Ein Bonusprogramm, das allein den Besuch im Laden belohnt. Was in den USA erfolgreich funktioniert, wollen Start-Ups wie shopnow und Yoints nun mit der Beacon-Technologie nach Deutschland bringen. (Aktualisiert)

"Beacon" heißt seit ein paar Monaten das neue Zauberwort, wenn es um die Brücke zum Smartphone des Kunden geht. Die Bluetooth Low Energy-Technologie (BLE) ermöglicht den Datenaustausch mit dem Handy über eine größere Bandbreite und Reichweite als die NFC-Technik. Und sie spart im Vergleich zum Bluetooth älterer Machart kostbare Akkuleistung.

Vor einigen Wochen sorgte das Unternehmen Yoints mit der Meldung für Schlagzeilen, die Beacon-Technologie mit der App "Smartbonus" in den Drogeriemärkten von Budnikowsky zu realisieren.

Die Hamburger Drogeriekette dementierte jedoch auf Nachfrage von derhandel.de entsprechende Presseberichte. Aufgrund von Datenschutzbedenken wolle man zunächst von dem Einsatz der Technik absehen, die den Kunden automatisch beim Betreten des Geschäfts erkennen kann. Um Punkte mit der Smartbonus-App zu sammeln, muss der Kunde bei Budni daher derzeit noch aktiv einen QR-Code an der Ladentür einscannen, um identifiziert zu werden.

Hagebau, Halluber, Cineplex und Langnese starten mit Beacon

Diese Bedenken teilen die Unternehmen Hallhuber, Cineplex, Witty Knitters und Langnese (Unilever) offenbar nicht. Sie starten in diesen Tagen mit dem Start-up "shopnow" in Berlin und Hamburg in einem "soft launch" ein Loyalty-Programm mit der Leuchtturm-Technologie ("Beacon", englisch für "Leuchtturm").

"In rund 200 Filialen können die Kunden ab heute mit dem bloßen Besuch des Einzelhandelsgeschäfts Prämienpunkte sammeln", versichert Oliver Diekmann, Gründer und Geschäftsführer von shopnow gegenüber derhandel.de. Dazu gehören neben den genannten Unternehmen laut Diekmann auch eine ganze Reihe kleinerer Händler - etwa sechs Läden in der Hamburger HafenCity.

"Hallhuber wird am Test teilnehmen, voraussichtlich in der kommenden Woche wird mit zwei Geschäften in Berlin und fünf Geschäften in Hamburg gestartet", bestätigt eine Sprecherin des Unternehmens auf Nachfrage.

Möglich wird das Punktesammeln beim Betreten durch einen Beacon-Sender. Das ist eine kleine Funkantenne im Laden, die über eine Reichweite von rund 50 Metern per BLE mit Smartphones kommunizieren kann und den Nutzer der shopnow-App so identifiziert. Zudem funktioniert die App mit einer Ortung des Kunden über hochfrequente Töne, die vom Mikrofon des Smartphones empfangen werden.

"Shopnow steht für eine neue Dimension der mobilen Kundenkommunikation, der digitalen Beratung im Geschäft und der langfristigen Kundenbindung. Wir sprechen gezielt die mobile Smartphone-Generation an, die digital denkt und handelt und trotzdem gerne durch die Stadt bummelt und Spaß am Einkaufen im stationären Handel hat", sagt Oliver Diekmann, Gründer und Geschäftsführer des Berliner Start-ups.

Das Bonus-Prinzip ist von Shopkick inspiriert

Das Prinzip von shopnow folgt der in den USA erfolgreichen Loyalty-App Shopkick: Die Nutzer aktivieren die App auf ihren iOS- oder Android-Smartphones und erhalten Informationen zu Partnershops und personalisierten Angeboten in ihrer Umgebung. Schon beim Betreten des Ladens sammeln sie aufgrund der Ortung per BLE Bonussterne. Scannen die Kunden die Barcodes von in der App speziell beworbenen Produkten, werden sie abermals mit Bonussternen belohnt, die gegen Prämien eingelöst werden können - Wertgutscheine der teilnehmenden Händler, Starbucks- oder iTunes-Gutscheine und ähnliches.

Die shopnow-App ist als offene Plattform angelegt, die über eine möglichst große Anzahl von Handelspartnern attraktiv werden soll. Bei dem amerikanischen Vorbild Shopkick gehören Target, Macy´s, Best Buy, J.C. Penny und eine ganze Reihe namhafter Markenhersteller zu den Partnern. Zunächst startete Shopkick mit der Ortung der Kunden ausschließlich per hochfrequenter, unhörbarer Töne, inzwischen setzt auch Shopkick verstärkt auf die neue Bluetooth-Technologie.

In der Fachwelt wird nun munter darüber debattiert, ob BLE der NFC-Technologie am POS den Rang abläuft oder beide Übertragungstechniken in unterschiedlichen Anwendungsbereichen zum Einsatz kommen werden.

Shopnow-Konkurrent Yoints steht ebenfalls in den Startlöchern

"Beacon wird NFC ersetzen", sagt beispielsweise Sarik Weber, Partner des Hamburger Start-Up Yoints. Die größere Reichweite und die breiteren Anwendungsmöglichkeiten sprächen für die BLE-Technik. Darüber hinaus könne sie - im Gegensatz zur NFC-Technik - bei iPhones und Android-Handys zum Einsatz kommen.

"Wir übertragen ein in der Onlinewelt bewährtes Prinzip in den stationären Handel. Im Internet ist es selbstverständlich, dass bereits der Besuch einer Website eine Wertigkeit erhält, weil der Kunde dort interaktiv und zielgenau angesprochen werden kann, wo er sich befindet", erläutert Weber im Gespräch mit derhandel.de. Die seit November 2013 bei Budnikowsky angewendete Smartbonus-App von Yoints sei eine White Label-Lösung, die auch bei anderen Handelsunternehmen zum Einsatz kommen soll. Das Unternehmen habe eigene Beacons entwickelt, da die auf dem Markt verfügbaren Geräte nicht ausreichend gegen Hackerangriffe gesichert seien, betont Weber.

Bis zum Sommer 2014 will man die App auf eine Plattform stellen, mit fünf bis acht großen Handelsunternehmen aus den Bereichen Lebensmittel, Textil und Parfümerie, schildert Weber die Ziele. Auch mit verschiedenen Anbietern von Payment- und Walletlösungen sei man im Gespräch über eine Einbindung von Zahlungslösungen mit der App.

Weber gehörte zu den Mitarbeitern der ersten Stunde der Business-Netzwerks Xing und ist Gründer der Start-up-Schmiede Hanse Venture. shopnow wurde zusammen mit Axel Springer Ideas Ventures und sprylab technologies entwickelt. Axel Springer ist mehrheitlich an shopnow beteiligt.

Hanno Bender

Update: Ursprünglich nannte shopnow auch Deichmann und Hagebau als Testpartner. Beide Unternehmen dementierten jedoch auf Nachfrage von derhandel.de entsprechende Pilotierungen. Man setze sich mit der neuen Technik auseinander, habe aber noch keine Entscheidung über einen Praxistest getroffen, heißt es von beiden Firmen.