Starke Supermärkte, erfolgreiche Vollsortimenter - selbst der Bereich Discount wächst wieder. Die Rewe-Gruppe blickt auf ein gutes Jahr 2012 zurück. Nur ProMarkt bereitet Sorgen.

Der Handels- und Touristikkonzern Rewe sieht sich nach einem Rekordumsatz 2012 für Übernahmen gerüstet. Aufgrund eines niedrigen Schuldenstandes sei die Rewe weiter sehr gut vorbereitet, um auch Akquisitionen zu tätigen, erklärte Rewe-Vorstandsvorsitzender Alain Caparros am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Köln. Das gelte sowohl für den Einzelhandel als auch für die Touristik. Der Fokus liege allerdings auf der Modernisierung der Läden und Weiterentwicklung der Konzepte.

2012 stieg der Konzernumsatz um 3,1 Prozent auf das Rekordniveau von 41,6 Milliarden Euro. Die Wachstumsziele seien dabei übertroffen worden. Zudem sei das operative Ergebnis deutlich verbessert worden. Im Vorjahr hatte die Sanierung der Discount-Tochter Penny Deutschland die Bilanz belastet. Ein Wachstumstreiber sind die Supermärkte. Im Touristikgeschäft ist Rewe mit Reiseveranstaltern wie ITS aktiv.

Lob für selbstständige Händler

Zu den guten Rewe-Zahlen trugen vor allem die selbstständigen Händler bei. So wuchsen deren Umsätze um 6,6 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro. Den größten Beitrag leisteten dabei die selbstständigen Rewe-Partner, deren Geschäfte sich im Jahr 2012 um 10,6 Prozent verbesserten. "Der Umsatz unserer Partnerkaufleute ist im zweiten Jahr in Folge zweistellig gewachsen. Sie sind damit nicht nur in unserem Supermarkt-Geschäft, sondern in der gesamten Gruppe der stärkste Wachstumstreiber", erklärte Caparros. Der Umsatz der Rewe-Gruppe wuchs 2012 um 2,7 Prozent auf 49,7 Milliarden Euro.

Die Zahl der in Deutschland und zwölf weiteren europäischen Ländern belieferten Märkte sank allerdings um 1 Prozent auf 15.538 Standorte. Die Ursache dafür seien Anpassungen der Vertriebsnetze insbesondere bei Penny in Deutschland und Billa in Italien gewesen. Diese konnten nicht vollständig durch organische Expansion ausgeglichen werden, teilt Rewe mit. Zum 31.12.2012 wurden in Deutschland insgesamt 10.842 Märkte von der Gruppe betrieben.

Vollsortiment wächst stetig

In Deutschland ist das Segment Vollsortiment (Rewe, Toom Verbraucher Markt, Rewe to go, Temma) mit 38,3 Prozent Anteil das stärkste Geschäftsfeld des Rewe-Konzerns. Hier wuchsen die Umsätze zum dritten Mal in Folge.

In den insgesamt 1.770 Filialen stiegen 2012 die Erlöse um 5 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro. Dazu trug das Supermarkt-Geschäft mit einem Wachstum von 5,9 Prozent bei (flächenbereinigt plus 4,5 Prozent). In die Läden seien mehr kauffreudige Kunden gekommen, begründet Rewe die guten Zahlen.

Penny wächst dank schönerer Läden

Auch bei der lange wenig erfreulichen Discount-Tochter Penny geht es wieder aufwärts. Die 2.241 Filialen steigerten im Geschäftsjahr 2012 (Stichtag 31.12.2012) ihren Umsatz um 1,7 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro.

Die Neuausrichtung des Geschäfts von Penny in Deutschland mit neuem Ladenkonzept, überarbeiteten Eigenmarken und intensiviertem Marketing zeige positive Wirkung, betont Rewe. Dies verdeutliche die Entwicklung des Umsatzes auf vergleichbarer Fläche, der gegenüber 2011 um 3,5 Prozent wuchs und damit über dem nominalen Wachstum des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland von 2,9 Prozent lag.

International wuchs das Discountgeschäft um 6,2 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Rewe betreibt 1.320 Filialen in Österreich und der Schweiz, sowie Bulgarien, Rumänien, Tschechien und Ungarn.

Der Umsatz der der Toom Baumärkte wuchs um 0,9 Prozent (flächenbereinigt plus 1,4 Prozent) auf 1,9 Milliarden Euro. Einzig der Elektronikhandel bleibt für den Konzern ein Problem: So wurden 13 Filialen von ProMarkt geschlossen, der Umsatzrückgang betrug 15,5 Prozent. Dadurch verringerte sich der Gesamtaußenumsatz im Geschäftsfeld Fachmarkt National um 3 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro.

Zukunft von ProMarkt ungewiss

Der Handelskonzern Rewe prüft bei seiner defizitären  Elektronikmarktkette ProMarkt nach einem schlechten Weihnachtsgeschäft verschiedene Optionen. Das Geschäft in den letzten Monaten 2012 habe bedingt durch Umsatzverlagerungen in das Internet nicht den eigenen Vorstellungen entsprochen, sagte der zuständige Rewe-Vorstand Frank Wiemer. Die Geschäftsführung von ProMarkt prüfe derzeit alle Optionen zur Verbesserung der Situation.

 

Dazu gehörten auch Veränderungen im Filialnetz. "Tatsache ist, dass diese Prüfung solcher Optionen ergebnisoffen ist und es noch keine Entscheidung gibt, wie wir weitermachen", erläuterte der Manager. Das Filialnetz umfasst noch 55 Läden. Den Umsatz und Verlust der Tochter bezifferte Rewe nicht.

Und die Zukunft? Der Preis ist alles

Für das laufende Jahr will Rewe "den eingeschlagenen Kurs des langfristig orientierten, profitablen Wachstums konsequent fortsetzen", wie es Caparros formulierte. Dafür wolle das Unternehmen 1,5 Milliarden Euro investieren. "Wir investieren vor allem in die Modernisierung und die organische Expansion bei Rewe und Billa sowie in die Repositionierung von Penny in Deutschland", sagte der Vorstandsvorsitzende.

Rewe setzt im Wettbewerb auf günstige Preise. "Denn im extrem harten deutschen und europäischen Wettbewerb spielt die Preiswahrnehmung der Verbraucher nach wie vor eine bedeutende Rolle", betonte Caparros.