Eine Handelsgenossenschaft macht vor, wie Unternehmen die vorhandene Telefonanlage auf das Internet umstellen ­und damit kräftig sparen können.

Sorgsamer Umgang mit den Einlagen der Mitglieder gehört für Adrian Steiner zum Geschäftsprinzip. Er ist Geschäftsführer der Raiffeisen Kinzigtal eG, einer Genossenschaft mit sieben Einkaufsmärkten im Schwarzwälder Kinzigtal und Umgebung. Mit einem breiten Angebot an Lebensmitteln, Berufs- und Freizeitkleidung, Gartenpflanzen und weiteren Gütern kann sich das 1935 gegründete Unternehmen gegen die harte Konkurrenz im Einzelhandel behaupten.

Jetzt hat der Raiffeisen-Geschäftsführer eine neue Sparquelle erschlossen: In der Zentrale in Wolfach und an sechs weiteren Stand­orten wurde die vorhandene Telefonanlage auf Internettechnik umgestellt. „Damit sparen wir im Jahr rund 3.600 Euro", berichtet der Geschäftsführer. Angesichts der knappen Gewinnmargen im Handel eine bemerkenswerte Summe.

Besonders praktisch: Die vorhandene ISDN-Telefonanlage der Marke Avaya in der Zentrale und die Telefone in den einzelnen Märkten werden wie bislang genutzt. Den insgesamt 66 Mitarbeitern stehen damit an den sieben Standorten die gewohnten Funktionen wie Rufumleitung, Vermitteln oder Anruf­beantworter zur Verfügung. Auch Faxen ist wie bisher möglich.

Schlüsselwort VoIP

Die Idee, via Internet statt über normale Telefonleitung zu telefonieren, kam von IT-Dienstleister Data Media Service (DMS) aus Berghaupten. Reiner Armbruster, für die Technik zuständig, hatte Raiffeisen-Geschäftsführer Steiner auf die Technik „Voice over Internet Protocol", kurz VoIP, hingewiesen.

Die vorhandene Telefonanlage wurde lediglich durch ein Zusatzgerät ergänzt. Dabei handelt es sich um die handbuchgroße Box AVM VoIP Gateway 5188, die auf maximal vier interne und vier externe Anschlüsse ausgelegt ist. Die Gespräche können parallel an allen Apparaten ohne Kapazitätsprobleme geführt werden.

Weil Raiffeisen Kinzigtal alle sieben Standorte auf VoIP umstellt, wurden in den Filialen insgesamt sieben VoIP-Geräte installiert - Preis pro Stück rund 420 Euro - und vernetzt.

DSL-Verfügbarkeit als Stolperstein

Als echtes Hindernis entpuppte sich die Verfügbarkeit von DSL an einigen Standorten. „An kleinen Orten wie Schapbach und Zell am Harmersbach mussten wir bei der Deutschen Telekom mächtig Druck machen, damit dort DSL eingerichtet wurde", berichtet Reiner Armbruster. Mit Raiffeisen Kinzigtal im Rücken gelang es.
Getrennte Daten

Technisch gesehen unterstützt das VoIP-Gateway alle ISDN-TK-Anlagen, die - wie meist üblich - mit Euro-ISDN (DSS1) arbeiten. Mit der Umstellung auf Internettelefonie hat Raiffeisen Kinzigtal zugleich auch eine neue Geschäftssoftware installiert und dazu den Datenverkehr neu organisiert.

Vernetzte Kassen

Alle Kassen und PCs in den sieben Märkten sind über ein VPN-Netzwerk (Virtual Private Network) mit dem zentralen Rechner in Wolfach via Internet verbunden. Die Computerdaten werden dabei verschlüsselt und durch weitere Schutzmaßnahmen übertragen.

Zusätzliche Sicherheit verschafft die technische Trennung der Internettelefonie von der VPN-Übertragung durch ein zweites Gateway. Armbruster begründet das so: „Der Datenverkehr über VPN hat Vorrang, weil darüber die einzelnen Filialen mit den Kassen angeschlossen sind. Wenn es ausfällt, kann in den einzelnen Filialen nicht gearbeitet werden,  weil die Kassen ausfallen."

Der Raiffeisen-Kinzigtal-Geschäftsführer und seine Mitarbeiter sind mit der neuen Internettelefonie hochzufrieden: „Alles funktioniert problemlos und die Telefonkosten werden um 45 Prozent gesenkt", sagt Steiner.

Manfred Buchner

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 4/2009 von Der Handel erschienen.