Der Bio-Anbieter Alnatura wächst weiter und hat dabei das Vertrauen normaler und prominenter Kunden. Nur Ostdeutschland wird ausgespart.

Wenn Götz Rehn über sein Unternehmen spricht, haben seine Auftritte etwas Missionarisches. Der Chef von Altnatura möchte nicht als eiskalter Geschäftsmann gelten, sondern vielmehr als Verfechter der These, dass das Wirtschaften dem Menschen dienen soll.

"Näher am Kunden" soll Alnatura sein, sagt Rehn, und glaubt sein Unternehmen deswegen besser gewappnet gegen die Auswirkungen der Finanzkrise. "Bio wächst weiter", betont er - meint aber das "wahre" Bio, mit Nachhaltigkeit bei Herstellung, Vertrieb und Handel.

Wer so spricht, dem muss es gut gehen. Und Alnatura geht es prächtig: Der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/2008 betrug 304 Millionen Euro, das ist ein Zuwachs von 24 Prozent. Selbst flächenbereinigt bleibt noch ein "knapp zweistelliges" Umsatzplus, wie es Rehn an diesem Mittwoch in Frankfurt formulierte.

Acht bis 12 neue Märkte im Jahr 2009

Damit wuchs das Bickenbacher Produzent und Händler von Biowaren wieder stärker als der deutsche Markt. Im Jahr 2007 betrug die Steigerungsrate auf dem Biomarkt-zwischen 15 und 18 Prozent. Auf 5,8 Milliarden Euro wird das Volumen des Biolebensmittelmarkts im Jahr 2008 geschätzt - das wäre gegenüber 2007 eine Steigerung um 9 Prozent. Der Gesamt-Lebensmittelmarkt erwirtschaftete im vergangenen Jahr 168 Milliarden Euro. Im damaligen

Rehn sieht kein Ende des Alnatura-Wachstums. "Wir erwarten auch für das aktuelle
Geschäftsjahr ein zweistelliges Umsatzwachstum." Zehn neue eigene Märkte hat er 2008 eröffnet, 44 Geschäfte gibt es jetzt, Ende dieses Jahres soll dann in München der fünfundvierzigste Markt folgen.

Diesen Expansionskurs will Alnatura beibehalten, kündigt Rehn an. Nächstes Jahr, wenn das Unternehmen 25 Jahre alt wird, sollen acht bis 12 neue Märkte hinzukommen. Rund 90 neue Produkte erweitern seit diesem Jahr das Sortiment. Zudem will Alnatura über einen Fonds insgesamt 100.000 Euro bereitstellen, um mehr Bauern für Bio-Landwirtschaft zu begeistern.

Handelspartnerschaften als Umsatzgarant

Allerdings verdient Alnatura sein Geld nicht allein mit den eigenen Geschäften - deren Anteil am Gesamtumsatz "nähert sich langsam der 50-Prozent-Grenze", wie es der Chef formuliert. Das Unternehmen profitiert vor allem von den Vertriebspartnerschaften mit sechs Handelsketten (unter anderem Tegut, dm und Globus), die zusammen 2.600 Filialen haben. Weitere Partnerschaften sollen allerdings nicht dazukommen, sagt Rehn.

Bei der Unternehmensexpansion spielt Ostdeutschland weiterhin keine Rolle. Bisher gibt es in den neuen Bundesländern keinen Alnatura-Markt, angeblich wegen unzureichender Vertriebsstrukturen. Auch der Gang ins Ausland steht nicht an. "Internationalisierung ist nicht unsere Aufgabe", versichert Rehn.

Keine Angst vor niemandem

Es wirkt, als ob Alnatura keinen Konkurrenten fürchtet - zumindest aus der Biobranche. Angesprochen auf das erst in diesem Sommer eröffnete Biokaufhaus in Mannheim (3.000 Quadratmeter), zeigte sich Rehn skeptisch, ob dieser Mitbewerber noch eine große Zukunft habe. "Es gibt entsprechende Hinweise, dass man dort den Rückzug wagt."

Allenfalls der LPG-Biomarkt in Berlin (vier große Läden) nötigt Rehn Respekt ab. Wohl deshalb will er bald in der Hauptstadt ebenfalls sein viertes Geschäft eröffnen.

Alnatura hat etwas geschafft, wovon viele Konkurrenten träumen. Gute Geschäfte machen, und das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Die Düsseldorfer Beratungsagentur Touchpoint hatte in diesem Jahr unter der neuen Zielgruppe Lohas ermittelt, welches Unternehmen für sie am meisten für Nachhaltigkeit stehe: Alnatura kam auf Platz eins, immerhin folgte mit Edeka ein weiterer Lebensmittelhändler auf Rang zwei.

Diesen Spitzenplatz hat sich das Bickenbacher Unternehmen hart verdient mit dem Kampf gegen Gentechnik, Unterstützung des World Wildlife Founds (WWF) und dem Engagement für artgerechte Bienenhaltung.

Von Nena bis Madonna

Daher ist Einkaufen bei Alnatura schick und sorgt für ein gutes Gewissen, auch bei Prominenten. Mit Genuss präsentierte Götz Rehn, welche Größen sich zu seinen Läden bekennen würden: Die Fußballspielerin Birgit Prinz, die Sängerin Nena und der ehemalige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert. Als der amerikanische Popstar Madonna einmal durch Deutschland tourte, wurden von ihrem Management Lebensmittel von Alnatura bestellt.