Seitdem es Quelle nicht mehr gibt, steht auch das Versandzentrum leer. Nun hat der Centerspezialist Sonae Sierra das gewaltige Gebäude im Nürnberger Westen erworben und verfolgt ein ambitioniertes Bauprojekt.

Das Gebäude ist ein Monument für deutsche Wirtschaftskraft. Das Quelle-Versandzentrum, unmittelbar auf der Grenze zwischen Fürth und Nürnberg gelegen, stand für die einstige Größe des Versandhauses. Quelle existiert nicht mehr, seit der Pleite 2009 steht das mächtige Backsteingebäude leer. Immer wieder gab es Anläufe für eine Umnutzung. Nun soll es den großen Neustart geben.

Der portugiesische Investor Sonae Sierra erwarb am Dienstag Deutschlands zweitgrößte leerstehende Immobilie nach dem Flughafen Berlin-Tempelhof für 16,8 Millionen Euro. Der Shopping-Center- Spezialist war bei der Zwangsversteigerung der einzige Bieter. Sonae Sierra ist Eigentümer von 46 Einkaufszentren weltweit, in Deutschland gehören das Alexa in Berlin, das Loop5 bei Darmstadt und das Hofgarten in Solingen zum Bestand.

Wegen des erwarteten großen Interesses hatte das Amtsgericht Nürnberg die Auktion des 6,8 Hektar großen Areals im Westen Nürnbergs in das frühere Kasino des Quelle-Baus verlegt. Es war einst von dem Bauhaus-Architekten Ernst Neufert entworfen worden.

Der Deutschland-Chef von Sonae Sierra, Thomas Binder, sprach nach der erfolgreichen Ersteigerung von einem "Meilenstein" für sein Unternehmen. Wegen seiner Größe und seiner überregionalen Ausstrahlung halte er das Quelle-Gelände für ausgesprochen attraktiv.

Flächen für Handel und Start ups

Die Sonae Sierra-Tochter Sierra Project Nürnberg, die bei der Versteigerung offiziell als Käufer auftrat, plant in dem 250.000 Quadratmeter großen Versandzentrum einen Mix aus Handel, Büros und Wohnungen. Dabei sollen rund 300 Millionen Euro investiert werden. Für den Handel plant Sonae Sierra rund 50.000 Quadratmeter Fläche, etwa 30.000 Quadratmeter sind überdies für Start ups vorgesehen. Die Baumaßnamen sollen 2016 beginnen und zwei bis drei Jahre andauern.

Das Versandzentrum hat eine besondere Architektur, die den Umbau erschweren. Die Böden waren massiv und extrem dick, um die tonnenschweren Versandmaschinen auszuhalten. Zu dem Gebäudekomplex gehört auch der legendäre unter Denkmalschutz stehende Quelle-Turm. Diesen will Sonae Sierra in die Neugestaltung des Areals mit einbeziehen.

Im Verein "Quelle-Kollektiv" zusammengeschlossene Künstler, die Teile des Baus nutzten, zeigten sich enttäuscht. Sie rechnen nun mit einer Kündigung, nach der Versteigerung wurde zu einer improvisierten Trauerfeier vor dem Quelle-Bau eingeladen. Sprecher Hannes Hümmer sagte, der Verkauf an Sonae Sierra sei keine große Überraschung.