Das Sparprogramm bei Metro hat auch Verdi auf den Plan gerufen. Die Gewerkschaft findet nicht alles schlecht, was in "Shape 2012" beschlossen wurde. Doch der Stellenabbau wird verurteilt.

"Für uns ist es nicht der richtige Weg, reflexartig beim Personal den Rotstift anzusetzen, wenn es einem Unternehmen schlecht geht", sagt Verdi-Sprecherin Cornelia Haß im Gespräch mit Der Handel. Der Abbau von weltweit etwa 15.000 Arbeitsplätzen im Metro-Konzern hat die Arbeitnehmervertreter nach Gewerkschaftsangaben überrascht. "Eigentlich kann man so etwas nicht am Aufsichtsrat vorbei verkünden", sagte Haß am Dienstag in Berlin.

Wo bleibt die Servicequalität?

Der Metro-Vorstand habe die Arbeitnehmervertreter bislang nicht über einen Stellenabbau in dieser Größenordnung informiert. Zudem würden damit falsche Prioritäten gesetzt. "Statt Stellenabbau sollten Qualität und Service an oberster Stelle stehen", forderte die Gewerkschaftssprecherin. "Wenn bei Real die Personaldecke noch dünner wird, dann findet kein Kunde mehr die Milch. Gut ausgebildete Mitarbeiter sind die Visitenkarten eines Unternehmens."

Ob die Zahl von 15.000 wegfallen Jobs stimme, kann Cornelia Haß nicht mit bestätigen. Im März wolle Metro sich erklären. Zur Ankündigung des Konzerns, keine Mitarbeiter zu entlassen, sondern lediglich alte Stellen nicht neu zu besetzen, äußerte sich Gewerkschafterin Haß betont vorsichtig: "Ich habe keinen Anlass, das nicht zu glauben."

Jede 20. Stelle bedroht

Das gewaltige Sparprogramm bei Metro ist seit gestern bekannt. Ein großer Stellenabbau gehört offenbar mit dazu. Weltweit fallen etwa 15.000 Arbeitsplätze weg. Diese Größenordnung verlautete am Dienstag in Düsseldorf aus Konzernkreisen. Damit wird weltweit etwa jede 20. Stelle bis zum Jahr 2012 im Düsseldorfer Konzern gestrichen.

Die bislang schon bekannten Einzelmaßnahmen machten dabei insgesamt 4.000 der etwa 15.000 Stellenstreichungen aus. Zur Metro AG gehören die gleichnamigen Großhandelsmärkte, die Elektronikketten MediaMarkt und Saturn, der Lebensmittelhändler Real und die Kaufhof-Warenhäuser. Gerade Real und Kaufhof durchleben schwere Zeiten.

Real trennt sich von Filialen

Metro nannte in einer Mitteilung zu ihrem tiefgreifenden Wertsteigerungsprogramm "Shape 2012" zwar keine Zahl zum Ausmaß des Stellenabbaus. Der Vorstand betonte aber, dass Personalreduzierungen soweit wie möglich durch das Nichtbesetzen freiwerdender Stellen erfolgen.

An mehr als 2.200 Standorten in 32 Ländern Europas, Afrikas und Asiens arbeiten insgesamt 300.000 Menschen aus 150 Nationen für den Konzern. Darunter sind 123.000 Beschäftigte in Deutschland. Bereits bekannt ist ein Stellenabbau im deutschen Großhandelsgeschäft. Zudem trennt sich die Tochter Real in Deutschland von einigen Filialen.

750 Millionen Euro sollen eingespart werden

Der Konzern will bis 2012 rund 750 Millionen Euro einsparen. Außerdem soll die Produktivität durch neue Strukturen gesteigert werden. Das  Ergebnisverbesserungspotenzial bezifferte Vorstandschef Eckhard Cordes auf insgesamt 1,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2012.

"Shape 2012" solle die Metro effizienter werden lassen. An der Strategie sei seit Sommer 2008 gearbeitet worden. "Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage machen wir das Unternehmen damit auch wetterfest", sagte Cordes. Mit der neuen Struktur bekämen die Konzerntöchter größeren Handlungsspielraum. "Das Unternehmen wird in entscheidenden Teilen vom Kopf auf die Füße gestellt", betonte er.  Gewerkschaftssprecherin Haß hält "Sharp 2012" grundsätzlich für gut. Die Idee, Controlling und Finanzen in Düsseldorf zusammenzulegen "ist keine schlechte Idee".

Aktienkurs steigt

Das Sparprogramm kam an der Börse gut an. Die Metro-Stammaktie stand mit plus 4,63 Prozent auf 25,52 Euro an der DAX-Spitze. Der deutsche Leitindex notierte dagegen insgesamt leicht im Minus.

Steffen Gerth (mit Material von dpa)