Die tschechische Volkswagen-Tochter Skoda zeigt sich im Abgasskandal des Konzerns krisenfest und will 2016 bei den gewerblichen Zulassungen weiter wachsen.

„Großkundenleistungszentren“ – hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich das nächste Projekt für die Händler der tschechischen Automobilmarke Skoda. Nachdem nun rund 400 der knapp 600 bundesdeutschen Betriebe in einem langwierigen Prozess auf das vom Hersteller vorgegebene Erscheinungsbild umgebaut sind, will die hundertprozentige Volkswagen-Tochter nun ihre Bemühungen um Flottenkunden weiter verstärken.

Bislang wuchs das Unternehmen dank des Kaufinteresses der privaten Kundschaft beständig und nimmt in dieser Statistik hierzulande sogar Rang drei hinter Volkswagen und Mercedes-Benz ein. Doch insgesamt sind die Neuzulassungen durch Privatkunden seit Jahren rückläufig. „Diese Entwicklung schlägt sich bei uns natürlich besonders nieder“, erklärt Deutschland-Geschäftsführer Imelda Labbé kurz vor Ende „eines anspruchsvollen Jahres“.

Rund 180.000 Verkäufe in 2015

Zwar steigert Skoda seine Fahrzeugabsätze auch 2015 wieder, bis Jahresende mutmaßlich auf rund 180.000 Einheiten nach 173.583 im Vorjahr, doch das Wachstum resultiert vornehmlich aus dem Flottengeschäft, das bis einschließlich November um 7,5 Prozent auf 43.590 Einheiten zulegte. Bei den Gesamtzulassungen liegen wir als bester Importeur nun bereits im siebten Jahr auf Platz sieben, im gewerblichen Bereich sind wir jetzt schon Sechster – vor Opel“, verkündet die Skoda-Chefin mit einem kleinen Seitenhieb auf ihren ehemaligen Arbeitgeber.

Geholfen hat dabei vor allem die Modelloffensive der vergangenen Monate: Neben dem Octavia Combi sind auch der kleinere Fabia Combi, der im Frühjahr neu auf den Markt kam, und der seit September erhältliche, größere Superb Combi ziemlich exakt auf die Wünsche und Bedürfnisse von Fuhrparkleitern und Dienstwagenfahrern zugeschnitten.

Großkundenzentren müssen Standards erfüllen

Dieses potente Flottentrio sollen die 100 zu installierenden „Großkundenleistungszentren“ nun noch intensiver vermarkten. Eigens geschultes Personal, eine spezielle IT-Ausrüstung und entsprechende Vorführwagen gehören unter anderem zu den Standards der neuen Vorzeigebetriebe. Weiteres Wachstum im Flottengeschäft und die Einführung eines zweiten SUV-Modells stehen 2016 im Fokus.

Auf den praktischen Stadtlieferwagen Roomster müssen die Händler allerdings verzichten. Die Produktion ist bereits eingestellt und ein Nachfolger nicht in Sicht. Pläne, wonach der VW Caddy als Basis für einen neuen Roomster dienen sollte, würden im Konzern „derzeit nicht weiter verfolgt“, sagt Imelda Labbé.

Handelsbetriebe erwirtschaften 1,8 Prozent Umsatzrendite

Die Handelsbetriebe, die auch 2015 wieder eine branchenüberdurchschnittliche Umsatzrendite von 1,8 Prozent erwirtschaften dürften, sind im kommenden Jahr erst einmal in anderer Hinsicht mächtig gefordert: Durch den Abgasskandal um die auch bei Skoda verbauten VW-Dieselmotoren müssen rund 250.000 Fahrzeuge umgerüstet werden. Da kommt Arbeit auf die Betriebe zu. 600 neue Mitarbeiter seien in den Handelsunternehmen eingestellt worden.

Ohnehin glaubt die Skoda-Führungsriege, die durch die Softwaremanipulationen bei Volkswagen ausgelöste Krise halbwegs unbeschadet überstehen zu können: "Wir verzeichnen keine Auftragsrückgänge", versichert Imelda Labbé und Vertriebsleiter Stefan N. Quary ergänzt: "Die Nachfrage nach unseren Dieselmotoren steigt sogar." Wohl eine Folge der zunehmenden Flottenverkäufe.

Bernd Nusser