Der "Zukunftspakt" bei Arcandor zwingt alle Mitarbeiter zu Gehaltseinbußen. Sogar Konzernchef Thomas Middelhoff verliert Geld.

Wie der Konzern am Freitag in Essen mitteilte, sind im wesentlichen 30.000 Mitarbeiter der Kaufhaussparte Karstadt und 10.000 bei der Versandhandels-Tochter Primondo betroffen. Mitarbeiter wie Verkäufer müssen auf 7 bis 12 Prozent des Jahreseinkommens verzichten. Geschäftsführer beteiligen sich mit 20 Prozent, Vorstände bis hin zu Konzernchef Thomas Middelhoff mit 30 Prozent.

Die Vereinbarung sieht vor, das die Mitarbeiter als Ausgleich für die Einbußen der kommenden drei Jahre nach Vertragsende an "der positiven wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens beteiligt werden", teilte Arcandor mit. Die Details würden noch ausgehandelt.

Dieser Sparplan gehört zum zwischen Management und Arbeitnehmervertretern ausgehandelten Zukunftspakt, der über drei Jahre läuft und dem Konzern jährliche Einsparungen von 115 Millionen Euro erbringen soll.

Weitgehende Beschäftigungssicherung bis 2011

Bereits nach dem Sanierungstarifvertrag aus dem Krisenjahr 2004
erhalten die Handelsbeschäftigten jetzt für ihre damaligen Zugeständnisse drei Jahre lang Zuzahlungen. "Im Fall der Quelle-Mitarbeiter sind es jährlich 1.473 Euro", sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski.

Bei den neuen Zugeständnissen seien die Fixgehälter weitgehend unberührt geblieben, betonte Koslowski. Abzüge gibt es den Vereinbarungen nach beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld. "Im Gegenzug erhalten wir unter anderem eine weitgehende Beschäftigungssicherung bis 30. September 2011", sagte Verdi-Sprecher Günter Isemeyer.

Außerdem würden die Gehälter nicht von künftigen Tariferhöhungen im Einzelhandel abgekoppelt und einige Spezialversender der Primondo-Gruppe in die Tarifbindung genommen.

1.800 Stellen gestrichen

Vor Wochenfrist hatte Arcandor bereits mitgeteilt, dass in der Karstadt-Hauptverwaltung - losgelöst vom jetzt ausgehandelten Pakt, der keine Stellenstreichungen beinhaltet - 334 von rund 1.800 Stellen wegfallen. Das Einsparvolumen beträgt in diesem Fall 28 Millionen Euro jährlich.