Nachhaltigkeit ist bei Spielwaren im Trend, will die Spielwarenmesse vermitteln - doch was ist das genau? Unser Reporter ging in den Nürnberger Messehallen auf Trendsuche .

Nachhaltigkeit lässt sich auf viele Arten dokumentieren. Bei Idee+Spiel, beispielsweise, mit gutem Essen, das viele Menschen satt macht. Händler, die auf dem Messestand bei der Verbundgruppe für Spielwarenhandel Waren für mindestens 3.000 Euro ordern, werden mit einem sechs Kilogramm schweren Serranoschinken belohnt.

Zur Motivation wurde ein Ansichtsexemplar einer solch prächtigen Keule in einem Bestellraum der Hildesheimer Kooperation aufgestellt - und hat die gewünschte Wirkung nicht verfehlt.

Manch Händler hat schnell noch zwei, drei Bestellungen mehr aufgegeben, um den magischen Betrag zu erreichen, um dann spätestens im April einen Schinken geliefert zu bekommen.

Der Verbraucher hat nur diffuse Vorstellungen

Diese Art von Nachhaltigkeit ist sicherlich nicht so von den Organisatoren der 62. Nürnberger Spielwarenmesse gemeint, auf der das Modethema der Gegenwart als Leitmotto ausgelobt wurde.

Wer durch die Hallen spaziert, vorbei an Modellbaupanzern mit Wehrmachtsoptik, aufblasbare Hüpfburgen und Spielzeugrobotern, der spürt nicht viel von Nachhaltigkeit und von dem ökologischen Bewusstsein, das Messechef Ernst Kick bei der Eröffnungsgala am Mittwochabend beschwor.

Die Spielwarenmesse hat eine Studie in Auftrag gegeben mit dem Ergebnis, dass die Verbraucher bereit sind, zehn Prozent mehr Geld auszugeben, wenn das Spielzeug nachhaltig ist.

Doch selbst die Autorin der Studie, die Erlanger Marketingprofessorin Nicole Koschate, gibt zu, "dass die Konsumenten und Händler noch kein umfassendes Verständis von Nachhaltigkeit haben". Betrifft es Materialien aus ökologischem Anbau? Umweltschonende Verpackung? Oder pädagogischer Wert des Spielgeräts?

Holz bleibt beliebt

Viel Konfusion. Stimmiger ist das wohl eher, wenn der Handel erst einmal darauf achtet, unter welchen Bedingungen heutzutage in China Puppen und Teddybären hergestellt werden.

Dass aber auch "gutes" Spielzeug ohne bemühte Slogans bei den Verbrauchern nach wie vor ankommt, beweist ein Blick in die Bestelllisten von Idee+Spiel. Klassisches Holzspielzeug sei am ersten Messetag von den Händlern gut geordert worden, sagt Unternehmenssprecherin Nicola Dubacher zu derhandel.de 

Und einige Spielzeuge davon eigenen sich für Jung und Alt: So vertreibt die Kooperation unter ihrer Eigenmarke "Funtoys" auch ein XXL-Brettspiel für Halma und Mühle mit sehr großen Figuren. Die können von kleinen Kinderhänden gleichfalls gut gepackt werden wie von Fingern von Senioren, wie in Altenheimen erfolgreich getestet wurde.

Bei Idee+Spiel herrscht nach dem ersten Messetag gute Stimmung, die angeschlossenen Händler hätten sich in Bestelllaune gezeigt, sagt Sprecherin Dubacher. Beliebt bei den Einkäufern war eine Klassiker-Marke: Lego.

Diese Zwischenbilanz kann schlecht für das generelle Einkaufsverhalten der Händler sprechen - aber ein Verdacht liegt nahe: Die von der Branche viel gepriesenen und stets erhofften Innovationen werden oft von den Klassikern in den Schatten gestellt.

Plastikfiguren für eine Welt im Jahr 2113

Kein Wunder: Wer sich die nominierten neuen Spielzeuge für den "Toy Award"ansah, musste sich gelegentlich fragen, welches Kind nachhaltig Begeisterung für technisch hochgerüstete Spielgeräte aufbringen soll.

So soll man mit "E-Rangern" von Playmobil die Erschließung eines neuen Ökosystems in einer zerstörten Welt im Jahr 2113 simulieren. Die Rangerfigürchen der Gegenwart sind natürlich aus Plastik.

Vielleicht ist der Vorstoß von Märklin auch als Plädoyer für Nachhaltigkeit zu verstehen - mit Werbung fürs Bahnfahren. Denn der schwäbische Traditionshersteller will wieder Anschluss an den Markt gewinnen und mit Neuerungen mehr Kinder für die kleine Schienenwelt zu begeistern.

Freilich weht auch hier der Zeitgeist: Die Modelleisenbahnen von Märklin können jetzt auch mit dem iPhone, iPod oder iPad gesteuert werden - per W-Lan entsteht so die moderne Version einer Funkfernsteuerung. Begeistern soll vor allem aber eine neue Eisenbahn mit Magnetkupplungen, die auf Schienen, Fußböden und Teppichen fährt.

Steffen Gerth, Nürnberg