Nach Monaten des Abschwungs ist bei den deutschen Unternehmen Optimismus auszumachen. Das Stimmungsbarometer des Münchner ifo Instituts steigt.

Während die aktuelle Geschäftslage nach wie vor düster aussieht, besserten sich zumindest die Erwartungen für die kommenden Monate wieder etwas. Impulse erhofft sich die Wirtschaft vor allem von den weltweit von vielen Staaten auf den Weg gebrachten Konjunkturprogrammen.

In Deutschland segnete das Bundeskabinett am Dienstag das größte Konjunkturpaket seit Bestehen der Bundesrepublik mit einem Volumen von rund 50 Milliarden Euro ab.

Lob für staatliche Finanzhilfen

Kernstück des deutschen Programms sind Investitionen in Bildung, Straßen und Schienen. Zugleich werden Bürger und Unternehmen bei Steuern und Abgaben entlastet. Teil des Pakets ist auch die Abwrackprämie in Höhe von 2.500 Euro, mit der der zuletzt drastisch eingebrochene Absatz der Autobauer wieder angekurbelt werden soll.

Wegen der Konjunkturhilfen und der Wirtschaftskrise muss der Bund aber deutlich mehr neue Schulden machen, erwartet wird für dieses Jahr ein Rekord-Niveau von bis zu 50 Milliarden Euro. Vom ifo Institut kam aber Lob für die staatlichen Finanzspritzen.

Auch der Einzelhandel gibt Anlass zur Hoffnung

Trotz der teils sehr hohen Neuverschuldung vieler Staaten seien die Konjunkturprogramme alternativlos, da die Krise der vergangenen Monate alles bisher Dagewesene in den Schatten gestellt habe, sagte ifo-Bereichsleiter Gernot Nerb am Dienstag. Insbesondere die Bauwirtschaft sei zuversichtlich, von den staatlichen Konjunkturpaketen profitieren zu können. "Außerdem gibt es die Hoffnung, dass der Konsum besser läuft. Das wird durch die Daten aus dem Einzelhandel bestätigt."

"Da sind die Erwartungen auch nicht mehr so ungünstig wie vorher. Und so sieht man das auch generell, schließlich haben nicht nur Deutschland, sondern auch andere Länder Konjunkturpakete aufgelegt." Dies berge auch Chancen für das Auslandsgeschäft der deutschen Unternehmen. "Da sollte auch für den deutschen Export etwas abfallen."

Auch die Geschäftserwartungen steigen

Der ifo-Geschäftsklimaindex war im Januar nach sieben Monaten des Abschwungs überraschend leicht von 82,7 Punkten im Vormonat auf 83,0 Punkte gestiegen. Analysten hatten mit einem weiteren Rückgang auf 81,0 Punkte gerechnet.

Auch der Index für die Geschäftserwartungen kletterte - von 76,9 auf 79,4 Punkte. Die Beurteilung der aktuellen Lage trübte sich von 88,8 Punkten im Dezember auf 86,8 Punkte ein. Der ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7.000 Unternehmen ermittelt.

Gebremster Optimismus

ifo-Präsident Hans-Werner Sinn warnte dennoch vor zu großem Optimismus. "Eine konjunkturelle Wende kann man hieraus nicht ablesen", hieß es in der Mitteilung des Instituts. In der Industrie bleibe die Stimmung unter dem Strich trotz der etwas besseren Aussichten schlecht.

Vor allem im Exportgeschäft rechneten die befragten Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit einer anhaltenden Abwärtstendenz. Geräte und Maschinen seien erheblich weniger ausgelastet als noch im vergangenen Herbst, viele Firmen planten den Abbau von Personal.

"Lichtblicke am Konjunkturhimmel"

Allerdings verbreitete auch der Bundesverband Deutscher Banken am Dienstag vorsichtige Zuversicht. Gesunkene Rohstoffpreise und die weltweite Niedrigzinspolitik sorgten neben dem zweiten Konjunkturpaket "für Lichtblicke am sonst trüben Konjunkturhimmel", schrieb der Verband am Dienstag in seinem aktuellen Konjunkturbericht.

Die deutsche Wirtschaftskraft werde dadurch nachhaltig gesichert, auch wenn in diesem Jahr mit einer Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts um 2,25 Prozent zu rechnen sei.

Solider Einzelhandel

Solide sah es im Einzelhandel aus. Hier bewerteten die Firmen sowohl ihre augenblickliche Lage als auch ihre Aussichten besser als noch im Vormonat. Im Großhandel und Bauhauptgewerbe hellten sich die Erwartungen für das kommende halbe Jahr ebenfalls auf.

Auch im Dienstleistungssektor nahm der Pessimismus trotz schlechterer Geschäftslage etwas ab. Laut ifo Institut planen die Unternehmen hier, weniger Stellen abzubauen als noch vor einem Monat.