Als wir dieser Tage eine Studie vorstellten, die aufdröselte, in welchem Umfang Online-Händler Kundendaten per Social Login via Facebook speichern, da meldete sich im Web hier und da "Herr Pawlow". "Mein Freundesliste wollen die Shops? Brrrr." So ähnlich klang das dann. Doch wenn der Deal stimmt, sind die Kunden durchaus bereit mehr Daten herauszurücken. Wenn es ausreichend Vorteile gibt, dann "verkauft" manch einer auch seine Freunde. Tendenz steigend.

Das jedenfalls will eine weltweite Retail-Studie von IBM mit 30.000 Verbrauchern herausgefunden haben. So verdoppelte sich alleine schon die Bereitschaft, über GPS den momentanen Standort mitzuteilen, im Jahresvergleich auf 36 Prozent. 38 Prozent würden außerdem ihre mobile Telefonnummer preisgeben, um Textbotschaften zu erhalten. 32 Prozent sind zudem bereit, ihre sozialen Gepflogenheiten im Netz zu offenbaren.

Da mag aber nicht nur der Blick auf Schnäppchen eine Rolle spielen, sondern auch ein Stück weit Gewohnheit oder schlicht Unwissenheit und Sorglosigkeit. "Ich habe die AGB gelesen" ist schließlich die am häufigsten angeklickte Lüge im Web.

Wirklich zunehmen wird die Akzeptanz aber erst, wenn Händler all die gesammelten (Social Media-)Daten nicht weiter in der Blackbox schlummern lassen, sondern daraus wirklich einmal relevante und personalisierte Angebote zimmern.

Tausche Informationen gegen Vorteile

“Der moderne Verbraucher wurde bereits von verschiedenen Branchen konditioniert – von Reiseanbietern bis zu Automobilherstellern – und erwartet heute personalisierte Interaktionen über unterschiedliche Vertriebskanäle hinweg“, sagt Bernhardt Orth, Leiter Smarter Commerce und Partner der Unternehmensberatung IBM Global Business Services. “Die Untersuchung der IBM bestätigt, dass Konsumenten darüber hinaus auch bereit sind, persönliche Informationen zur Verfügung zu stellen, wenn sie dafür im Gegenzug mit individuellen Vorteilen rechnen können“.

Anders gesagt: Wer an die Daten seiner Kunden will, der sollte klar machen wofür er welche Daten sammelt und welchen zusätzlichen Nutzen der Kunden (besserer Kundendienst, exklusive Angebote, etc) daraus ziehen kann. Sinnvoll könnte es auch sein, dem Kunden eine mehrstufige Auswahl in Sachen Daten-Transparenz anzubieten.  

Vorbild Netflix

Der Umgang mit den Datenmengen macht natürlich Mühe. Kaum einer hat übrigens die Gewohnheiten seiner Nutzer so radikal in subatomare Bestandteile zerlegt, wie der Videostreamingdienst Netflix. Der Anbieter extrahiert aus den Sehgewohnheiten der Zuschauer Vorlieben zu Genres, Schauspielern, Regisseuren, Adjektiven, sogar zu Filmgegenden und vieles mehr. Daraus bildet Netflix völlig neuartige Strukturen, Cluster und erstellt neue, fast schon surreal anmutende Sub-Genres -  für besser passende und individuelle Empfehlungen.

Allerdings sieht IBM das größte Problem weniger in der Sammlung, Konsolidierung und Auswertung der Daten, sondern vielmehr in der schnellen Reaktion auf ein bestimmtes Kundenverhalten. Denn Empfehlungen und personalisierte Angebote sind umso erfolgreicher, je punktgenauer und schneller sie den Adressaten erreichen, heißt es bei IBM, das mit seinem Cloud-Projekt Watson an der schnellen Umsetzung Daten-basierter Erkenntnisse mitverdienen will.

Gleichwohl sollte der Daten-Deal mit dem Kunden, gerade in Sachen Social Login, ein guter sein. Denn beispielsweise bei Facebook hinterlassen wir eine Unmenge an Spuren.

Das zeigt auf geradezu erschreckende Weise eine App, die Wirtschaftsinformatikstudenten der WU Wien entwickelt haben, wie Futurezone berichtet. Die „Facebook Privacy Awareness App“ zeigt an, was andere über einen herausfinden können und welche Daten Facebook sammelt, die man über das offizielle Download-Tool nicht zu sehen bekommt.

Wer die App nutzt (Danke an Nico für den Tipp), erlaubt ihr erst einmal Zugriff auf folgende Informationen: öffentliches Profil, Freundesliste, E-Mail-Adresse, benutzerdefinierte Freundeslisten, Nachrichten, Freundschaftsanfragen, Neuigkeiten, Beziehungen, sexuelle Ausrichtung, Geburtstag, Chat-Status, Notizen, bisherige Arbeitgeber, Statusmeldungen, Besuche, Ausbildung, Veranstaltungen, Gruppen, Heimatstadt, Interessen, aktueller Wohnort, Fotos, Fragen, religiöse Ansichten und politische Einstellung, Abonnements und Abonnenten, Videos, Webseite, persönliche Beschreibung, „Gefällt mir“-Angaben, Video-Aktivität, Musikaktivität, Neuigkeitenaktivitäten und Spielaktivität und die Beziehungen, sexuelle Ausrichtung, Geburtstage, Chat-Status, Notizen, bisherige Arbeitgeber, Statusmeldungen, Besuche, Ausbildung, Veranstaltungen, Gruppen, Heimatstädte, Interessen, aktuelle Wohnorte, Fotos, Fragen, religiöse Ansichten und politische Einstellung, Abonnements und Abonnenten, Videos, Webseiten, persönliche Beschreibungen, „Gefällt mir“-Angaben, Musikaktivität, Spielaktivität, Neuigkeitenaktivitäten, Video-Aktivität und Books-Aktivität deiner Freunde.

Was man halt bei Facebook so redet - samt privater Nachrichten
Was man halt bei Facebook so redet - samt privater Nachrichten

Ich gebs zu, ich habe auch nicht den ganzen Text gelesen, als ich die Erlaubnis erteilt habe. Das Ergebnis zeigt jedenfalls eine Fülle an Daten und weiteren kleinteiligen Informationen an. Bei etlichen fehlt mir da die Phantasie, was jemand damit anfangen will. Aber das Ganze ist ja bekanntlich mehr als die Summe seiner Teile.