In den deutschen Städten nimmt der Filialisierungsgrad in der 1a-Lage weiter zu. Auch in kleinen Städten machen sich die Ketten verstärkt breit, zeigt eine Analyse des Maklerunternehmens Lührmann.

Die Filialisierung der deutschen Innenstädte hat sich auch im Jahr 2008 fortgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Unternehmens Lührmann.

Das Maklerunternehmen hat den Filialisierungsgrad von insgesamt 253 Top-Lagen in Deutschland auf Veränderungen des innerstädtischen Einzelhandelsbesatzes im Jahr 2008 untersucht. Unterschieden wurde dabei zwischen Stadtgröße sowie zwischen internationalen, nationalen und regionalen Filialunternehmen gegenüber örtlichen Einzelhändlern.

Erhöhung des Filialisierungsgrades in nahezu allen 1A-Lagen

Der Filialisierungsgrad hat sich demnach im vergangenen Jahr in der überwiegenden Mehrzahl der untersuchten Städte erhöht. Insgesamt kam es zu einer Anhebung von 3,5 Prozentpunkten im bundesweiten Durchschnitt von 50,8 Prozent auf insgesamt 54,3 Prozent Anteil am innerstädtischen Einzelhandel.

Vor allem kleine Städte bis 50.000 Einwohner verzeichneten die höchsten Zunahmen: Die Quote stieg hier um durchschnittlich vier Prozentpunkte auf 48,4 Prozent. Ähnlich hoch lag der Zuwachs in Städten von 250.000 bis 500.000 Einwohnern. Die Filialunternehmen legten dort insgesamt 3,8 Prozentpunkte am Anteil des Einzelhandels auf nunmehr 63,5 Prozent zu.

Die geringsten Veränderungen verzeichneten die Metropolen über 500.000 Einwohnern. Mit einem Zuwachs von 2,4 Prozentpunkten stagniert die Filialisierungsquote bei 63,7 Prozent auf hohem Niveau, stellte Lührmann fest.

Die kleinen Städte holen auf

 „Die kleineren Städte werden für die expansionswilligen Filialisten zunehmend interessanter", bestätigt Guido Kleinschmidt, der als Geschäftsführender Gesellschafter bei Lührmann  deutschlandweit die Vermittlung von Ladenlokalen in 1a-Lage koordiniert. „Es gibt einen offensichtlichen Expansionswillen bei den führenden nationalen und internationalen Unternehmen, den wir auch in Form konstanter Mietpreise spüren", so Kleinschmidt.

In der Top-10-Liste der Städte mit den meisten Filialunternehmen ist der Studie zur Folge keine der deutschen Millionenstädte vertreten. Größte Stadt ist Dortmund auf Platz drei mit einem Filialistenanteil von insgesamt 80,5 Prozent. Davor liegen nur noch Bochum mit 83,2 Prozent sowie Solingen mit 83,3 Prozent, als deutsche Stadt mit dem höchsten Anteil an Filialunternehmen in der 1a-Lage. „Das liegt vor allem daran, dass es in den Toplagen der Metropolen wie Hamburg oder München immer noch viele alteingesessene Einzelhändler mit einer treuen Stammkundschaft gibt", urteilt Guido Kleinschmidt.

Der Tabakwarenladen mit seiner ausgesuchten Pfeifensammlung oder das exquisite Hutgeschäft sei hier noch rentabel und bleibe der Innenstadtlage somit erhalten. „In kleineren Städten ist das anders. Dort weichen die Spezialanbieter auf die schwächeren Randlagen aus", erläutert der Immobilienfachmann. Darüber hinaus zeige sich vor allem in Nordrhein-Westfalen, dass die Filialisierung sehr weit vorangeschritten ist: Fünf der zehn Städte mit dem höchsten Anteil an Filialisten in der 1a-Lage befinden sich in dem bevölkerungsreichsten Bundesland der Republik (Solingen, Bochum, Dortmund, Velbert, Soest).

Regionale Einzelhändler treten in den Hintergrund

„Insgesamt expandieren die Filialunternehmen weiterhin mit Nachdruck in die Innenstädte", resümiert Lührmann-Geschäftsführer Kleinschmidt. Allerdings mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten: Während das Tempo in den kleineren Städten zugenommen habe, werden in Metropolen und Städten mit mindestens 500.000 Einwohnern vor allem neue Trends und progressive Konzepte ausprobiert. „Wenn diese sich bewähren, sehen wir sie einige Zeit später auch in den kleineren Städten."