Deutsche Einzelhändler tun sich noch schwer damit, den Kunden das Kassieren zu überlassen. Doch langsam finden die SB-Kassen auch hierzulande Anklang.

In Deutschland gilt die Metro-Tochter real,- als SB-Kassen-Pionier. In rund 62 Märkten der Metro-Tochter sind mittlerweile Self-Scanning-Terminals installiert, fünf weitere sollen in diesem Jahr noch folgen.

"Die Anzahl der bisher eingesetzten Kassen wurde in den Filialen meist nur um eine, an einigen Standorten maximal um zwei traditionelle Kassen reduziert, um Platz für vier SB-Kassen zu schaffen", erläutert Michaela Eilrich, Pressesprecherin bei real,-. Im Durchschnitt verfügt ein real,- SB-Verbrauchermarkt über 15 herkömmliche Kassen.

Es gibt regelrechte SB-Kassen-Fans

Zur Akzeptanz bei den Kunden führt Eilrich aus: "Es gibt mittlerweile ganz klar SB-Kassen-Fans. Das sind Kunden, die, wenn immer es möglich ist, die SB-Kassen als zeitsparende Zahlungsalternative nutzen." Es gebe aber auch Kunden, die es bislang ablehnen, diese Kassen zu benutzen.

Bei real,- wird zum Self-Checkout - ähnlich wie beim Möbelriesen Ikea - die so genannte "scan 'n bag"-Lösung eingesetzt. Der Kunde fährt bei diesem System mit seinem Einkaufswagen direkt an die SB-Kassenstation, scannt einen Artikel (scan) und packt diesen danach sofort in eine Einkaufstüte (bag). Ein Laufband an dieser Kasse entfällt.

Die "Scan ´n Bag"-Technik

Der letzte Schritt dient auch der Diebstahlsicherung, denn unter der Tüte befindet sich eine Wiegeeinheit, die das Gewicht des in die Tüte gepackten Artikels mit dem in einer Datenbank hinterlegten spezifischen Produktgewicht für diesen Artikel vergleicht.

Ist die Differenz zu groß, sperrt die Kasse und muss manuell wieder freigegeben werden. Nachdem der letzte Artikel gescannt wurde und der Kunde per Tastendruck das Ende des Scanvorgangs bestätigt, kann, wie an den herkömmlichen Kassen auch, mit Bargeld, EC- oder Kreditkarte bezahlt werden.  

Self-Checkout am laufenden Band

"An einigen Standorten, so auch im real,- Future Store in Tönisvorst, erproben wir zudem ein Weiterentwicklung des herkömmlichen scan 'n bag-Systems", erläutert die Pressesprecherin. Hier bieten wir unseren Kunden mit einer größeren Artikelanzahl im Einkaufswagen auch SB-Kassen mit Laufband an.

Darüber hinaus haben wir den gesamten Kassiervorgang in die beiden Elemente "scannen" und " bezahlen" aufgeteilt. Der Kunden scannt an einer Station alle Artikel, erhält hier einen Zahlbon und geht dann damit zu einer Zahlstation. Da es immer mehr Zahlstationen als Erfassungplätze gibt, optimieren wir durch diese "Entzerrung" des Kassiervorgangs in Summe den Kassenablauf im gesamten Markt.

Saturn mit 13 Filialen im Feld

Auch andere Vertriebslinien des Düsseldorfer Handelskonzerns sind an dem Thema "Self-Checkout" dran: Die Elektrofachmarkt-Sparte der ­Metro Group, Media-Saturn, praktiziert das SB-Kassieren ­inzwischen in 13 Saturn-Filialen. Die Geschäftsführung vor Ort kann jeweils darüber entscheiden, ob die SB-Kassen im Markt eingeführt werden.

Neben der Metro probieren auch die für ihre Technikbegeisterung bekannten Edeka-Kaufleute Peter Simmel und Jörg Hieber in ihren Märkten eifrig SB-Kassenlösungen aus. Als einziger Textilhändler weltweit hat zudem Peek & Cloppenburg einige Terminals in Deutschland im Einsatz, allerdings muss der Kunde dort immer noch zur "normalen" Kasse, um die Warensicherung entfernen zu lassen.

Die Zukunft gehört dem Self-Checkout

„Die Margensituation und die Struktur des deutschen Handels sind sicherlich mit dafür verantwortlich, dass die Branche hierzulande nicht so experimentierfreudig ist", sagt EHI-Kassen- und Technologieexperte Ulrich Spaan. „Auf lange Sicht werden sich SB-Kassen aber auch in Deutschland vermehrt durchsetzen. Im Lebensmittelhandel, aber auch bei Baumärkten oder bei den verschiedenen Fachmarktkonzepten haben SB-Kassenlösungen Potenzial."

Auch die rund 450 versammten IT-Experten der Handelsbranche, die Anfang November 2009 zu den EHI-Technologietagen nach Köln kamen, waren sich einig, dass Self-Checkout-Lösungen zukunftsträchtig sind. Bei einer Zuhöhrerbefragung gaben 72 Prozent der Teilnehmer an, das SB-Kassen als Ergänzung zum normalen Kassenbetrieb in den nächsten Jahren auf dem Vormarsch sind.

Großes Potenzial sieht auch eine Studie des internationalen Beratungsunternehmens Retail Banking Research (RBR) für „Self-Checkout"-Terminals. Weltweit gibt es laut RBR derzeit rund 92.000 Installationen der großen Kassenhersteller NCR, Fujitsu, IBM und Wincor Nixdorf. Bis 2014 werde sich diese Zahl vervierfachen, prognostizieren die Berater.

Hanno Bender


Lesen Sie hier den ersten Teil über die Erfahrungen, die das Einrichtungshaus Ikea mit der Einführung der Expresskassen gemacht hat.

Dieser Artikel erschien im Rahmen des Sonderhefts
Selbstbedienung gilt bei real,- auch an der Kasse. (Foto: real,-)
Selbstbedienung gilt bei real,- auch an der Kasse. (Foto: real,-)
in der November-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel und wurde um einige Akutalisierungen ergänzt.