Die Kartenorganisation Visa verzeichnete im Jahr 2009 europaweit steigende Transaktionszahlen. Allerdings legten nur bei den Debitkarten auch die Umsätze zu. Die Ursache für das spanische Datenleck bleibt rätselhaft.

"Der Betrug ist gestoppt, die Ursache für das Datenleck in Spanien suchen wir aber nach wie vor und die Untersuchungen können noch Monate andauern", erklärte Steve Perry, Commercial Director von Visa Europe, auf einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag in Frankfurt am Main. Mitte November 2009 hatte eine Sicherheitslücke bei einem spanischen Kreditkartenabwickler zum Rückruf von mehreren hunderttausend Kreditkarten durch deutsche Banken geführt.

Perry ließ auf Nachfrage offen, ob Visa die Rückrufaktionen der deutschen Kreditwirtschaft für angemessen hielt. Er betonte jedoch, dass es vor der Warnmeldung der Kartenorganisationen nur zu vereinzelten Betrugsfällen gekommen sei, von denen "zu mehr als 99 Prozent nur spanische Banken betroffen waren".

Chip und Pin sollen Sicherheit bringen

"Die Lehre aus dem spanischen Datenleck lautet: Sicherheit gibt es nur mit Chip und PIN", sagte Perry. Die spanischen Banken würden die Ausgabe von Kreditkarten mit dem EMV-Sicherheitschips nach dem Vorfall nun deutlich forcieren. Im Gegensatz zum Magnetstreifen lässt sich der Chip von Fälschern nicht so einfach kopieren. "Die Betrugsraten in allen Ländern, die auf die Chip- und PIN-Technologie umgerüstet haben, sinken deutlich", erläuterte der Visa-Manager.

Europaweit entfallen bei Visa-Karten von 100 Euro Umsatz durchschnittlich rund 6 Cent auf betrügerische Transaktionen. "Unsere erste Priorität ist es, diese Quote weiter zu reduzieren", erklärte Perry. 168 Millionen Euro habe Visa dazu im vergangenen Jahr in die Chip- und PIN-Technologie in Europa investiert.

Darüber hinaus plant Visa ab dem zweiten Quartal 2010 Kartentinhabern Transaktionsbestätigungen per SMS-Benachrichtigung anzubieten. Mit Hilfe von "Visa Alert" soll Kreditkartenmissbrauch schneller entdeckt und damit uninteressant werden.

Traurige Bilanz für Deutschland

"Deutschland ist bei den Betrugsländern Europas leider in die Top Fünf vorgerutscht", kritisierte Chef Ottmar Bloching mit Blick auf die Verbreitung des EMV-Sicherheitsstandards in Deutschland. Der Visa Deutschland-Chef bemängelte insbesondere die fehlende Infrastruktur für EMV-Terminals im Einzelhandel.

"Wir schätzen, dass bis dato lediglich zwischen 10 und 30 Prozent der Kartenterminals im Handel den Chip verarbeiten können und hoffen, dass zum Ende des dritten Quartals eine flächendeckende EMV-Fähigkeit vom Handel und den Netzbetreibern gewährleistet wird", so Bloching.

Zu wenig EMV-fähig Terminals in Deutschland

Die EMV-Terminals sorgten nach dem Jahreswechsel im Einzelhandel für Aufsehen. Die vorgeschriebene Terminalsoftware der neusten Generation führte im Zusammenspiel mit defekten EMV-Chips auf rund 30 Millionen deutschen Debit- und Kreditkarten zu Zahlungsstörungen. Ältere Softwareversionen arbeiteten hingegen störungsfrei, da sie den Magnetstreifen der Problem-Karten auslesen konnten.

Visa war in Bezug auf die V-Pay-Debitkarten, die seit November vorigen Jahres ausgegeben werden, nicht vom 2010-Bug betroffen. Die rund zwei Millionen bereits emittierten V-Pay-Karten arbeiten mit dem "Seccos 6"-Chip, der keinen Programmierfehler aufweist. Von den 11,9 Millionen Visa-Kreditkarten in Deutschland sind laut Bloching hingegen rund 8 Prozent mit dem defekten Gemalto-Chip ausgestattet. Lösungen für diese Karten, die immer noch nicht an Geldautomaten und POS-Terminals einsetzbar sind, diskutiere man mit den Mitgliedsbanken und dem Zentralen Kreditausschuss (ZKA).

Rund 10 Millionen V-Pay-Karten bis Ende 2010

Bis Ende dieses Jahres sollen in Deutschland zwischen 9,5 und 10 Millionen V-Pay-Karten ausgeben werden. Insgesamt gibt es laut Bloching Zusagen aus den Reihen der Mitgliederbanken für 22 Millionen V-Pay-Karten, mit denen die europäische Bankenorganisation Visa dem Debitverfahren Maestro des börsennotierten, amerikanischen Kreditkartenunternehmens Mastercard Konkurrenz machen will.

Mit den 11,9 Millionen deutschen Visa-Kreditkarten wurden im vergangenen Geschäftsjahr rund 19,2 Milliarden Euro an deutschen und ausländischen POS-Terminals umgesetzt (Stichtag: 30. September 2009). Das bedeutet ein Minus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, was sich laut Bloching insbesondere durch den Verlust des Miles&More-Kreditkartenportfolios an Mastercard erklärt. Der Umsatz in Deutschland wurde von Mitgliederorganisation erstmals bekannt gegeben, bislang veröffentlichen die großen Kreditorganisationen keine Zahlen für einzelne Länder.

Debitkarten und Transaktionszahlen legen zu

Europaweit stiegen die Ausgaben mit Visa Karten insgesamt um 3,7 Prozent auf 856 Milliarden im vergangenen Geschäftsjahr. 596,4 Milliarden Euro entfielen davon auf Debitkarten (plus 6,3 Prozent), 203 Milliarden Euro auf Kreditkarten (minus 1,4 Prozent) und 56,4 Milliarden auf sogenannte Commercial Cards (minus 3,4 Prozent).

Die Anzahl der von Visa Europe verarbeiteten Transaktionen erhöhte sich um 11,3 Prozent auf 7,2 Milliarden. Der durchschnittliche Wert einer Kartentransaktion sank auf 50 Euro (minus 4,1 Prozent). "Vom Gesamtumsatz einer Kreditkarte werden rund 20 Prozent mittlerweile im Internet ausgegeben", berichtete Bloching.

Neue Akzeptanzstellen im deuschen Handel

In Deutschland konnte Visa in 2009 überdies eine Reihe von Händlern für die Kreditkartenakzeptanz hinzugewinnen: Edeka Südwest, Kaiser´s Tengelmann, EP Partner mit Medi Max, Promarkt, Hugendubel, gehören hierzu wie 10.800 kleinere Händler.