Die wirtschaftliche Lage in Spanien scheint sich zu verbessern. Denn die Menge zahlungsunfähiger Unternehmen soll deutlich abnehmen, sagt der Warenkreditversicherer Euler Hermes vorher. Auch die Zahl deutscher Pleiten sinkt.

An diesem Donnerstag beginnt in Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft. Titelverteidiger ist Spanien. Das Land ist aber noch auf einem anderen Gebiet führend auf der Welt: beim Rückgang von Firmeninsolvenzen. Denn offenbar erholt sich dort die Wirtschaft. 2013 gab es in Spanien noch 8.691 Insolvenzen - in diesem Jahr sollen es 23 Prozent weniger sein, prognostiziert der Warenkreditversicherer Euler Hermes und stützt sich dabei auf umfangreiche Markt- und Wirtschaftsdaten des Landes.

Auf Platz zwei folgen die Niederlande mit einem prognostizierten Rückgang von 15 Prozent (Vorjahr: 9.456 Insolvenzen), vor Irland mit minus 13 Prozent (1.365) und Portugal mit minus 12 Prozent (6.030).

Handel zählt zu den Problembranchen

In Deutschland waren 2013 laut Euler Hermes 25.995 Unternehmen zahlungsunfähig, im Einzelhandel ist die Baumarktkette Praktiker ein prominentes Beispiel. 2014 sollen es 6 Prozent weniger sein. "In Deutschland bleiben vor allem die Energie- und Metallbranche risikoreich", sagt Thomas Krings, Risikovorstand bei Euler Hermes. "Auch das Baugewerbe, die Hotel- und die Transportbranche, der Handel sowie das produzierende Gewerbe verzeichnen weiterhin absolut eine hohe Anzahl an Unternehmensinsolvenzen - auch wenn diese sowohl im vergangenen Jahr als auch 2014 insgesamt rückläufig sind."

Zudem würden die rückläufigen Exportpreise die deutschen Exportaktivitäten belasten, ebenso wie die geringe Inflation, der starke Euro und die zunehmende Konkurrenz durch amerikanische und vor allem auch japanische Unternehmen.

Frankreich steht "absolut" ganz schlecht da

Der Blick auf die absoluten Zahlen ist interessant. Denn nicht nur im Vergleich zu Spanien ist die Zahl der Insolvenzen in Frankreich verheerend. Im vergangenen Jahr meldeten dort 62.716 Unternehmen Zahlungsunfähigkeit an - kein anderes europäisches Land steht hier so schlecht da. Und die Lage bleibt offenbar angespannt, denn für 2014 prognostiziert Euler Hermes einen Rückgang von gerade einmal 1 Prozent. Großbritannien und Deutschland halten sich etwa die Waage; 2013 gingen 25.721 britische Firmen pleite. In diesem Jahr sollen es 7 Prozent weniger sein.

Schlechter sieht es in Europa für Italien aus, wo ein Anstieg um 3 Prozent erwartet wird (Vorjahr: 14.086). Auch für Belgien prognostiziert Euler Hermes diesen Wert - dort gab es 2013 genau 11.740 Insolvenzen.

Brasiliens Binnennachfrage ist schwach

Die wirtschaftliche Lage von WM-Gastgeberland Brasilien dokumentiert auch die Prognose für die Zahl an Insolvenzen. Demnach sollen es in diesem Jahr 9 Prozent mehr sein als 2013, als 1.680 Unternehmen aufgaben. Für das größte südamerikanische Land werden für dieses Jahr nur 2 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet, die Konsumentenpreise dagegen sollen um 6 Prozent steigen.

Die daraus resultierende schwächere Binnennachfrage mache laut Euler Hermes den Unternehmen ebenso zu schaffen wie fehlende Investitionen und eine strengere Geldpolitik: Die Zentralbank hat den Leitzinssatz in den vergangenen zwölf Monaten massiv auf 11 Prozent im April 2014  angehoben. Dies führt zu einem enormen Zinssatz von durchschnittlich 30 Prozent für Privatkredite.

Auch in den Vereinigten Staaten steht es nicht gut: Demnach werden in diesem Jahr 10 Prozent mehr Firmenaufgaben erwartet, 2013 waren es 33.122.