Dagmar Koch betreibt den ältesten noch bestehenden Bioladen der Republik. Der Konkurrenz von Supermärkten sieht sie gelassen entgegen.

Vor 35 Jahren galt Dagmar Koch als Spinnerin: Die damals 24 Jahre alte Bankkauffrau eröffnete Anfang der Siebzigerjahre einen Bioladen im Frankfurter Stadtteil Eschersheim. Heute ist er der älteste noch bestehende Bioladen in ganz Deutschland.

„Anfangs wurde ich noch von den Nachbarn beäugt, da waren Bio und Naturkost gleichbedeutend mit Körnerfressern", erinnert sich die Händlerin. „Das ist heute zum Glück ganz anders. Man merkt deutlich, dass das allgemeine Interesse an Bioprodukten gewachsen ist."

Kosmetik als Umsatzrenner

Elf Quadratmeter „groß" war der Verkaufsraum in den Anfangstagen, heute sind es 25 Quadratmeter, die allerdings größer wirken - obwohl Dagmar Koch alles anbietet, was das Bioherz ihrer Kunden begehrt - ob Käse, Kuchen oder Kosmetik.

„Fleisch und Wurst haben wir auch, aber die Nachfrage ist lächerlich klein", sagt die Biopionierin. „Kosmetikprodukte zählen hingegen zu unseren Umsatzrennern. Offenbar ist den Menschen die Körperpflege wichtiger als ihre Ernährung und die Bedingungen, unter denen die Tiere gehalten werden."

Bei Familie Koch - ihr Mann Harald kümmert sich um den Warennachschub und die Lieferungen - kommen natürlich nur noch Bioprodukte auf den Tisch. Dabei stand anfangs nicht einmal so sehr die eigene Ernährung im Mittelpunkt: „Als wir uns das mit dem Naturkostladen überlegt hatten, ging es uns vor allem darum, dass wir nur eine Erde haben. Und die müssen wir gesund halten."

Keine Esoterik, nirgends

Die Biopioniere sahen mit Schrecken, wie die Bauern Anfang der 1970er-Jahre am Ortsrand die Felder düngten: „Die haben morgens Gift gespritzt und abends bei unserem Großhändler eingekauft", erinnert sie sich. „Die wussten also ganz genau, was sie da tun und hätten ihre eigenen Erzeugnisse nie selbst gegessen."

Dagmar Koch ging und geht es ausschließlich um gesunde Lebensmittel, bekehren will sie dabei niemanden. Esoterisches Beiwerk sucht man dementsprechend bei ihr vergebens. Ihr Bioladen ist ein ganz normales Unternehmen: „Wir waren immer kühle Rechner."

Bio nicht teurer

Konkurrenz hat sie keine in der direkten Nachbarschaft. Im Gegenteil: Als der Bäcker gegenüber zumachte, hat sie gerne dessen „Nahversorgung" mit übernommen: „Gebäck ist ein gutes Beispiel, dass Bio nicht zwangsläufig teurer ist. Mein Kuchen ist sogar günstiger als bei einem Filialbäcker in der Stadt", sagt Dagmar Koch.

Biozweifler, die immer wieder mal in ihrem Laden auftauchen, überzeugt sie mit ihrer kompetent-ruhigen Art ganz schnell: „Ich lasse den Geschmack von Bioprodukten für sich sprechen. So habe ich aus Skeptikern schon Stammkunden gemacht."

Den neuen Trend zu Biosupermärkten beobachtet sie genau, sieht den großen Filialisten aber eher gelassen entgegen. Dass immer mehr konventionelle Supermärkte und sogar die Discounter ihre Bioproduktpalette ausbauen, ficht sie schon gar nicht an.
 
„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es da zu irgendeinem Skandal kommt", ist Dagmar Koch überzeugt. „Und dann fühlt sich der Kunde richtig veralbert. Bei uns weiß er immer, was er hat."