Am 11. Juni 1966 startete in Düsseldorf die "Internationale Messe für Ladenbau und Schaufenster". Heute ist sie eine der führenden Invesitionsgütermessen für den Handel.

Vor 50 Jahren, am 11. Juni 1966, war es soweit - in Düsseldorf wurde die erste EuroShop eröffnet. Die neue Handelsmesse startete fulminant und war mit 333 Ausstellern und rund 30.000 Fachbesuchern die größte Ladenbauausstellung der Welt. Der Erfolg blieb der Messe treu: Heute ist die EuroShop mit 120.000 Quadratmeter Netto-Ausstellungsfläche und 2.500 Ausstellern aus rund 60 Ländern und über 100.000 Besuchern die internationale Leitmesse für Investitionsgüter des Handels.

Dabei wäre es fast nicht dazu gekommen, denn die Skepsis am Anfang war groß. Die Idee zum Projekt EuroShop kam Karl-Heinz Henksmeier – der damalige Direktor des Instituts für Selbstbedienung und Warenwirtschaft Köln (ISB), aus dem später das EHI hervorging – auf einer USA-Studienreise mit Händlern und Ladenbauern aus dem Mitgliederkreis des ISB.

Visionär Henksmeier

Henksmeier erkannte früh das Potential einer Spezialmesse für die Einrichtung und Ausstattung von Handelsgeschäften. Denn die damals neue Vertriebsform der Selbstbedienung mit offener Warenpräsentation veränderte die Ladengestaltung massiv: Kästen, Schubladen und Schränke wurden durch Regale, Gondeln, Angebotstische und Verkaufsständer abgelöst. Außerdem entwickelte sich die Nachfrage nach Kassentischen und Kassen, Kühlmöbeln und Elektroausstattung steil nach oben.

Doch eine spezielle Investitionsgütermesse für den Handel? Das hielten viele für überflüssig, unter anderem auch Messegesellschaften. Investitionsgüter wurden eher als Anhängsel diverser Sortimentsfachmessen betrachtet. Aber Henksmeier überzeugte die Messe Düsseldorf und gemeinsam mit Düsseldorfs Oberbürgermeister Willi Becker eröffnete er am 11. Juni 1966 offiziell die erste "Internationale Messe für Ladenbau und Schaufenster".

Früher Fortschritt

Großes Thema auf der Erstveranstaltung waren Fertigbauprogramme für Läden, Supermärkte, Lebensmittel-Zentrallager und Cash&Carry-Hallen, die schnell und flexibel einsetzbar waren. Optisch lagen Palisander und Teak bei den Möbeloberflächen im Trend.

Zu sehen gab es auch schraubenlos zu montierende Regale, ein Wandkühlregal mit Luftschleier oder moderne Kassen, etwa mit automatischem Rabattmarkengeber oder einem Festwertspeicher für immer wiederkehrende Beträge. Das klingt selbst aus heutiger Sicht fortschrittlich.

Die Selbsttipp-Methode

Den hohen Innovationsgrad im Handel, für den die EuroShop schon damals stand, zeigen außerdem frühe Versuche im Bereich Self-Checkout. Schon vor 50 Jahren wurde erstmals die sogenannte "Selbsttipp-Methode" vorgestellt. An den Selbsttipp-Kassen, die die Migros Zürich schon früh im Handel einführte, konnte der Kunde den Kaufpreis für jeden einzelnen Artikel selbst eingeben.

Nach Betätigung der Summentaste musste der Kunde nur noch zur Totalkasse im Geschäft gehen, in die das Ladenpersonal den Endbetrag eingegeben und kassiert hat. Allerdings lässt sich erst seit etwa zehn Jahren eine stetig wachsende Akzeptanz bei Kunden sowie Händlern gegenüber Selbstbediener-Kassen (SB-Kassen) und Self-Scanning in Europa beobachten. Heute bieten in Deutschland rund 320 Geschäfte Self-Checkout oder Self-Scanning an.

Fortschrittliche Datenerfassung

Sehr fortschrittlich aus damaliger Sicht waren ferner die neuesten Entwicklungen im Bereich Datenerfassung und -verarbeitung, die vor dem Hintergrund des stetig wachsenden Wettbewerbs und steigender Kosten für den Handel immer relevanter wurden. Die Systeme arbeiteten noch mit einem Lochstreifenstanzer im 5er-Kanal oder wahlweise mit einem Journalstreifen mit fotoelektrisch lesbarer Schrift. Besonders zukunftsweisend war diese Technologie, weil das gesamte Zahlenmaterial bereits auf nur einem einzigen Datenträger gespeichert und zur Auswertung an ein Rechenzentrum versandt werden konnte.

Einige der auf der ersten EuroShop gezeigten Innovationen muten allerdings eher skurril an: "Die Stimme aus dem Warenstapel" war eine neue Art von Werbung auf der Verkaufsfläche. Ging ein Kunde am sogenannten "Phon-Nettocontacter" vorbei, löste eine unsichtbare Lichtschranke ein hinter der Ware platziertes Tonband aus, das dann einen Werbespot abspielte.

Sonderschau "distributa"

Das EHI Retail Institute (damals noch in Form des Instituts für Selbstbedienung ISB), präsentierte 1966 in Kooperation mit rund 30 Unternehmen erstmals seine Sonderschau "distributa". Hier wurden zukunftsweisende Handelsthemen praxisnah veranschaulicht, zum Beispiel die Vorverpackung von Obst und Gemüse, Tiefkühlkost ("die Ware mit Zukunft"), SB-Frischfleisch, Selbstwahl bei Autozubehör oder der SB-Verkauf von Textilien.

Weiterer Höhepunkt der Ausstellung war der Internationale Kongress mit Forschungsergebnissen und Vorträgen zu Themen wie Standortanalysen, Arbeitsorganisation, Shopping-Center, Warenpräsentation, Kälte- und Klimatechnik.
Begeisterte Presse

Auch in den Medien kam die neue Handelsmesse gut an, nicht nur in Deutschland. So hob das Londoner Board of Trade Journal den Wert der EuroShop für die britischen Aussteller hervor. Die ebenfalls aus Hamburg stammende "Feinkost-Wirtschaft" fragte gar: "Warum hat es so etwas nicht längst gegeben?". Und die Fachzeitung "Papier" aus Baden-Baden schrieb: "Diese Messe erspart dem modernisierungsbereiten Fachhändler etwa eine Vierzehn-Tage-Studientour."

Handelsmessen heute

Bis heute hat sich die EuroShop nicht nur zur weltweit führenden Investitionsgütermesse für den Handel sowie zu einer der wichtigsten Informations- und Kommunikationsplattformen für alle Retail-Entscheider entwickelt.

Aus ihr ist 2003 die jährliche Messe EuroCIS hervorgegangen, bei der handelsspezifische IT- und Sicherheitslösungen im Fokus stehen. Darüber hinaus ist aus der EuroShop die Handelsmesse C-star entstanden, die seit 2015 jedes Jahr internationale Entscheider des Handels nach Shanghai lockt.