Sportbranche".

Zahlen werden mitgeliefert: 2003 betrug das Volumen des europäischen Outdoor-Marktes rund 4,96 Milliarden Euro, vier Jahre später waren es bereits 5,67 Milliarden Euro. Deutschland ist dabei der wichtigste Markt in Europa (1,62 Milliarden Umsatz), „und ein Ende des Booms scheint nicht in Sicht", lautet die Erkenntnis von BBW.

Klettern und Wandern

Doch warum boomt es so auf diesem Markt? „Das Thema erfüllt eine Sehnsucht der Menschen", sagt Roland Scheuermeyer, Sprecher der Verbundgruppe Intersport im Fachmagazin Outdoormarkt.

Dessen Analyse deckt sich auch mit der von Torsten Fischer, stellvertretender Marketingleiter von Globetrotter. „Die zunehmende Technisierung des Alltags weckt in immer mehr Menschen den Wunsch nach Natur und Abenteuer. Themen wie Wandern gelten auch bei jüngeren Leuten nicht mehr als angestaubt", sagt er auf Anfrage von Der Handel.

Überall entstehen neue Klettergärten und -hallen und der Deutsche Alpenverein hat mittlerweile 754.00 Mitglieder. Damit gehört Deutschlands Wanderclub Nummer eins zu den zehn größten Sportverbänden hierzulande. Globetrotter profitiert von dieser Abenteuersehnsucht: Im zurückliegenden Geschäftsjahr setzte der Händler 178 Millionen Euro um.

Wetterfeste Mode ist Lifestyleware

Jack Wolfskin, Produzent und als Franchisegeber der direkte Handels-Gegenspieler von Globetrotter, setzte im vergangenen Jahr 156,5 Millionen Euro um: Das waren sagenhafte 21 Prozent mehr als 2006. Und regelmäßig verschickt das Unternehmen aus dem Taunus Meldungen darüber, in welchem Land der Erde jetzt neue Läden eröffnet werden - selbst in China und Japan.

Auch Globetrotter plant weitere Geschäfte in Deutschland, die bisher an Vergnügungsparks erinnern mit Kletterwänden, Kältekammern und Herrentoiletten, in denen man durch Bullaugen die Illusion vom Meer sehen kann.

Uneingeschränkter Marktführer für Outdoor-Artikel sind aber die Läden der Intersportgruppe, in denen 2007 rund 480 Millionen Euro umgesetzt worden sind. Für dieses Jahr sollen 500 Millionen erreicht werden. „Wir bauen die Marktführerschaft aus", sagt Intersport-Chef Klaus Jost.

Der Verkaufsschlager im Outdoor-Markt ist mit Abstand die Bekleidung, mit der fast zwei Drittel des europäischen Gesamtumsatzes erzielt werden. Wetterfeste Mode ist mittlerweile Lifestyleware - eine Jacke von Jack Wolfskin oder North Face über dem Geschäftsanzug wirkt nicht mehr unpassend.

Der Markt für Trekkingschuhe gleicht gar einem „Schlaraffenland", wie es das Magazin Outdoormarkt bezeichnet. Nur beim Absatz von Schlafsäcken, Zelten und übriger Hartware gibt es „leichte Ermüdungserscheinungen", schreibt BBW.

Komfort in der Natur

Auf jeden Fall ist der Verkauf von Outdoor-Artikeln eine Sache des Fachhandels, auch wenn Discounter regelmäßig Wanderschuhe oder -jacken im Angebot haben. Dann schlägt die Stunde der Einsteiger, „doch sobald diese auf den Geschmack gekommen sind und ihr Hobby intensiver betreiben möchten, stoßen sie mit der Discount-Ausrüstung an Grenzen", versichert Torsten Fischer.

Und sein Geschäftsführer Thomas Lipke sagt plakativ, dass Aldi und Lidl „keine Geschäfte, sondern begehbare Kommissionierlager sind". Die bisher sechs Globetrotter-Läden sollen vielmehr begehbare Kataloge sein, Erlebniswelten, wo man derart Lust aufs Abenteuer bekommt, dass man sogar Geld für den allerneuesten Schrei ausgibt: eine speziell geformte Schachtel, in der man eine Banane verstauen kann, damit diese im Rucksack nicht zerquetscht wird.

Outdoor-Händler werden Umweltschützer

Drei Vorteile haben die Händler von Outdoor-Artikeln auch: Die Unternehmenschefs wie Manfred Hell (Jack Wolfskin) sind charismatische, authentische Unternehmer. Sie verkörpern das Thema Outdoor nicht nur als Geschäftsmann, sondern sind Bestandteil ihrer wander- oder raftingbegeisterten Kundschaft.

Zudem verstehen es auch kleine Fachgeschäfte, Lust zu machen auf Outdoor durch Zusatzangebote wie Reisen oder auch spezielle Filmvorführungen, wie regelmäßig beim Darmstädter Traditionsgeschäft „Kleine Fluchten". Und schließlich haben sich diese Unternehmen längst erfolgreich positioniert als Umwelt- und Klimaschützer.

So wurde der Hamburger Megastore von Globetrotter (4.000 Quadratmeter) 2007 zum „fledermausfreundlichen Haus" erklärt. Jack Wolfskin hat im Juli dieses Jahres einen Maßnahmenkatalog beschlossen, um den Ausstoß von Kohlendioxid zu minimieren. Im September stellten dann die Abenteurer aus dem Taunus Fleece-Jacken aus recyceltem Material vor.

Die Outdoor-Branche bedient damit exakt das Lebensgefühl bestimmter Kunden dieser Zeit: Umweltschutz, Lust auf Natur, inklusive kalkulierbarem Abenteuer, wozu unbedingt eine erstklassige Ausrüstung von Markenherstellern gehört. Aber wenn Natur, dann bitte nur mit vollem Komfort. „Kein Kunde ist bereit, Wanderschuhe wochenlang einzulaufen", steht in der BBW-Studie.