Turbulenzen bei Weltbild: Der Verkauf vermeintlich pornografischer Werke erzürnt die katholischen Anteilseigner des Verlags. Nun soll das Unternehmen samt Filialen verkauft werden.

Wer das Wort "Erotik" in der Suchmaske auf der Website weltbild.de eingibt, wird nicht fündig, erotische Werke sind ebenfalls nicht mehr unter den Buchkategorien zu finden. Das ist die sichtbarste Auswirkung des heftigen internen Streits, der im Verlag derzeit geführt wird.

Der Verkauf vermeintlich pornografischer Literatur hatte die Eigentümer in Rage gebracht. Der Verlag Weltbild gehört dem Verband der Diözesen Deutschlands, dem Militärbischofsamt sowie zwölf katholischen Diözesen.

Seit einer außerordentlichen Versammlung der Gesellschafter am Montag in Würzburg ist klar: Das Unternehmen soll verkauft werden - und zwar bald.

Die Maßnahmen zur Veräußerung sollen "ohne jeden Verzug entschlossen aufgenommen werden", lautet der Gesellschafterbeschluss. Der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Donaubauer sowie zwei weitere Mitglieder erklärten daraufhin ihren Rücktritt.

Verlag wehrt sich gegen Pornografie-Vorwurf

Durch die Zusammenführung des stationären Buchgeschäfts mit der Familie Hugendubel gehört Weltbild zu den größten Buchhändlern Deutschlands. Zudem ist die Verlagsgruppe innovativ und hat etwa ein eigenes E-Book-Lesegerät auf den Markt gebracht.

Bereits seit Ende Oktober sieht sich der Verlag dem Vorwurf ausgesetzt, mit Pornografie Geld zu verdienen. Das Unternehmen handelte sich dadurch einen Tadel von mehreren Bischöfen und sogar vom Papst ein.

In einer Pressemitteilung warf das Bistum Augsburg dem Verlag vor, er produziere und vertreibe literarische Erzeugnisse, die "der Menschenwürde und damit der Verkündigung und Lehre der Katholischen Kirche zutiefst widersprechen".

Das Unternehmen, mit rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz einer der größten Medienhändler Europas, wehrt sich: "Weltbild bietet in seinem Sortiment keine Pornografie an und hat dies noch nie getan", heißt es in einer Pressemitteilung. Zudem sei der Umsatzanteil der kritisierten Artikel "minimal".

Trotzdem wird es nun für das Unternehmen weitreichende Konsequenzen geben. Offen bleibt, ob weitere Bücher auf die schwarze Liste der katholischen Eigner kommen werden - etwa der Bestseller "Töchter der Sünde" von Iny Lorenz, derzeit auf Platz 6 der Ranking der meistverkauften Bücher bei weltbild.de.