Die Zahl der Einkaufszentren steigt weiter. Während Kommunalpolitiker auf eine Belebung der City hoffen, fürchten Händler oft die Konkurrenz durch die Großprojekte.

Boutiquen, Buchhandlungen, Bierchen trinken - alles unter einem Dach und bei jedem Wetter trockenen Fußes erreichbar. Die Passagen wirken hell und freundlich, sind oft nett dekoriert, und ein Parkplatz ist fast immer zu finden: Während die klassischen Warenhäuser als Auslaufmodelle gelten, boomt der Bau von Einkaufszentren.

Bis Ende 2013 sollen in Deutschland mehr als 50 neue Shoppingcenter mit einer Gesamtfläche von etwa 1,4 Millionen Quadratmetern entstehen, wie das Handelsforschungsinstitut EHI in Köln ermittelt hat.

Derzeit gibt es bundesweit rund 430 solcher Zentren, vor fünf Jahren waren es noch 360. "Ein großer Vorteil der Shoppingcenter ist, dass der Betreiber sich den Mietermix so zusammenstellen kann, wie er für den Standort am geeignetsten hält", sagt der Geschäftsführer des EHI Retail Institute, Michael Gerling.

Die Läden haben einheitliche Öffnungszeiten, es gibt einen eigenen Sicherheits- und Reinigungsdienst und Marketingmaßnahmen werden zentral geplant - zum Beispiel eine "Frühlingswoche" oder die Weihnachtsdekoration.

Einkaufszentren erobern die Innenstädte

Wurden die Einkaufszentren früher vor allem auf der Grünen Wiese gebaut, entstehen sie seit Ende der 90er-Jahre vermehrt in Innenstädten. So befinden sich 85 Prozent der 2009 eröffneten Häuser in direkter City-Lage.

Mehr als die Hälfte der Malls - 57 Prozent - wurden in mittelgroßen Städten mit 20.000 bis 100.000 Einwohnern errichtet, 43 Prozent in Großstädten.

Gerade in mittleren Städten sorgt die geplante Ansiedlung eines Shoppingcenters oft für Streit. Während die Kommunalpolitik auf eine Belebung und Stärkung ihrer Innenstadt hofft, fürchten die alteingesessenen Händler die neue Konkurrenz.

Center-Streit in Siegburg

In Siegburg zum Beispiel will der größte deutsche Shoppingcenter-Betreiber ECE eine Einkaufsgalerie mit 16.000 Quadratmetern Verkaufsfläche bauen - das 45 Jahre alte Rathaus soll dafür weichen und abgerissen werden.

Innerhalb kurzer Zeit sammelte eine Bürgerinitiative rund 5.000 Unterschriften gegen das Vorhaben. Nun können die Einwohner im September per Bürgerentscheid abstimmen.

Nach Ansicht der Bürgerinitiative ist das geplante Center viel zu groß für die 43.000-Einwohner-Stadt, und schon jetzt ständen eine Reihe von Läden in der Fußgängerzone leer. Der Einzelhandel werde unter dem Center leiden und Kunden verlieren.

Bürgermeister Franz Huhn (CDU) dagegen betont, dass Siegburg sich im Wettbewerb mit den Nachbargemeinden behaupten müsse. Wenn also Siegburg auf sein Shoppingcenter verzichte, "dann droht als Einkaufsstadt der bittere Abstieg", meinen die Stadtoberen.

"Die Revitalisierung innerstädtischer Shopping-Zentren rückt jetzt in den Vordergrund", prognostizert ECE-Chef Alexander Otto.

Branchenmix für den lokalen Erfolg entscheidend

Generell spielten mehrere Faktoren eine Rolle, damit ein Einkaufszentrum tatsächlich zur Belebung und nicht zur Verödung einer City führt, erläutert Gerd Kühn vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin.

Wenn Größe, Standort und Bauweise des Centers falsch gewählt würden, könne dies negative Auswirkungen auf den Einzelhandel haben. Auch der Branchenmix sei von Bedeutung.

"Man darf nicht die Innenstadt im Shoppingcenter nachbauen", warnt Kühn. Dann bestehe die Gefahr, dass Filialisten einen zweiten Laden im Center eröffnen und in Folge ihr Geschäft in der Fußgängerzone schließen.

Sofern all diese Aspekte bei der Planung berücksichtigt werden, könne ein Shoppingcenter aber auch die ganze Innenstadt bereichern, meint Kühn. "Wenn am Ende nicht alle davon profitieren, hat man vorher etwas falsch gemacht."

Petra Albers, dpa