Mit über 1.400 Standorten im Bundesgebiet und acht großen strategischen Partnern launcht Shopkick das weltweit umfangreichste mobile Bonussystem (Foto: Shopkick)
Mit über 1.400 Standorten im Bundesgebiet und acht großen strategischen Partnern launcht Shopkick das weltweit umfangreichste mobile Bonussystem (Foto: Shopkick)
Angesichts des US-Erfolgs einer App wie Shopkick war klar, dass die standortbasierte Beacon-App eines Tages auch nach Deutschland schwappt. Glaubt man dem Ton mancher Schlagzeile dazu, kommt da ein Koloss, der den gesamten Schnäppchen-Beilagen- und Rabattmarkt drastisch verändern könnte. Es sei denn, man hat kein mobiles Internet oder überhaupt kein Internet. Ein bisschen weniger Hype wäre schön. Zwar zeigt Shopkick in den USA, dass es Umsatz bewegen kann und andere Mitbewerber alt aussehen lässt, aber dennoch sollte man keinen gewaltigen Kick erwarten. 

Zusammen mit Douglas, Media Markt, Saturn, OBI, Karstadt, Procter & Gamble, Henkel und ProSiebenSat.1 als strategischer Partner startet der US-Marktführer für Shopping-Apps jetzt in Deutschland das große Werbegelingel aufs Handy. Dank Beacon-Sender und Bluetooth-Technologie gibt es dann passend zum Standort in der Fußgängerzone oder im Laden Angebote, Infos oder Rabatte aufs Display.

In den USA belohnt die App bereits für den Besuch einer Filiale mit attraktiven Bonuspunkten, genannt "Kicks", sowie Prämien. Acht Millionen Nutzer hat Shopkick dort bereits elektrisiert. Hersteller und Händler auch. Loreal, Macys, Procter & Gamble zählen zu Dauerpartnern. 15 Handelspartner und über 150 Markenartikler sind es bislang, für die Shopkick allein im letzten Jahr 500 Millionen Dollar Umsatz generiert hat.

500 Millionen Dollar Umsatz

Hierzulande haben sich eine ganze Reihe an Anbietern das Konzept des deutschstämmigen Shopkick-Gründers Cyriac Roeding zu eigen gemacht. Doch Beacon-App Anbieter wie Yoints, Gettings, Barcoo und die Axel Springer-Tochter Shopnow dürften angesichts das neuen App-Allianz in Argumentationsnot geraten und nach weiteren Partnern oder Exit-Optionen suchen. Denn über regionale Piloten sind die Anbieter bislang kaum hinaus gekommen.

Barcoo testet die Bluetooth-Technologie im mymuesli Laden in München und sendet den Nutzern Nachrichten mit besonderen Angeboten. Couponing-Anbieter Gettings testete Beacon plus Goodies erfolgreich in einem Piloten in über 70 Einzelgeschäften in der Düsseldorfer Innenstadt.  Shopnow tummelt sich unterstützt mit Springer-Geld in Läden in Hamburg und Berlin und das Hamburger Start-up Yoints pilotiert Testläufe in Drogerieketten und rüstet den Hamburger Flughafen mit Beacon aus.
Barcoo bringt dabei dank seiner großen Verbreitung als Barcode-App immerhin noch Reichweite mit, die sich umwandeln lassen könnte, Shopnow hat zumindest Springer im Rücken, könnte aber auch funktional als Teil der ohnehin erfolgreichen Springer-App KaufDa Sinn machen. Auch Payback wird da mittelfristig eine Antwort bieten müssen.


TV-Kampagne bei  ProSiebenSat.1

Doch das Argument der Größe, samt TV-Kampagne bei  ProSiebenSat.1,  macht Shopkick erst einmal zum Vehikel der Wahl für weitere Partner. Vorschusslorberen gibt es jetzt schon. Bei Douglas erwartet man, mit App-Nutzern den Umsatz um bis zu 15 % Prozent zu steigern.

Ganz so verwegen wirkt das nicht. Eine Studie des Kreditkartenanbieters Visa ergab, dass Shopkick-Nutzer im Schnitt 50 bis 100 % mehr Geld in den Partnerläden lassen als herkömmliche Kunden.

Hinzu kommt: Shopkick vertraut nicht allein auf Beacon: Eine eigene patentierte Ultraschalltechnologie erlaubt es Shopkick, in jedem Laden ein unhörbares Signal an die App auf dem mobilen Endgerät des Kunden zu senden. Betritt also ein shopkick-Nutzer einen Partner-Laden und öffnet die App, empfängt und dekodiert diese das patentierte Ultraschallsignal direkt in der Filiale. Diese In-Store-Technologie wird im gleichen Gerät durch Apples iBeacon-Technologie komplettiert.

Dennoch bleibt Shopkick zunächst vor allem ein Killer für die deutschen App-Anbieter, wird aber nicht zum Heilbringer des stationären Handels.

- Erst einmal hilft ein wenig Prozentrechung die tatsächliche Verbreitung von Shopkick in den USA einzschätzen. 8 Millionen Nutzern stehen (mal grob geschätzt) rund 200 Millionen Smartphone-Nutzer gegenüber.

- US-Kunden sind, man kann sich das angesichts hiesiger Schnäppchenjäger kaum vorstellen, noch Gutschein und Rabatt-fixierter als deutsche Kunden. 

- Deutsche Kunden haben auf persönliche Werbebotschaften auf ihr Handy bislang immer sehr sensibel reagiert.

- Es braucht also einen Bewusstseinswandel und gute Argumente, damit sich die Kunden nach der ersten Phase der Neugier nicht dem neuen Marketingkanal verweigern. 

Statistik: Anzahl der Nutzer mobiler Coupons* in den USA in den Jahren 2010 bis 2012 und Prognose bis 2015 (in Millionen) | Statista
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