Der Trend weg von den teuren 1a-Lagen in den großen Städten setzt sich fort. Eine Heimwerkerkette zieht es in die Innenstadt, und ein anderes Handelsformat löst die Shopping Center als gefragtes Objekt bei den Investoren ab.

Der Einzelhandel in Deutschland sucht weiter nach Flächen. Laut dem Immobiliendienstleister Jones Lang Lasalle (JLL) verzeichnet der deutsche Retail-Vermietungsmarkt im ersten Quartal 2016 einen Anstieg: 121.200 Quadratmeter wurden bundesweit umgesetzt, das sind rund zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 254 Mietverträge wurden abgeschlossen.

Schwedischer Heimwerker in der Innenstadt

Die meisten Abschlüsse (rund 30 Prozent) gab es bei den Flächen von 100 bis 250 Quadratmetern, berichtet der Dienstleister. Mehr als 60 Prozent wurden hier von der Textil- und Gastronomie/Foodbranche nachgefragt. Bei den Großflächen ab 1.000 Quadratmeter bestimmten die internationalen Filialisten das Geschehen: 26 der insgesamt 31 Deals in dieser Größenordnung entfielen auf Konzerne wie Woolworth und TK Maxx. Ungewöhnlich: "Neben den traditionellen Finalisten drängen auch innenstadtfremde Konzepte wie Clas Ohlson aus Schweden mit seinem Heimwerkerkonzept in die 1a-Lagen", beobachten die Immobilienexperten.

Berlin: Schlechter Jahresstart

Doch der Trend weg von den teuren Highstreet-Lagen in den großen Städten setzt sich fort: Zunehmend verlagern sich die Abschlüsse laut JLL in kleine und mittlere Städte. Nur knapp 30 Prozent am Gesamtvermietungsvolumen entfielen auf die großen zehn Städte.

Entsprechend verhalten fielen deshalb auch die Ergebnisse für die einzelnen Märkte unter den sogenannten Big 10 aus, so JLL. Stuttgart profitiere von der Primark-Anmietung und verzeichne für das erste Quartal ein Vermietungsvolumen von 9.700 Quadratmetern, an zweiter Stelle folge München mit 5.200 Quadratmeter. Berlin hingegen schneide mit 4.100 Quadratmeter so schlecht ab wie seit sechs Jahren nicht mehr. In Hamburg fehle es vor allem an Großflächenanmietungen.

Kein Megadeal in Sicht

Die Shopping-Laune der Retail-Investoren scheint vorübergehend ausgebremst: Nach dem Boomjahr 2015 mit rund 17 Milliarden Euro Transaktionsvolumen sind die großen Käufe in diesem Jahr bislang ausgeblieben. Nach dem ersten Quartal stehen rund 1,7 Milliarden Euro zu Buche – 45 Prozent weniger als im Vorjahresquartal.

Dass die Zahlen so drastisch ausfallen, hat einen Grund: Die Übernahme von Corio durch Klépierre im vergangenen Jahr. "Das französische Unternehmen hat eine Milliarde Euro investiert und mit diesem Sondereffekt das erste Quartal 2015 besonders gut aussehen lassen", erklärt Sandra Ludwig, für den Bereich Retail Investment bei JLL Germany zuständig.

Um diesen Sondereffekt bereinigt, fällt der Vergleich deutlich moderater aus. "Dass es dennoch einen Rückgang gibt, liegt vor allem am Mangel auf der Angebotsseite. Interessenten gibt es genug, aber die Verkaufsbereitschaft ist gering", beobachtet Ludwig.

Shopping-Center nicht mehr gefragteste Objekte

Die Geschäftshäuser den Shopping-Centern diesmal den Rang als umsatzstärkste Kategorie ab: Sie steigerten sich auf 469 Millionen Euro, während die Shopping Center nach dem Höhenflug durch den genannten Portfoliodeal nun bei 400 Mio. Euro landeten. Fachmärkte haben ihre Bilanz derweil auf 355 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Fachmarktzentren und Supermärkte büßten hingegen signifikantes Transaktionsvolumen ein.