Do it yourself – wenn es um die passende Software geht, dann basteln die deutschen Onlineshops gerne selbst. Eigenentwicklungen bestimmen das Geschäft in den Top 100. Dort beantworten 51 Prozent die Frage „Make or Buy“ mit “Make“. Prominente Beispiele hierfür sind Otto.de, Zalando, Notebooksbilliger und Zooplus. Bei den Top 1.000 stehen 40,36 Prozent auf die Eigenentwicklung. Alle anderen vertrauen auf Lösungen "von der Stange".

Tendenziell lässt sich dabei erkennen, dass mit zunehmendem Umsatz neben höherem Anteil an Eigenentwicklungen auch mehr On-Demand- und SaaS-Lösungen sowie Closed-Source-Shopsysteme eingesetzt werden. Auch nimmt die Bedeutung des ERP-Systems zu. Das hat das EHI Retail Institute in seiner Studie "Shopsysteme in Deutschand - Analyse der 1.000 größten Onlineshops" festgestellt.

Die knappe Dominanz von Eigenentwicklungen (51 Shops) in den Top 100 spiegelt sich auch beim Umsatzanteil - 38,81 Prozent - wieder.

Dann jedoch spreizt sich das Bild, je nachdem, ob man auf die Gesamtzahl oder den Umsatzanteil schaut.

So kommt Amazon Webstore nur auf drei Shops, aber auf einen Umsatzanteil von 30,35 Prozent – auch wegen der Eigenumsätze von Amazon. Hybris (11 Shops und 7,51 Prozent), Intershop (8 Shops und 4,92 Prozent) und IBM Websphere Commerce (5 Shops und 2,81 Prozent) folgen auf den Plätzen.



Häufigstes Standardprodukt ist Magento

Bei den Top 1.000 deutschen Onlineshops ergibt sich ein etwas verändertes Bild. Das meistgenutzte Shopsystem ist immer noch die Eigenentwicklung (423 Shops und 40,36 Prozent). Als häufigstes Standardprodukt wird dann Magento genutzt (129 Shops), gefolgt von Oxid (89) und Hybris (49).

Nach Umsatzanteilen liegt Amazon Webstore (4 Shops und 19,94 Prozent) indes weit vor Hybris (49 Shops und 6,69 Prozent). Auf Platz vier ist nun Magento (129 Shops und 5,51 Prozent), Intershop (23 Shops und 3,94 Prozent) und OXID eShop (89 Shops und 3,41 Prozent) folgen. Shopware (34 Shops und 2,70 Prozent), IBM Websphere Commerce (19 Shops und 2,54 Prozent), Demandware (25 Shops und 1,66 Prozent) und xt:Commerce (38 Shops und 1,55 Prozent) bilden die letzten der führenden zehn Plätze.

Der Anteil der Eigenentwicklungen variiert natürlich je nach Produktsegment. Onlineshops aus dem Segment Foto, Druck, Book-on-Demand haben mit beispielweise  87,5 Prozent eine Eigenentwicklung als Shopsystem. Im Gartenbedarfsegment sind nur 25 Prozent.  Im Mode-Markt haben von 225 Onlineshops nur 88 eine Eigenentwicklung im Einsatz. Knapp 60 Prozent der Onlineshops greifen also auf Lösungen „von der Stange“ zurück

Das Bild kann sich indes je nach strategischer Weichenstellung rasch wandeln. Beispiel Fressnapf: Dort vertraute man lange auf eine eigens entwickelte Shopsoftware, stieg dann aber mit Blick auf die Internationalisierung auf die Standardsoftware Hybris um.

69 Shopsysteme in den Top 1.000

Auch die Multichannel-Fähigkeit dürfte bei der Wahl „Make or Buy“ keine untergeordnete Rolle spielen. Von den 1.000 untersuchten Onlineshops haben 50,4 Prozent eine stationäre Filiale in Deutschland, 38,8 Prozent eine mobile Website, 24,4 Prozent einen Katalog, aber nur 8,7 Prozent eine Click & Collect-Option.

Die unübersichtliche Marktsituation der Systeme, insgesamt wurden 69 Shopsysteme in den Top 1.000 gefunden, dürfte auch mit den unterschiedlichen Anforderungen und Aufgabenbereichen zusammenhängen. Rund 75 Themen hat das EHI identifiziert wie beispielsweise Usability, SEO, Versandmanagement, Affiliate, Multichannel, After Sale, Sicherheitssysteme, Warenwirtschaft und Retourenmanagement. Zudem werden Enterprise-Resource-Planning, CRM-Integration, Conversions-Optimierung , die Verknüpfung von Online- und Offline-Kanälen, Empfehlungs-Funktionen immer wichtiger. 2 von 3 Händlern sehen beispielsweise Multichannel-Themen wie Click & Collect Optimierungspotenzial.

Für die Studie wurden zudem Checkout- und Seiten-Analyse durchgeführt und die eingesetzten Programmiersprachen ermittelt.