Das Internet kann als Vertriebskanal die Umsätze der regionalen Händler ankurbeln oder als Marketingplattform viele kleine zusammen groß werden lassen. derhandel.de zeigt drei Beispiele.

Wofür Urlaubsreisen doch so alles gut sind: Als Ann Marisa Freese im August 2008 auf Rügen ihren Jahresurlaub verbrachte, lernte sie Sanddornsaft kennen und lieben. In ihrer Heimatstadt Berlin war ihr die lokale Köstlichkeit aber noch nie untergekommen.

"Wir fragten uns daher, wie Konsumenten solche regionalen Spezialitäten einfach bestellen können", erinnert sie sich. "Außerdem wollten wir gleichzeitig die kleinen Produzenten unterstützen." Die Idee zu Kisju.de war geboren: Der Onlinemarktplatz für "in Handarbeit nach Familienrezept hergestellte Delikatessen mit Tradition statt Massenproduktion".

Seit April 2009 bringen Ann Marisa Freese und Mirko Riedel Menschen lokale Produzenten und Spezialitäten auf der Onlineplattform zusammen. Auch Händler sind willkommen, wenn sie die Anforderungen der "Marktleitung" erfüllen: Sie müssen Wert auf Lebensmittel legen, die mit Sorgfalt und Liebe hergestellt werden.

Jeder Händler bekommt eigenen Webshop

Wer Waren über die Plattform anbieten möchte, bekommt nach der Anmeldung einen eigenen, individualisierbaren Onlineshop und die dazugehörige webbasierte Software zur Verwaltung von Shop und Produzentenprofil. Das Start-up wickelt als Dienstleister den Bestellprozess und Zahlvorgang ab, kümmert sich um die Optimierung in Suchmaschinen und wertet auch die Statistiken zur Absatzoptimierung aus.

Darüber hinaus hat Kisju.de mit einem Logistikdienstleister einen Rahmenvertrag geschlossen, der den vielen kleinen Unternehmen günstigere Konditionen anbietet.

Der Onlinekunde wiederum hat nur einen Ansprechpartner: Er legt die Waren der unterschiedlichen Anbieter in einen zentralen Warenkorb und zahlt die bestellten Artikel aus den verschiedenen Shops auch auf einmal. Alternativ kann er über die zentrale telefonische Bestellannahme ordern.

Mehr als 150 Manufakturen und Händler verkaufen inzwischen Waren von andalusischem Olivenöl bis Ziegenspezialitäten aus Boksee bei Kiel über das Portal. "Im Mai 2009 haben wir Kisju mit rund 40 Produzenten gelauncht. In nur einem Jahr hat sich Kisju zu einem Marktplatz mit mehr als 2.500 Produkten entwickelt", zieht die Jungunternehmerin Bilanz.

Online suchen, stationär kaufen

Online informieren, offline einkaufen: Das ist das Prinzip des Portals kaufDA.de, das im Dezember 2008 an den Start ging. Verbraucher finden dort digitalisierte Angebotsprospekte mit Sonderangeboten von Geschäften in ihrer Stadt. Dabei ortet die Internetseite beim Aufruf automatisch den Standort des Internetnutzers, der somit die aktuellen Sonderangeboten von Geschäften in seiner Umgebung angezeigt bekommt.

Entweder blättert der potenzielle Kunde in den Prospekten oder sucht nach bestimmten Produkten wie etwa Tomaten, Hochdruckreiniger oder Plasma-Fernseher. kaufDA.de listet dann per Klick die aktuellen Sonderangebote der örtlichen Einzelhändler wie Verbrauchermärkte, Textil- und Baumärkte oder Möbelhäuser auf.

75.000 Geschäfte zeigen ihre Angebote

"Wir sind das Eintrittstor für den Einzelhandel ins Web", wirbt Christian Gaiser, Mitgründer von kaufDA, für das Portal. "Unser lokaler Targeting-Algorithmus ermöglicht es, Angebote von Einzelhändlern bei Partnerseiten lokal auszusteuern. Dafür konnten wir schon reichweitenstarke Partner wie immobilenscout24.de, suchen.de, meinestadt.de und dastelefonbuch.de gewinnen."

Die Bilanz nach einem Jahr fällt entsprechend erfreulich für das Start-up aus: kaufDA rangierte mit 4,96 Millionen eindeutigen Besuchern im Monat zuletzt unter den 25 größten deutschen Internetseiten und ist eigenen Angaben zufolge in allen 17.000 Städten und Gemeinden Deutschlands mit Angeboten von 75.000 Geschäften vertreten.

Shopping- und Freizeit-Tipps für Frankfurter

Einkaufsstraßen sind ziemlich austauschbar: Große Filialisten, Caféketten und Warenhäuser beherrschen das Stadtbild. Doch fernab des Mainstream gibt es sie noch, die Einzelhandelsperlen. Um sie bekannter zu machen, haben Greta Becker und Rebekka Trabitzsch Ende vergangenen Jahres das Portal Mycitysecret.com gegründet.

"Unsere Idee war, dass sich besondere Geschäfte und Dienstleister in einer Stadt zusammenzuschließen und wir ihnen eine professionelle Vermarktungsunterstützung bieten", erläutert Greta Becker die Kombination aus Lifestyleportal und Marketinggemeinschaft.

"Durch den gemeinsamen Auftritt können auch kleine Händler und Dienstleister Marketingtools wie etwa Kundenbindungsprogramme oder aufwendigere Werbeaktivitäten nutzen, die sich sonst nur große Filialisten leisten können."

Seit dem Start des Portals am 1. Februar 2010 in Frankfurt am Main offenbaren sich den Onlinebesuchern echte Insider-Tipps rund um Shopping und Freizeit. Derzeit sind rund 40 Händler und Dienstleister gelistet. Der Kunde findet Tipps für Boutiquen mit Mode, die man nicht überall findet, Cafés, in denen der Kuchen noch selbstgebacken wird genauso wie Wellnessangebote und Ausgehtipps.

Die Hessenmetropole machte im Übrigen nur der Auftakt: Im Laufe des Jahres 2010 sollen weitere Städte wie Berlin, Hamburg und München hinzukommen.

Sybille Wilhelm

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1 /2010 von Online Handel erschienen.