Ein Thor-Steinar-Laden muss aus Magdeburgs Hundertwasserhaus ausziehen. Mit einem Trick hatte sich der Inhaber Zugang zum Center verschafft.

Nein, sagt Kathleen Schechowiak, Angst vor Rache habe sie nicht. Und die Erleichterung über dieses Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Naumburg ist ihr anzumerken: Der Laden mit Kleidung der Marke Thor Steinar muss aus dem Magdeburger Hundertwasserhaus "Grüne Zitadelle" ausziehen.

Kathleen Schechowiak ist Geschäftsführerin dieses multifunktionalen Gebäudes mit 23 Läden, Veranstaltungsräumen, Hotel und einem Kabarett und sagt im Gespräch mit Der Handel: "So einen Laden hat Magdeburg nicht verdient." Die Marke Thor Steinar des Anbieters Meditex (angesiedelt im Ortsteil Zeesen der Stadt Königs-Wusterhausen) ist äußerst beliebt bei Rechtsextremen.

"Wir sind belogen worden"

Kathleen Schechowiak beteuert, dass sie niemals den Einzug des Ladens in die "Grüne Zitadelle" zugestimmt hätte - wenn sie vorher gewusst hätte, was verkauft werden sollte. Doch der Inhaber Uwe Meusel habe ihr zuvor lediglich mitgeteilt, dass er ein Outdoor-Geschäft führen wolle. "Narvik" hatte er sein Geschäft genannt. "Wir sind belogen worden", sagt Kathleen Schechowiak.

Seit der Laden Ende Juli vergangenen Jahres eröffnet und das wirkliche Sortiment ersichtlich wurde, hatte Kathleen Schechowiak alle Hände voll zu tun, einen Imageschaden vom Center abzuwenden. Sie strengte eine Räumungsklage an, der das Landgericht Magdeburg am 13. Februar dieses Jahres stattgab. Dagegen ging der Mieter in Berufung - die das OLG Naumburg an diesem Dienstag zurückwies. Beide Parteien waren bei der Verkündung des Urteils nicht vertreten.

Laden wurde gut angenommen

Die Richter bestätigten die Position des Vermieters, der sich vom Ladenbetreiber arglistig getäuscht fühlt. Der Geschäftsmann hätte demnach auch ohne explizite Nachfrage mitteilen müssen, dass er Kleidung der umstrittenen Marke verkaufen wolle, sagte OLG-Sprecherin Katrin Wolter. Dazu sei er verpflichtet gewesen, "weil er wusste, dass in breiten Teilen der Bevölkerung diese Marke eher der rechten Szene zugeordnet wird", betonte Wolter zur Begründung.

Gegen die OLG-Entscheidung kann Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe eingelegt werden. Ob dies auch geschieht, ist unklar. Der Anwalt des Ladenbetreibers war am Dienstag nicht erreichbar.

Bis über eine Revision entschieden wird, vergehen gut vier Wochen - und solange kann Kathleen Schechowiak keinen neuen Ladenmieter in der "Grüne Zitadelle" aufnehmen. Sie berichtet, dass der Thor-Steinar-Laden gut angenommen worden sei: „Dort haben alte wie junge Leute gekauft, auch Anzugträger."

Viele rechte Übergriffe

Die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt Magdeburg ist mehrfach in die Negativschlagzeilen gekommen wegen rechtsradikaler Übergriffe. 1992 wurde der Punker Thorsten Lamprecht von Skinheads erschlagen, an Himmelfahrt zwei Jahre später waren Rechtsradikale prügelnd durch die Magdeburger Innenstadt gezogen. Im Januar 2007 sind ein israelischer und ein jemenitischer Student in der Straßenbahn Opfer einer fremdenfeindlichen Attacke geworden. Im Juli selben Jahres hatten Rechtsextreme fünf Russlanddeutsche überfallen.

Mit dem Verkauf von Thor-Steinar- Bekleidung beschäftigen sich zurzeit Gerichte in mehreren deutschen Städten. Am 13. November soll das Leipziger Landgericht entscheiden, ob in dieser Stadt ebenfalls eine Thor-Steinar-Laden geschlossen werden muss.

Steffen Gerth (mit Material von dpa)