Nun ist die SUV-Welle auch ins Angebotsprogramm der Volkswagen-Tochter Seat geschwappt. Die Händler können sich ganz offensichtlich auf rege Kundenanfragen freuen.

Jetzt hat auch Seat endlich einen SUV. Mit sprichwörtlichem Stolz präsentieren die Spanier in diesen Tagen den Ateca als mediterran angehauchten Bruder des Branchenprimus VW Tiguan. Damit nun auch das einstige Sorgenkind des Autoimperiums mühelos durch unwegsames Terrain gelangt, half ganz offensichtlich der halbe Konzern mit. Die Wolfsburger Kernmarke spendierte die technischen Gene und die Schwestermarke Skoda fertigt den Wagen im ostböhmischen Kvasiny.

Konzipiert worden sei der Ateca aber von Seat, unterstreicht der italienische Unternehmenschef Luca de Meo. Bei Gestaltung, Material- und Motorenauswahl haben die Entwickler aus Martorell vor den Toren Barcelonas dabei offensichtlich ganz auf das Erfolgskonzept ihres Kompaktwagens Leon gesetzt.

Großer Navibildschirm, viele Ablagen

Dem zackigen Blechkleid steht auch in der neuen Baureihe ein eher braves Interieur gegenüber, an dem formal freilich nichts auszusetzen ist. Alle Bedienhebel und -schalter finden sich am rechten Ort, der Navigationsbildschirm erfreut den Nutzer mit beachtlicher Größe und an Ablagemöglichkeiten für die Kleinutensilien des Berufsalltags herrscht auch kein Mangel.

Reichlich Stauraum (510 bis 1604 Liter) bietet das Gepäckabteil und trotz der kompakten Abmessungen von 4,36 Meter finden selbst die Mitreisenden auf der Rückbank ein kommodes Plätzchen.

110 kW/150 PS-Diesel für Vielfahrer erste Wahl

Für Vielfahrer bietet sich der im Konzernverbund allenthalben eingesetzte 2,0 Liter-Diesel mit 110 kW/150 PS an. Der steht mit Frontantrieb ab 27.560 in der Preisliste. Eiligere Dienstwagenberechtigte mit etwas mehr finanziellem Spielraum können noch zur stärkeren Variante mit 140 kW/190 PS greifen. Der Listenpreis steigt dabei aber gleich auf mindestens 35.580 Euro, weil Allradantrieb, Doppelkupplungsgetriebe (DSG) und die höchste Ausstattungsstufe "Xcellence" beim Topmodell inklusive sind.

Ab Ende des Jahres steht auch der neue Dreizylinder-Benziner mit 85 kW/115 PS zur Verfügung, der schon im Audi A3 eine gute Figur macht und derzeit im Markenverbund ausgerollt wird. Dann beginnt die Preisrange tatsächlich bereits bei 19.990 Euro, was freilich jetzt schon propagiert wird. Zudem folgt unter anderem ein 1,6-Liter-Diesel (85 kW/115 PS; ab 23.190 Euro).

Viele technische Zutaten

Auch bei den technischen Zutaten durfte sich Seat aus dem üppig bestückten Konzernregal bedienen: Der Allradantrieb mit wählbaren Fahrmodi für unterschiedliche Untergründe und Bergabfahrkontrolle aus dem Tiguan, das bewährte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, elektrische Handbremse, durch einen Fußschwenk öffnende Heckklappe, Einparkhilfe oder die serienmäßige Fußgängererkennung – das Angebot ist vielfältig und lässt kaum Wünsche offen.

Einmal auf den Geschmack gekommen, kündigt Luca de Meo, der den Seat-Chefposten im Zuge der durch den Dieselskandal ausgelösten Personalrochade im vergangenen November übernahm, für das nächste Jahr gleich noch einen weiteren, kleineren Wagen in Outdoor-Optik an. Die Nachfrage nach Fahrzeugen dieser Gattung scheint schließlich ungebremst. Allein in Deutschland lägen für den Ateca bereits 5000 Bestellungen vor, obwohl noch kein Kunde das Auto beim Händler gesehen, geschweige denn gefahren hat. Wer zum Verkaufsstart am 2. Juli ordert, muss damit rechnen, dass er sein neues Gefährt bestenfalls zum Jahresende in Empfang nehmen kann.

"Urbaner Geländewagen" – ein Widerspruch in sich

Welch kuriose Blüten der Hype um SUV mittlerweile treibt, war anlässlich der internationalen Pressepräsentation im Herzen von Barcelona, der Heimatstadt der spanischen VW-Tochter, zu bestaunen: Um den Charakter als "urbanen Geländewagen", ein Widerspruch in sich, zu betonen, hatten die ambitionierten Iberer am Hafen der pulsierenden Metropole eigens einen Parcours mit Rampen und steilen Passagen aufgebaut. Die Journalisten erlebten, was das Auto in freier Wildbahn so alles könnte, wenn der Fahrer denn einmal durch die ungezähmte Natur pflügen dürfte – und die vorbeiströmenden Touristenscharen genossen die automobile Attraktion.

Bernd Nusser