Mit dem neuen Octavia ist der Volkswagen-Tochter Skoda ein großer Wurf gelungen. Mit zahlreichen pfiffigen Detaillösungen drängt sich der sparsame Tscheche für die Flotte geradezu auf – als der bessere Golf.

Der Autoschlüssel steckt bei vielen Modellen längst schon nicht mehr im Schloss – doch wohin damit? Das Handy fliegt in den Kurven mangels Halterung durch die Kabine. Die Thermoskanne mit dem frisch gekochten Kaffee für die lange Geschäftsfahrt findet kein Plätzchen und wertvolle Muster für die Kunden würde man in seinem Gefährt gerne unsichtbar verstauen. Die kleinen Alltagssorgen der Vielfahrer.

Die Ingenieure von Skoda haben sich vor der Konstruktion des neuen Octavia ganz offensichtlich selbst auf Dienstreise begeben, oder den Kunden zumindest gut zugehört – und für alles eine Lösung gefunden. Wie kein zweiter Hersteller kümmert sich die tschechische Volkswagen-Tochter um die Kleinigkeiten, auf die es bei der täglichen Nutzung ankommt. Ein Haken für die Einkaufsbeutel hier, eine Öse zur Ladegutsicherung da.

Slogan wird mit Leben gefüllt

Der Slogan "Simply clever" ist jedenfalls keine hohle Marketingphrase. Vielleicht auch, weil die großen Errungenschaften wie sparsame Motoren, erstklassige Fahrwerke oder Assistenzsysteme im Markenverbund mit der Wolfsburger Zentrale vorgegeben sind.

Mit dem Octavia der dritten Generation, das zeigte sich jetzt im Test von Der Handel, ist dem aufstrebenden Unternehmen jedenfalls ein ganz großer Wurf gelungen. Der Kompaktklässler aus Mlada Boleslav kann alles mindestens genauso gut wie der allenthalben hoch gelobte VW Golf, mit dem er die technischen Gene teilt – teilweise noch viel besser.

Überragendes Platzangebot

Das gilt insbesondere für das Platzangebot. Schließlich überragt der Octavia seinen norddeutschen Verwandten gleich um 43 Zentimeter. Die werden für die Beinfreiheit hinten, vor allem aber für den Frachtraum genutzt. Und so glänzt schon die Limousine mit Kombiwerten aus der nächst höheren Klasse.

Ein Extralob verdient auch der 1,6-Liter-Diesel. Der kleinere der beiden angebotenen Selbstzünder ist mit 77 kW/105 PS absolut flottentauglich. Langstrecke, forsche Überlandfahrten, Stadtverkehr – der Antrieb passt immer und reicht mit einer Höchstgeschwindigkeit von 195 km/h auch für eilige Terminsachen.

"Drei-Liter-Auto" – mit etwas Sparwillen

Dazu kommen die Verbrauchswerte im Kleinwagenbereich. Einst träumte die Branche vom "Drei-Liter-Auto". Jetzt ist es, mit etwas Sparwillen im rechten Fuß, tatsächlich Wirklichkeit. Selbst bei zügiger Gangart bleibt der Antrieb noch im Vier-Liter-Bereich.

Wer mit dem Fünf-Gang-Getriebe (dem einzigen Kritikpunkt an diesem Fahrzeug) leben kann, spart sich besser die happigen 3.000 Euro Aufpreis zum 2,0 Liter-TDI mit 110 kW/150 PS, der zudem erst ab der zweiten Ausstattungsstufe "Ambition" zur Verfügung steht. Das Geld ist in zusätzlicher Ausstattung nach eigenen Bedürfnissen gut angelegt. Beispielsweise für das Navigationssystem "Columbus", das mit großem Bildschirm und intuitiver Bedienung allerdings gleich mit mindestens 2.570 Euro zu Buche schlägt.

"Schnäppchenimage" abgestreift

Auf dem Weg vom einstigen, osteuropäischen Preisbrecher zur anerkannten Importmarke Nummer eins hat Skoda im Laufe der Jahre schließlich sein "Schnäppchenimage" abgestreift. Volkswagen-Qualität hat eben auch mit dem geflügelten Pfeil ihren Preis. So sollten für einen ordentlich ausstaffierten Octavia wenigstens rund 30.000 Euro einkalkuliert werden. Gemessen an Raumangebot und Top-Verarbeitungsniveau sowie mit Blick auf die Konkurrenz ist das dennoch ein verlockendes Angebot.

Bernd Nusser