Nicht nur ein Familienauto: Auf den zweiten Blick erweist sich der Skoda Rapid als ökonomisch-praktischer Dienst- und Flottenwagen.

Wohl kaum ein Modell hat den Titel "Auto der Vernunft", den zwei Publikumszeitschriften gerade erst wieder vergeben haben, mehr verdient als der Skoda Rapid. Schnörkellose Karosse, jede Menge Platz, sparsamer Diesel und erschwinglicher Preis - das erfreut nicht nur Familienväter, sondern auch kostenbewusste Fuhrparkmanager. Da lohnt es sich, bei der im vergangenen Herbst eingeführten Limousine genauer hinzusehen:

Auf den ersten Blick scheidet der tschechische Newcomer, der seinen Platz im Produktportfolie unterhalb des auf 4,66 Meter gewachsenen Octavia gefunden hat, bei der Dienstwagenwahl eigentlich schon aus. Deutschlands Firmenparkplätze werden schließlich von Kombis dominiert. Doch mit einem Kofferraumvolumen von 550 Litern und 535 Kilogramm Zuladung braucht sich der Rapid vor der Konkurrenz mit der großen Heckklappe nicht zu verstecken. Schon gar nicht in der Kompaktklasse und nicht einmal eine Etage darüber in der Mittelklasse.

Bis zu 1.490 Liter Kofferraumvolumen

Wer die asymetrisch geteilte Rücksitzbank flach legt, erhält sogar 1.490 Liter Stauraum. Spätestens jetzt hat sich die Frage nach dem Kombi erledigt, zumal die Heckklappe weit aufschwingt und das Beladen erleichtert.

Wie die Ingenieure in Mlada Boleslav es geschafft haben, auf knapp 4,50 Meter Gesamtlänge auch noch ordentlich Platz für fünf Passagiere zu schaffen, bleibt ihr Geheimnis. Jedenfalls sitzen selbst die Fahrgäste in Reihe zwei kommod.

Normverbrauchswert ist nicht unrealistisch

Flotter Diesel: Skoda Rapid
Flotter Diesel: Skoda Rapid
Vernunft bedeutet eben nicht zwingend Verzicht. Das gilt auch für den Antrieb. Der aus diversen Volkwagen-Konzernbaureihen bekannte 1,6-Liter Diesel mit 77 kW/105 PS macht den Viertürer immerhin 190 Stundenkilometer schnell, begnügt sich im Normverbrauch aber mit 4,4 Litern auf 100 Kilometern. Dieser Wert ist bei gemächlicher Fortbewegung auf ebener Landstraße tatsächlich zu erzielen. Forcierte Gangart provoziert schlimmstenfalls eine "6" vor dem Komma, und so sind im Alltagsbetrieb Verbrauchswerte um die fünf Liter realistisch.

Dazu ist das Auto handlich, übersichtlich, mit einer komfortablen Federung gesegnet und im Innenraum für einen Diesel angenehm leise. Bleibt eigentlich nur noch abzuwarten, wann die Volkswagen-Oberen den kleineren TDI-Motoren endlich auch den zeitgemäßen sechsten Gang spendieren. So ließe sich bei Autobahnfahrten mit höherem Tempo sicher noch Drehzahl und damit Kraftstoff einsparen.

Klassische Tugenden der Marke

Auch im Innenraum verkörpert der Rapid die klassischen Skoda-Tugenden, die die VW-Tochter zum rasanten Aufstieg bis zur Importmarke Nummer eins in Deutschland geführt haben. Es geht sachlich zu, leicht verständlich, überschau- und mühelos bedienbar.

Dass beispielsweise die Türverkleidungen aus kostengünstigem Hartplastik gefertigt sind, sieht man dem Wagen spätestens beim Zählen der vielen Ablagen, Becher- und Flaschenhalter nach. Alles sitzt einfach am rechten Fleck. Und der überdimensionierte Heckscheibenwischer schmiegt sich zwar nicht besonders harmonisch in die Karosseriesilhouette ein, erfüllt aber seinen Zweck und sorgt selbst bei starkem Regen für eine gute Rücksicht.

Diesel ab 18.410 Euro

Wie kaum eine zweite Marke hat es Skoda geschafft, den Begriff "gutes Preis-Leistungsverhältnis" zu besetzen. VW-Technik zum Schnäppchenpreis - das hat sich in den Köpfen der Verbraucher festgesetzt. Beim Studium der Verkaufsbroschüren zeigt sich allerdings schnell, dass auch die aufstrebende Konzerntochter, die für das Jahr 2012 soeben einen weltweiten Rekordabsatz von 939.200 Fahrzeugen vermeldete, nichts zu verschenken hat. Zwar beginnt die Rapid-Preisliste bei attraktiven 13.990 Euro für den 55 kW/75 PS-Basisbenziner in Grundausstattung. Doch dieses Modell kann getrost als "Lockvogel" angesehen werden und ist hierzulande praktisch unverkäuflich.

Der Diesel startet bei 18.410 Euro, liegt in der Top-Ausstattung "Elegance" bereits bei 22.160 Euro und kann dann immer noch mit einigen "Extras" wie dem Navigationssystem mit allerdings zu kleinem Bildschirm (990 Euro) verfeinert werden. Dann paaren sich Vernunft und Vergnügen. Und für alle Fälle: Einen Kombi haben die Skoda-Strategen auch noch in der Mache…

Bernd Nusser