Opel und die "Aktion Gesunder Rücken" engagieren sich für das optimale Sitzen im Auto.

Vielfahrer kennen das Problem: Auf langen Strecken beginnt irgendwann der Rücken zu schmerzen. "Sitzen zwingt den Körper zur Ruhe. Muskeln, vor allem Bandscheiben leben jedoch von der Bewegung, vom Wechsel zwischen Be- und Entlastung. Zudem geraten Autofahrer häufiger in Stress. Und das kann sich in Rückenproblemen niederschlagen", sagt Professor Erich Schmitt, Vorstandsvorsitzender des Forums "Gesunder Rücken - besser leben". 

Streck- und Dehnpausen

Der Leiter der Abteilung Wirbelsäulenerkrankung der Orthopädischen Universitätsklinik Frankfurt am Main rät daher neben den obligatorischen „Streck- und Dehnpausen" nach rund zwei Stunden Fahrtzeit: „Im Auto ist es möglich, durch Gewichtsverlagerung die Sitzposition zu verändern. Regelmäßiges leichtes Verstellen der Rückenlehne bewirkt zudem eine unterschiedliche Belastung der Muskelpartien in Rücken und Nacken. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Lehne exakt einstellen lässt."

Hier setzt Automobil-Produzent Opel an. Die Rüsselsheimer haben sich des Themas insbesondere auch mit Blick auf die Flottenkundschaft intensiv angenommen. „Heutige Sitze sind wahre High-Tech-Geräte", sagt der Leiter der Produktentwicklung Sitze, Andrew Leuchtmann. "Die Entwicklungskosten für eine neue Sitzgeneration beginnen bei 50 Millionen Euro."

150.000 Fachleute

Opel und Mercedes-Benz sind die beiden Auto-Anbieter, die mit der "Aktion Gesunder Rücken" (AGR) kooperieren, einem Forum, dem insgesamt 150.000 Fachleute aus medizinischen, berufsgenossenschaftlichen und technischen Verbänden angeschlossen sind, zusammen.

Die AGR vergibt zahlreiche Siegel, darunter auch eines für Autositze. Mit dem Verkaufsstart des Mittelklasse-Fahrzeugs Insignia zum Jahresende bietet Opel das gesunde Gestühl bereits ab 350 Euro Aufpreis an und kündigt auch für jede künftige Baureihe einen Sitz mit AGR-Zertifikat an.

„Damit ist die rückengerechte Konstruktion mit individueller Höheneinstellung, Sitzflächenverlängerung, einer mindestens vierfach einstellbaren Lordosenstütze und ausreichend verstellbarer Kopfstütze gewährleistet", erläutert AGR-Geschäftsführer Georg Stingel. Auch die Seitenführung sollte nicht zu hoch sein: "Schließlich müssen viele Berufsfahrer häufig ein- und aussteigen."

Die AGR-Experten haben Tipps für Autofahrer zusammengestellt, um im Auto optimal zu sitzen:

Höhe
: Immer so hoch wie möglich sitzen. Darauf achten, dass der Abstand zwischen Kopf und Dach etwa eine Hand breit beträgt. Neben der besseren Übersicht positioniert sich so das Becken richtig.

Abstand zu Lenkrad und Pedalen: Das Knie sollte bei durchgetretener Kupplung noch leicht angewinkelt sein. Liegt der Handballen auf dem Lenkrad, dürfen die Schultern den Lehnenkontakt nicht verlieren.

Rückenlehne: Empfehlenswert ist eine leicht zurückgelehnte Haltung in einem offenen Winkel von rund 100 Grad. Das entlastet Muskulatur und Bandscheiben.

Sitzfläche: Nicht horizontal, sondern leicht ansteigend einstellen, damit der Oberschenkel nach Möglichkeit komplett aufliegt. Der Freiraum zwischen Sitz und Kniekehle sollte zwei bis drei Fingerbreit betragen.

Kopfstütze: Eine möglichst hohe Position wählen. Ideal ist es, wenn sich die Oberkante der Stütze und der Scheitel auf einer Höhe befinden.

Bernd Nusser