Derzeit hat der stationäre Computer beim Onlineshopping noch die Nase vorn. Doch das kann sich schnell ändern - zugunsten von Smartphones.

Lange Zeit beschwor die Industrie die Möglichkeiten des mobilen Onlinekaufs, wenngleich mit eher mäßigem Erfolg. Technik und Geräte waren noch nicht so weit: "M-Commerce" blieb ein bloßes Schlagwort.

Doch dann kam das iPhone von Apple, begeisterte mit den schier unendlichen Möglichkeiten dank der sogenannten Apps - und nun ist Mobile Shopping tatsächlich ein ernst zu nehmendes Thema. Bereits heute wird alle 35 Sekunden bei eBay ein Artikel per iPhone geordert.
 
"Einkaufen per Handy wird sich zu einem eigenen Vertriebsweg entwickeln. Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2013 bis zu 20 Prozent des Onlineumsatzes über mobile Endgeräte laufen wird", sagt Arne Flick, Gründer und Geschäftsführer der Agentur Rio Mobile, www.riomobile.de.
 

iPad bietet großes Potenzial für E-Commerce

Allerdings können lange Ladezeiten und Displaygröße den Spaß am Onlinekauf von unterwegs vermiesen - zumindest im Moment noch, bis die neuen Hochgeschwindigkeits-Mobilfunkfrequenzen Standard geworden sind.

"Smartphones werden eher für den Spontankauf genutzt, während ein PC für schwierigere Kaufentscheidungen besser geeignet ist, weil man auf dem großen Bildschirm besser die Informationen vergleichen kann", beobachtet Carsten Kraus, Geschäftsführer der Omikron Data Quality, die auch die Such- und Navigationslösung, www.fact-finder.de, anbietet.

Doch wieder einmal könnte Apple mit dem Tablet-PC iPad der nächste Clou gelungen sein: "Das iPad verbindet beide Vorteile und wird in rund drei Jahren den Löwenanteil des E-Commerce-Umsatzes von zu Hause aus ausmachen", ist Kraus überzeugt. "Smartphones hingegen werden unseren Einkaufsbummel leiten, also uns zu den Waren in realen Geschäften führen, und vermutlich auch als Zahlungsmittel dienen."

Per Handy Laden in der Nähe finden

Arne Flick sieht ebenfalls einen großen Vorteil der klugen Handys im Zusammenspiel mit dem stationären Handel: "Shopfinder lokalisieren alle Händler oder Filialen im Umkreis des aktuellen Standorts. Will der Käufer ein Produkt näher in Augenschein nehmen, kann er über das Handy den nächstgelegenen Laden ausfindig machen und dort den Einkauf fortsetzen."

Auch beim Onlinekauf von Supermarktartikeln hat der stationäre Computer das Nachsehen: "Da ist bislang einfach der Aufwand zu groß", sagt Carsten Kraus. "Wenn man merkt, dass die Butter aus ist, ist es einfacher, das auf einem Zettel zu notieren, als extra den PC einzuschalten", argumentiert er. "Das iPhone jedoch ist mit einem Klick wach und man kann den Artikel in den Einkaufskorb legen." Der sollte persistent sein, rät der App-Anbieter.

iPhone zeigt keine Videos

Das bedeutet, dass der Kunde das iPhone abschalten und wieder einschalten kann, und der Warenkorb noch da ist: "Erst wenn man die Bestellung zusammen hat, wird die Lieferung ausgelöst." Diese Warenkorb-Persistenz sei auch im klassischen eCommerce hilfreich, aber im M-Commerce hält er sie für "noch relevanter".

Doch bei Mode und DVDs ist wiederum der PC seiner Meinung nach klar im Vorteil, weil dort Videos gezeigt werden können. "Das iPhone hat leider derzeit noch die Flash-Funktion gesperrt, daher sind Videos im iPhone-Shop nicht möglich", so Kraus. "Ich erwarte aber, dass Apple dieses Manko behebt. Andere Smartphones sind da schon weiter."



Dieser Artikel ist in der ersten Ausgabe von Online-Handel 2010 erschienen.